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Sash, 34, Dunkelträumer

Da komme ich eben heimgefahren und stelle fest, dass alles anders aussieht. Und, o ja, da sind wohl ein paar Straßenlaternen ausgefallen. Passiert, kann man ignorieren oder sich sogar ärgern. So ganz ohne Grund stehen sie da ja nicht. Ich aber mag das. Jetzt nicht einmal, weil ich mich sowieso eher auf der dunklen Seite des Planeten wohlfühle. Ich mag es einfach, nachts meine übliche Umgebung mal anders zu haben.

Das ist kein großes Ding, aber seit ich festgestellt habe, dass viele Menschen erst einen Urlaub in anderen Ländern brauchen, um sich einfach mal über Veränderungen zu freuen, bzw. sie überhaupt erst zu bemerken, schätze ich diese kleine Macke von mir sehr. Damit will ich mich keinesfalls gegen Urlaub oder das Kennenlernen anderer Länder und Gegenden aussprechen, natürlich nicht! Das ist prima und immer eine gute Idee!

Aber ich mag es insgeheim sehr, dass mir für manches kleine und wohlige Schaudern sowas Belangloses wie der Ausfall von ein paar Straßenlaternen in Berlin-Marzahn ausreicht. Und wenn’s nur ist, um sich sicher zu sein, dass „langweilig nach außen“ nicht zwingend „tot innendrin“ bedeutet. 🙂

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Sucht und Sicherheit

Rauchen ist scheiße, machen wir uns nix vor. Aber ja, ich bin als typischer Nikotinjunkie eben süchtig und rede mir das dementsprechend (das ist Teil des Krankheitsbildes) schön. Aber darum soll’s nicht gehen. Ich rauche, ich brauche meine Zigaretten also auch, und das mit der Versorgung ist hier nur so mittel.

Eigentlich ist die Lage sogar gut, aber ausgerechnet unser Alltagssupermarkt hat meine Marke nicht. Heißt: Ich muss mir entweder immer wieder Vorrat beschaffen oder am Wochenende vor 20 Uhr ins Eastgate gehen. Was in meiner Welt sehr früh ist. Also am Wochenende.

OK, dass ich das muss, ist gelogen. Eigentlich haben wir vor Ort eine noch bessere Lage: Drei mir bekannte Automaten in Laufweite. Und da sind wir nun bei der aktuellen Geschichte: Der erste ist unbequem zu erreichen. Zwar nicht weit, aber doofe Richtung – und er braucht ewig, um mal Führerschein oder EC-Karte zu erkennen.

Der zweite ist meiner. Sozusagen. Der Steht beim Stammdöner und ist ein Rauchertraum, was die Bedienung angeht. Tagsüber isses da aber sehr voll und man muss sich unter den Fernseher knieen, auf dem gerade die örtliche Neonaziclique Fußball schaut – und außerdem ist meine Marke gelegentlich ausverkauft. Nicht einmal oft, aber wenn, dann erschreckenderweise gerne auch mal wochenlang. Mit Kippen machen Gastwirte halt kein Geld.

Aber nun steht direkt vor der Tür der dritte Automat. Im Gegensatz zu dem Innenraumgerät muss man sich hier aber auch altersmäßig verifizieren, zum anderen hat er einen Ausgabeschlitz, der für Kinderhände (sic!) designt wurde. Wenn ich noch wehleidiger als ohnehin schon wäre, könnte ich ernsthaft behaupten, es bereitet jedes Mal Schmerzen, wenn ich da eine Schachtel rausfummeln muss. Ozie bestätigt das übrigens auch mit wesentlich zarteren Händchen.
Was aber noch schlimmer ist: Die Sau frisst Geld. Es kommt einfach regelmäßig vor, dass man 6 € für eine Schachtel reinwirft und auf der Anzeige am Ende 4 € stehen. Und auch bei der Rückgabe kommen dann nur 4 € raus. Das hat mich vor etlicher Zeit schon mal beflügelt, mein Geld zurück zu verlangen. Und da sind die auch kulant, das muss man ehrlich zugeben. Obwohl man ja keinen Beweis hat, zahlen die aus, was man ihnen erzählt.

