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Archiv für die Kategorie ‘Fremde Texte’


Error 1337

7. August 2010

Ja, hi allerseits!

Ich bin eine technische Störung und ich wollt’ auch mal hallo sagen hier. Puh, so als Blogeintrag kommt man ja ganz schön rum. Ich bin schon ganz schizophren, so viele Feed-Reader, wie hier an mir zerren…

Ja, weswegen bin ich eigentlich da? Es ist so:

Beispielsweise kommt ja morgens immer ein Taxiartikel hier. Also nicht beispielweise, sondern das ist so gewesen, so.

(den letzten Satz hab ich von meinem Freund Oleg, der menschlichen Störung, geklaut)

Und heute hab ich den einfach mal gestört. Ich meine, der Sash ist ja schon ziemlich zuverlässig, aber der Artikel war einfach doof. Hab ich mir gedacht: Nee, heute bist du mal dran! Also is jetzt nich so, dass der Sash keinen Artikel geschrieben hat! Hat er! Voll viel sogar. Mindestens! Das ist alles wegen dem technischen Tralala hopsgegangen. Ich hab nämlich mal kurz die doppelpoligen WordPress-System-Device-Server-Dingsdas ausgerenkt.

Wünsche euch noch einen schönen Morgen,

eure technische Störung

(don’t call me Störi!!!)

Author: Sash Categories: Fremde Texte, Vermischtes

Zentrum, Geschichten von Kalle (3)

20. Oktober 2009

Weil Sachsentaxi in den Kommentaren davon gesprochen hat, möchte ich es hier gleich mal aufgreifen. Der Name von Callcentermitarbeitern. Meist ist er nicht viel wert, denn oft kennt Miarbeiter 2 den 1. gar nicht und einen Vorgesetzten ans Telefon zu bekommen, der nicht für verärgerte Kunden, sondern tatsächlich für Mitarbeiter zuständig ist, ist nahezu unmöglich. Deshalb interessiert es die wenigsten Kunden wie man heißt. Einige notieren sich dennoch schon zu Beginn des Gespräch akribisch den Namen bei jedem Anruf, viele tun das erst wenn sie sauer sind.

Es gibt Kollegen, die dann einfach auflegen (ja tatsächlich), denn ohne Namen kann man sich auch nicht beschweren. Ich verfolge hierbei eine andere Strategie.

Ich: “Es tut mir leid, dass die Lieferung des Sofas heute nicht geklappt hat, ich kann Ihnen aber frühestens übermorgen einen neuen Termin geben.”

Kunde: “Es hieß, es wird heute geliefert und will, dass sie heute liefern.”

Ich: “Es ist bereits 18:00 Uhr. Da kann ich wirklich nichts machen. Es tut mir sehr leid. Haben Sie denn am Donnerstag die Möglichkeit die Lieferung entgegen zu nehmen?”

Kunde: “Und dann sitz ich wieder hier und keiner kommt. Nee.”

Ich: “Ich würde diesmal auch ihre Handynummer dazuschreiben, damit der Fahrer Sie erreichen kann, wenn Sie einkaufen sind.”

Kunde: “Einkaufen? Ich war nur 5 Minuten auf dem Markt. Ich kann ja auch nicht den ganzen Tag hier sitzen. Der hätte ja auch kurz warten können.”

Ich: “Der Fahrer hat Sie nicht angetroffen und unter der Festnetznummer niemanden erreicht. Deshalb ist er weitergefahren. Das ist wirklich sehr ärgerlich für Sie, aber …”

Kunde: “So jetzt reichts. Sie geben mir jetzt erstmal Ihren Namen. So lass ich nicht mit mir reden. Mal sehen was Ihr Chef dazu sagt.”

Ich: “Mein Chef wird leider auch keine besseren Neuigkeiten für Sie haben, aber ich gebe Ihnen gerne meinen Namen: Kalle Zentrum Z E N T R U M.” (Ich hab natürlich nicht geschrien, sondern nur buchstabiert.)

Kunde (hat offenbar nicht mitgeschrieben) : “Nagut, wann am Donnerstag könnten Sie denn kommen?”