Andererseits bin ich ja auch kein querulatorisches Arschloch. Fehler passieren, und wenn mir dann nach drei Wochen mal wieder ein einzelner Euro flöten geht, rufe ich nicht gleich die Hotline an. Könnte ich, schon klar. Ich finde es auch nicht verwerflich. Aber selbst ich mit nahezu Mindestlohnverdienst verwerfe das meistens wegen zu viel Aufwand.

Und dann kam Ozie heute mit einer statt zwei Packungen zurück und meldete zerknirscht, dass der Automat die kompletten sechs restlichen Euro gefressen hätte. Was am Ende bedeutete, dass ich kurz  vor dem Schreiben dieses Blogeintrags doch noch unerwartet nachts zum Döner musste, um mir Nachschub zu sichern. Und da ich nun schon fünf Bier getrunken habe und entsprechend eher gesprächsbereit als sonst war, hab ich die Hotline von tobaccoland angerufen.

Und wieder aufgelegt, als die mich ernstlich aufgefordert haben, einer digitalen Aufzeichnung eine mir nicht auswendig vorliegende IBAN vorzubrabbeln. Also das Online-Formular. Neben erstaunlich vielen „Optional“-Angaben (nicht mal die IBAN, Kto-Nr. reicht!) muss man natürlich Marke und Summe angeben. Ich hab das letztlich erst im Freitext umgesetzt und bin nun mal gespannt auf die Rückmeldung. Und hey, ich hab denen alle Optionen explizit offen gelassen! Wenn ich morgen hier tobaccoland-Werbung schalte, wisst Ihr, warum:

Marke war immer Gauloises (blau). Zur Geldsumme: Keine Ahnung!
Heute waren es ausnahmsweise mal ganze 6 von 12 €, die spurlos in diesem Automaten verschwunden sind. Seit meiner letzten Meldung von vor Ewigkeiten sind es sicher 20 bis 30 € gewesen.
Ich bin, so aufgebracht ich im Moment erscheinen mag, wirklich niemand, der wegen hier mal einem oder zwei Euro sofort Alarm schlägt. Aber der Automat ist eine Katastrophe und ich meide ihn ja schon bewusst, bin aber manchmal auf ihn angewiesen, wenn der nächstbeste leer ist.
Mir geht’s nicht um eine centgenaue Rückerstattung, ich würde mich eher über eine Antwort freuen, wieso ein Gerät mit so einer Fehlerquote weiterhin zugänglich ist. Andererseits bin ich wie alle Süchtigen bestechlich, der Fantasie sind nach oben keine Grenzen gesetzt. 😉
Im Ernst: Bei allem Verständnis für restriktive Sicherheitsmaßnahmen bei einem Kasten mit viel Bargeld drin: So ein kleiner Rest von Usability ist schon das mindeste.

Beste Grüße,
Sascha Bors

PS: Telefonnummer als Pflichtfeld, ok. Aber ich arbeite in der Nachtschicht. Wagen Sie es ja nicht, mich „zur näheren Klärung“ mal spontan vor 17 Uhr anzurufen. Sonst haben wir wirklich ein Problem!

Ich hab das Popcorn griffbereit. 🙂

Nachtrag:

Die sind selbst bei Ärger zu langweilig. In der Antwort schreiben Sie, sie hätten meine Mail „mit Dank erhalten“ und würden mir „den Betrag“ (Himmel, welchen denn?) überweisen. Danke, bitte bleiben Sie uns treu, Ciao. So in der Art. So macht Spielen keinen Spaß.

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Neuer Lattenrost (und ähnliches)

Nach einiger eigentlich guter Zeit auf einem improvisierten Billig-Lattenrost von Ikea (im Wesentlichen zwei billige Lattensammlungen, die wir freihand kombiniert haben) ist nach unschönem ständigen Rausrutschen der Bretter  nun der Entschluss  gefallen, mal eine ordentliche Unterlage für mich zu besorgen. Und vorerst fühlt es sich gut an. Langzeittests kann ich natürlich noch nicht bieten, aber falls es hier Mitleser in meiner Gewichtsklasse gibt: Dieser ist es jetzt.

Wenn ich mich in den nächsten Tagen daran gewöhne, unter der Matratze mal nicht mehr nur harte Bretter oder gar wie viele Jahre lang den Boden zu haben, dann ist das prima, alles bestens.

Allerdings sind das auch mal eben zwar moderate, aber nicht für jeden bezahlbare hundert Euro gewesen.

Und deswegen das „und ähnliches“ in der Überschrift.

Viele wundern sich, wieso ich z.B. Amazon-Links setze und nicht den Internethandel verfluche, wo der doch so viele Arbeitsplätze kostet etc. pp. Nun muss ich ehrlich gestehen, dass ich für die Arbeitsbedingungen bei Amazon kein großes Verständnis habe und gerne mal einen Laden um die Ecke empfehle, ich aber leider nicht umhinkomme, Online-Handel quasi als die Erlösung schlechthin zu sehen.

Ich bin überdurchschnittlich groß und überdurchschnittlich schwer. Das ist für sich gesehen keine Statusmeldung wert, aber ich  bin damit aufgewachsen, dass das eine fucking Beeinträchtung ist. Ich hab als 16-Jähriger einfach nur Sneakers tragen wollen wie all meine Freunde. Die (von bestimmten Marken und Modellen wollen wir gar  nicht erst reden!) gab’s leider nur bis Größe 47. Und ich hatte halt eher 48. Sicher, das hat keine Sau außer mir interessiert, aber da für mich handgefertigte Lederschuhe echt ein unbezahlbares No-go waren, hab ich halt zwei Wochen Schmerzen ertragen, bis die Treter endlich ausgelatscht genug waren.

Und wo andere bei Kik Shirts für 2,99 € kaufen, greife ich auch mal auf Hemden zurück, die 60 € das Stück kosten. Wobei ich gar nix gegen T-Shirts hätte, aber find die mal in 2XLT!

Und jetzt hab ich einen neuen Lattenrost. Der erste wirkliche seit ich 16 bin. Und er hat 100 € gekostet, nicht 300, 400 oder 600, was man überraschend bequem ausgeben könnte für „Special-Interest“- Zubehör. Das  Dumme ist halt: Nur weil man groß und schwer ist, ist man nicht zwingend reich. Und da kommt das Ganze zurück zum Online-Handel: Mir ist schon klar, dass die Schuhfabrikanten während meiner Kindheit kaum kostendeckend meine Größe zum gleichen Preis verticken konnten. Ich zahle heute (Schuhgröße 50) oft noch 10 bis 30 € mehr als Leute mit Durchschnittsfüßen. Aber inzwischen können die Hersteller und Händler auch überregional Kundschaft finden, es lohnt sich also mehr für sie  – und das macht mir persönlich das Leben sehr viel leichter. Das sind dann eben die Lichtseiten der Schattenseiten der ganzen Chose.

Und das wirklich Wichtige ist ja: Ich bin damit keineswegs alleine!

Leute sind größer und kleiner, leichter und schwerer, dünner oder dicker, dunkler oder heller als der Durchschnitt. Viele auch krummer oder gerader, mobiler oder eingeschränkter, cleverer oder gutgläubiger, was weiß ich!

Ich bin kein Terrorist und kann in einem 5er-BMW nicht einmal auf dem Beifahrersitz sitzen, ich bin kein Millionär und muss mir dennoch meine Klamotten maßanfertigen lassen – aber ich habe inzwischen wohl einen passenden Lattenrost, trotz grob 150 kg Lebendgewicht inklusive Knochen. Immerhin etwas!

Und jeder, der jetzt denkt „Hmm, stimmt. Interessant!“, darf sich gerne nochmal die Themengebiete Rassismus, Sexismus, Misogynie etc. vornehmen.