Manchmal ist es so einfach, einer billigen Drohung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Meine Teamleiterin hätte mir zu diesem Sachverhalt wahrscheinlich nur gesagt, dass ich dem Kunden bei Selbstverschulden keine kostenlose Expresslieferung für Donnerstag anbieten muss. Naja, ich bin halt ein Netter. :)

TIPP 3:

Auch wenn es oft nichts bringt, sollte man sich den Namen immer notieren, denn bei wirklich unfreundlichen Mitarbeitern kann die Drohung mit einer Beschwerde durchaus Wunder wirken. Man sollte denjenigen dabei natürlich namentlich ansprechen. ;)

Author: Sash Categories: Fremde Texte

Zentrum, Geschichten von Kalle (2)

18. Oktober 2009

Eine Kundin rief an, weil ihr ungerechtfertigt Versandkosten berechnet wurden. Dieses Anliegen wurde oft an mich herangetragen und zu oft musste ich erbosten Kunden erklären, dass die Versandkosten durchaus korrekt berechnet wurden. Denn auch wenn z.B. die 2. Lieferung nur entstanden ist, weil ein Teil vom Kunden vergessen oder in der falschen Größe bestellt wurde, müssen wir zweimal liefern. Somit entstehen logischerweise auch dem Kunden zweimal die Versandkosten. Hier kann man sicher mal kulant sein, aber es gibt kein Anrecht auf eine Gutschrift.

Diese Anruferin hatte allerdings völlig recht. Ein kurzer Blick in die Kundendaten verriet mir, dass wir einen Pullover falsch geliefert hatten. Auf Ihren Wunsch hatten wir den Artikel neu bestellt. Da der Fehler bei uns lag, musste sie für die zweite Bestellung natürlich niochts extra zahlen.

Ich: “Das tut mir leid. Ich schreibe die Versandkosten sofort gut und Sie überweisen dann nur den Restbetrag. Darf ich sonst noch etwas für sie tun?”

Kundin: “Nein, aber so einfach geht das? Die Kollegin, mit der ich gerade gesprochen habe, meinte, dass ich die Versandkosten auf jeden Fall zahlen muss.”

Ich: “Oh, da hat die Kollegin wohl übersehen, dass es ein Umtausch war. Bitte entschuldigen Sie.”

Kundin: “Nein, nein. Die hat ja nichtmal meine Kundennummer wissen wollen. Die hat sich das gar nicht angeschaut und mich gleich abgewimmelt.”

Was sollte ich dazu sagen? Richtig wäre gewesen, dass die Kollegin wohl eine dumme Kuh ist und ich stark hoffe, dass es bald auffällt und sie gefeuert wird. Denn ich hatte nun doppelt so lange mit einer doppelt so schlecht gelaunten Kundin zu tun, die doppelt anrufen musste. Na danke. Bei solchen Kollegen geht einem die Arbeit viel leichter von der Hand.

Das Telefonat habe ich jedenfalls mit vielen Entschuldigungen und dem Dank für wahrscheinlich nicht vorhandenes Verständnis beendet.

TIPP 2:

Wenn man nach Berherzigung von Tipp 1 feststellen muss, dass der Angerufene offensichtlich kein Interesse hat, sich mit dem Anliegen zu beschäftigen, sollte man es einfach später nochmal versuchen.

Author: Kalle Zentrum Categories: Fremde Texte

Zentrum, Geschichten von Kalle (1)

17. Oktober 2009

Vor einigen Wochen hatte Sash die Idee, dass ich einige meiner Kundenerfahrungen als Gastbeitrag hier vorstellen könnte. Naja warum eigentlich nicht? Kunden sind immer wieder interessant, egal in welchen Umfeld. Doch bisher war es eben nur eine Idee. Aber als ich heute mit Erschrecken lesen musste, dass Sash die Taxigeschichten ausgegangen sind, kam der Geistesblitz:

Ich mache die Krankenvertretung. Ich möchte mir zwar nicht anmaßen ein würdiger Ersatz zu sein, aber vielleicht kann ich den ein oder anderen ja bis zu Sashs Genesung unterhalten…

Die Geschichten, die ich erzählen werde, habe ich während meiner Arbeit als Kundenbetreuer in einem Service-Center großer Versandhandelsunternehmen erlebt. Das Wort Callcenter ist wohl der geläufigste Begriff dafür, aber es trifft es nicht ganz. Zu unserer Freude durften uns die Kunden auch per Fax, Brief, Email oder Chat kontaktieren.