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#OperationFlurfunk, die Vodafone-Episode

Ja, wir haben uns bei der Flurrenovierung zu Gunsten anderer Kleinigkeiten wie der Erwerbsarbeit und dem gemütlichen Miteinander etwas gehen lassen. Es sind noch Dinge zu tun. Aber es neigt sich dem Ende zu und deswegen stand nun unter anderem auf dem Plan, das mit dem schnellen Internet anzugehen. Vodafone hat ja bereits seit einem halben Jahr Briefe über Briefe geschickt, um uns zum Wechsel zu überreden. Unser wunder Punkt war ja immer, dass wir die Kabeldose verlegen wollten und im Flur Ordnung schaffen. Jetzt, wo das langsam absehbar ist, habe ich also das Telefon gesattelt und bin Kraft meiner Stimme bei Vodafone eingeritten: Ja, wir wollen wechseln!

Davor allerdings fragte ich mich, ob sie dort bei der Hotline einen Satirepreis gewinnen wollen, denn ich als wegen anderer Vorkommnisse stark traumatisierter Kunde fand es reichlich verstörend, dass mich die musikalische Untermalung mit den Worten „You never been loved“ empfangen hat. 0.o

Der nette Mitarbeiter rasselte dann völlig an der Tatsache, dass ich die Wechselabsicht bereits bekundet hatte, Daten runter, die in jedem der Briefe standen. Garniert mit dem Hinweis, dass 100 Mbit/s „schon ein spürbarer Geschwindigkeitszuwachs“ sein würden.

Don’t you say? Der Wechsel von 2 auf 100 Mbit/s soll spürbar sein. Na, wer hätte es gedacht!

Aber dann das leidige Thema „Kabeldose“. Ich sagte ihm, dass wir die verlegen lassen wollen. Er erkannte völlig richtig, dass wir ja aber schon eine hätten.

Verstehen wir uns an diesem Punkt nicht falsch: Mir ist klar, dass die ihre Vorschriften haben und dass dazugehört, dass bei einer bereits vorhandenen Dose eine Verlegung/Neuinstallation kostenpflichtig sein würde, war uns bewusst. No big Deal: Shut up and take my money!

Aber!

Er fing dann an, mir zu erklären, dass es doch eigentlich völlig egal wäre, wo die Dose liegen würde. Das W-LAN würde sicher auch so die ganze Wohnung erreichen, ein paar Kabel müssten wir ja so oder so verlegen, etc. pp. Wohlbemerkt ohne zu wissen, wie das hier  bei uns genau aussieht und wie wir uns das so gedacht haben. Als er mich damit nicht abbringen konnte, meinte er, dass sie das selbstverständlich machen könnten, dass das aber leider leider wirklich sehr teuer werden würde:

„Hören Sie, unsere Techniker, die verlangen da gerne mal so 150 €, sehen sie doch zu, dass sie das vielleicht von einer anderen Firma erledigen lassen.“

Ich weiß: Ich sollte einfach nicht mehr auf Hotline-Mitarbeiter hören, die sich einen Scheißdreck für das interessieren, was ich wirklich will. Andererseits schätze ich die Situation hier durchaus so simpel ein, dass wir das „eigentlich“ auch alleine machen könnten. Eine Verlängerung des Kabels um ca. 7 Meter, eine Dose an die Wand kleben, fertig. Die Kabelkanäle wollten wir ja ohnehin im Rahmen der Renovierung schon vorbereiten, die liegen schon hier. Es schien mir plausibel, dass ein Elektriker das in 15 Minuten für unter 150 € hinkriegt.

Zu allererst hab ich bei unserer Wohnungsbaugesellschaft angerufen. Die haben in der Regel für jeden Scheiß Techniker an der Hand und abgesehen davon sind wir ja gute Mieter, die gerne mitteilen, wenn sie in der Wohnung den Kabelanschluss (ist Teil der Mietsache) verlegen. Die Antwort?

„Nein, das machen nur die von KabelDeutschland!“

Also Vodafone. Und  die hatten mir ja gesagt … ich begann den Fehler zu erahnen.

Nichtsdestotrotz haben wir dann noch schnell zwei Nummern von ortsansässigen Elektrikern aufgetrieben. Der erste erklärte im Gegensetz zu seiner Webseite, dass sie sowas nicht machen, sondern „nur so große Sachen mit Starkstrom“. Bei der zweiten Firma wäre das alles kein Problem gewesen, aber da der unverbindliche Kostenvoranschlag sehr schnell bei 120 € zuzüglich Material landete, rückte der Gedanke nahe, dass das dann doch auch die Leute von KD mal schnell mitmachen könnten. Wegen 3,50 € Preisdifferenz will ich sicher nicht zweimal Techniker im Haus!

Obwohl mit dem netten Kerl von Vodafone eigentlich ein Rückruf am kommenden Montag vereinbart war, rief ich nochmal an. Das ist ja das größte Problem an Callcentern: Man weiß nie, ob man einen von den guten oder den schlechten Mitarbeitern an die Strippe kriegt. Das was dann jedoch passierte, hat selbst mich geflasht:

Völlig ohne Wartezeit hatte ich einen über alle Maßen sympathischen Menschen in der Leitung, der mir gleich versprach, dass der Technikerbesuch freilich völlig umsonst sei. Jaja, schon klar.

„Warten Sie, warten Sie, warten Sie! Bevor Sie das sagen: Wir haben bereits eine Dose, wollen die aber trotzdem verlegen lassen. Der Kollege sagte, das ginge nicht!“

„Oh, ach so. Bleiben Sie kurz dran, ich muss das kurz klären.“

Das hatte der erste auch so gemacht. Aber, o Wunder:

„Da haben Sie recht, das wäre kostenpflichtig. Das würde einmalig 49 € kosten.“

0.0

Shut. Up. And. Take. My. Money!

„Dann sind wir doch im Geschäft. Ich hatte mich ja nur anderweitig umgehört, weil der Kollege gesagt hat, dass das ca. 150 € sein könnten.“

„Nein, um Gottes Willen. Und ganz ehrlich, ich finde das nicht gut! Ich würde ihnen dafür (statt des eigentlichen Wechselbonus‘ von 60 €) eine Gutschrift von 120 € geben. Wäre das in Ordnung für Sie?“

Ja, scheiß doch die Wand an! Mit der Gutschrift ist der Technikerbesuch ja schon wieder völlig bezahlt. Mal ganz davon abgesehen, dass uns unser („spürbar schnelleres“) Internet sowieso dank weiterer Boni ein Jahr lang deutlich weniger kosten wird und danach exakt 1,04 € mehr pro Monat als bisher. Ich sag ja: Wir hatten den Mist bisher ja bloß nicht angenommen, weil wir zuerst den Flur renovieren wollten!

Und während wir das die Tage unter Dach und Fach bringen, freuen wir uns auf den Anruf des ersten Mitarbeiters am Montag, der dann aber wohl leider leider auf seine Provision für den Vertragsabschluss wird verzichten müssen. Und nein, den wird vorher keiner informieren, dass sich die Sache erledigt hat. Da machen wir uns nix vor. Der Laden insgesamt bleibt ja derselbe.

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Erwin Hapkes Welt

Wenn Ihr nicht auch gestern die Nachrichten verfolgt habt, dann wird der Name Erwin Hapke Euch wohl nix sagen. Wie auch? Falls er keine Namensvetter hatte, war Erwin Hapke wohl ein SEHR öffentlichkeitsscheuer Mensch, die Medien berichteten, er habe in den letzten 40 Jahren nur einmal anlässlich eines familiären Sterbefalls das Haus verlassen. Er ließ sich sein Essen von der Schwester liefern und niemand  hatte eine Ahnung, was Hapke in seinen vier Wänden trieb.

Bis er vor einiger Zeit tot aufgefunden wurde.

Wo man eine normale Rentner-Wohnung erwartet hatte, wurde eine Art Museum gefunden. Und das nicht etwa gurlittlike mit Raubkunst oder dergleichen, sondern mit selbstgeschaffenen Werken von Erwin Hapke. Ein paar eindrucksvolle Metallkunstwerke, viel mehr aber Papier-Faltfiguren. Nicht dutzend- oder hundertfach, sondern – wie der WDR schreibt – hunderttausendfach!

Im ganzen Haus geradezu ausgestellt, gruppiert, teilweise sogar mit Anleitungen und biografischen Informationen versehen. Ja, es scheint, als hätte  der zurückgezogene Erwin eigentlich durchaus die Öffentlichkeit im Sinn gehabt, als er die Blätter faltete, verklebte, zusammensteckte und verzierte.

Bei allen Meldungen, die einen Tag für Tag überfluten, war das eine der wenigen, die mich gerührt hat. Ich weiß nicht einmal, ob ich es jetzt schön finde, dass die Schätze geborgen werden, oder ob ich eher traurig sein sollte, weil Erwin Hapke zu Lebzeiten offenbar nie dazu kam, sich anderen zu erklären. Ich hoffe, es ist wirklich in seinem Sinne, dass all das jetzt publik wird.

Hier der Link zum WDR mit der beeindruckenden Bildergalerie, die man sich wirklich wirklich anschauen sollte:

Die gefaltete Welt des Erwin Hapke

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Verstrahlungsoptimierung

Ich weiß nicht, wie sich meine Leserschaft so aufteilt, aber ich vermute, es lesen doch einige hier mit, die wie ich im Westen der Republik ihren Ursprung haben. Und denen muss ich jetzt unbedingt mal was von meinem letzten Besuch in der Röntgenklinik erzählen. Ich weiß nicht, ob die ganzen „Ärztehäuser“ und „Gesundheitszentren“ und wie sie alle heißen, ausschließlich – und vor allem immer noch – eine reine Ost-Geschichte sind, aber zumindest ich kannte das so aus Stuttgart bisher nicht.

Hier sind nämlich (neben den durchaus auch verbreiteten Einzelpraxen) Ärzte oft noch gemeinsam untergebracht. In extra dafür errichteten Gebäuden sind mindestens fünf, meist jedoch eher zehn verschiedene Praxen verschiedener Fachbereiche untergebracht. Und – so zumindest mein Gefühl – die Praxen selbst sind oftmals erschreckend effizient organisiert, allerdings natürlich auf Kosten der Individualität. Würde mich also nicht wundern, wenn das wirklich zu 100% ein Erbe des realgescheiterten Sozialismus‘ wäre.

Trotz z.B. eklatantem Ärztemangel bei uns in Marzahn hab ich bei einer von meiner Ärztin empfohlenen Radiologie am Telefon schnell mal erfahren, dass ich „gerne jetzt gleich“ vorbeikommen könnte. Ohne Termin. Klar, Wartezeiten gibt es, aber so Fälle wie meine Zahnärztin, bei der die nie über 20 Minuten (an sehr schlechten Tagen) rausgeht, sind wohl bundesweit selten. Insbesondere für Kassenpatienten. 😉

Nun ja, ich musste mich nochmal röntgen lassen – die Sache mit dem Pleuraerguss neulich. Nachkontrolle, was halt so anfällt. Ich hab bei der Praxis vorher angerufen, weil ich wissen wollte, wann die Auslastung – und damit die Wartezeiten – möglichst gering wäre. Die Wahl fiel auf den nächsten Mittag und ich wurde nicht enttäuscht: Um 11:57 Uhr hab ich den Laden betreten, um 12:27 Uhr war ich wieder draußen.

Die Handhabung des Ganzen allerdings war mir dennoch fremd, denn tatsächlich wurden den Leuten beim Aufrufen immer ohne nähere Information eine Kabine zugewiesen. Die waren dann, wie ich schnell feststellte, auch leicht auffindbar. Und ja: Anstatt nun in einem Behandlungszimmer zu landen, stand man in einer von ungefähr fünf parallelen Kabinen, die an eine Schwimmbadumkleide erinnerten. Eine Bank, ein Kleiderbügel, ein Spiegel. Davor ein kleines Schild, das zum Entkleiden aufforderte. Das war’s. Ein Quadratmeter. All die Kabinen führten in einen Röntgenraum, und in diesen wurden nach und nach die Patienten ohne großen Pathos der Reihe nach geschleust. Da bereits bei der Anmeldung geklärt war, was wo genau durchleuchtet werden muss, reichte nun eine Helferin, die mal eben in zwei Minuten alles abgehandelt hat. Mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht.

Beeindruckend fand ich beispielsweise, wie innerhalb von ca. 6 Sekunden folgende Geräuschkulisse die Aufnahme an sich begleitete:

„So. Luft anhalten.“ Klick. Klick. Klick. „Weiteratmen.“

Die Klicklaute, alle drei keine Sekunde auseinander, waren:

Klick 1: Die Assistentin verlässt den Röntgenbereich und schließt die Tür.
Klick 2: Das Bild wird angefertigt.
Klick 3: Die Assistentin öffnet die Tür und betritt den Raum wieder.

Das ist fraglos unpersönlich und wird sicher von vielen auch störenderweise so empfunden. Ich persönlich mag das. Ich noch nicht alt genug, um des netten Gesprächs wegen zum Arzt zu gehen und ich bin pragmatisch veranlagt. Mir kommt das also sehr entgegen.

Aber – und der Seitenhieb muss sein! – das Problem an solchen Systemen ist, dass sie auf den Mittelwert hin optimiert werden. Irgendwelche Ausnahmen machen da schnell „Ärger“. In meinem Fall war das wie üblich meine Größe. Natürlich wurde ich vor der Aufnahme ordnungsgemäß an die Wand gestellt und die Kamera entsprechend ausgerichtet. Nach dem ersten von eigentlich zwei Bildern kam die Assistentin dann aber doch kopfschüttelnd wieder rein und raunte:

„Nee, das müssen wir nochmal machen. Das war jetzt doch etwas tief. Sie sind ja aber auch groß!“

Dennoch: Auch wenn man mit Strahlenmehrbelastungen nicht scherzen sollte: Das ist mir dann doch lieber, als nach vier Wochen Anmeldezeit drei Stunden im Wartezimmer zu verbringen.

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#OperationFlurfunk (4)

Viel passiert ist bisher nicht mehr. Also ja, wir haben nochmal einen halben Tag zusammen Tapeten abgekratzt und Ozie gestern zusätzlich auch nochmal drei Stunden. Und natürlich sind dabei mehrere Quadratmeter von mehreren Lagen vernichtend geschlagen worden. Dennoch sind von ursprünglich acht Wänden erst drei komplett fertig. Zwei der verbleibenden sind sehr klein und weitere zwei schon sehr weit enttapetisiert. Aber ein Bald-fertig-Gefühl will sich noch nicht einstellen.

Als ich das heute zwei Kollegen erzählt habe, sind die sofort in den Ostalgie-Modus verfallen und haben gelacht:

„Haha, jaja, die alte Osttapete. Da wirste Spaß mit haben!“

Naja, nun ist das Wochenende erst einmal mit Arbeit verplant. Ich muss Taxi fahren, Ozie muss Taschen herstellen und verkaufen. Das Geld wächst auch bei uns nicht auf Bäumen. Was allerdings wieder mal wächst: Chilis! Ozie hat mal wieder ein paar Samen ausgesetzt und die sprießen bereits fleißig. Hach. Ist ja nicht so, dass alles doof wäre. Es gibt halt nur manchmal eine Schwierigkeit mehr als sonst. 🙂

PS: Auch nicht zu verachten: Wir haben einen weiteren sehr guten Lieferservice entdeckt, dieses Mal in chinesisch und vietnamesisch.

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