In meinem Center haben 1200 Mitarbeiter gearbeitet, in Schichten natürlich, um dem gewaltigen Kundenandrang zu bewältigen. Außerdem haben uns dabei zwei weitere Center in anderen Städten geholfen, die zwar etwas kleiner, aber dennoch riesig waren. Und dazu auch gleich der erste erheiternde Dialog, den man so des Öfteren erleben durfte.

Ich: “Willkommen bei Versand, meine Name ist Kalle Zentrum. Was darf ich für Sie tun?”

Kundin: “Das hat ja ne Ewigkeit gedauert bis man hier mal jemanden an der Strippe hat. Sie wollen einen doch nur abzocken.”

Ich: “Es tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten, aber jetzt bin ich ganz für Sie da. Nennen Sie mir bitte Ihre Kundennummer?”

Kundin: “Ich habe heute schon so oft angerufen, so langsam müssten sie mich alle kennen. Nochmal gebe ich Ihnen meine Kundennummer nicht.”

Ich: “Leider kenne ich Ihre Kundennummer nicht. Würden Sie mir kurz die neun Ziffern oder Name und Adresse geben, damit ich Ihre Kundendaten aufrufen kann?”

Kundin: “So nicht. Nicht mit mir. Wenn Sie glauben, dass sie Kunden so behandeln können. Sowas unfreundliches hab ich ja noch nie erlebt. Dann eben nicht.”

Tuut – Tuut – Tuut

Es war nicht der Regelfall, dass Kunden sich weigerten Name oder Kundennummer preiszugeben, Tonfall und Beginn des Gesprächs leider schon.

Versteht mich nicht falsch, auch ich habe viele schlechte Erfahrungen mit Callcentermitarbeitern gemacht, besonders beim Zuhören am Nebentisch. Ich will also keinen Kunden dafür verurteilen, dass er mit schlechter Laune anruft. Was aber erhofft sich der Kunde von diesem Gespräch? Den Postboten und die Kassiererin kann man kostenlos anschreien, warum zur Hölle gibt man dafür auch noch Geld aus?

So, und damit meine Krankenvertretung hier auch was lehrreiches mit sich bringt, gibt es jedesmal noch einen Tipp für Anrufe in Callcentern.

TIPP 1:

Es passiert nicht oft, aber manchmal hat man kompetente Mitarbeiter an der Strippe. Also erstmal abwarten und mitspielen und wenn der Gegenüber seinen IQ offenbart hat, entweder losschreien oder sich über die schnelle Hilfe freuen.

Author: Kalle Zentrum Categories: Fremde Texte

Der Ungültig-Balken

11. September 2009

Hier mal wieder was für die Kategorie “Fremde Texte”. Leini hat in den Kommentaren vor einiger Zeit schon geschrieben, dass es – wenn man die Politik hierzulande – vereinfacht gesagt – scheisse findet, sinnvoller ist, ungültig zu wählen als nicht wählen zu gehen. 15 gut investierte Minuten und zudem ein Akt, bei dem man so kreativ sein kann wie man will – mit dem Nachteil, dass es niemanden mehr interessieren wird, wenn es vollendet ist.

Wie dem auch sei: Dem Aufruf kann ich mich anschließen – und der Ungültig-Balken wäre es schon wert :)

Trotzdem nochmal ganz klar: Der Text ist nicht von mir geschrieben!

Die Rechtschreibung wurde behutsam modernisiert ;)

Leini schreibt:
Da ich hier ein größeres Publikum habe als auf meiner Homepage, nutze ich diese Möglichkeit um einen kleinen Aufruf zu starten:
Am 27. September sind Wahlen. Die Wahllokale sind in Eurer Nähe, also geht hin. Und wenn ihr aus Wut, Frustration, Resignation oder warum auch immer niemanden wählen wollt, dann wählt ungültig. Besser als in der Masse derer zu verschwinden, die von den Machthabern als “politikverdrossen” bezeichnet werden. Das Ziel muß sein ein Balken mit “ungültig” in der ARD-Hochrechnung.
Sagt das weiter, lasst uns dieses Prjekt angehen. Es wird Zeit für ein Änderung. Nicht dass ihr mich falsch versteht. Ich möchte nicht das System stürzen. Ich finde die Grundpfeiler unserer Gesellschaftsordnung nicht perfekt, aber was besseres haben wir noch nicht gefunden. Und bis dahin müssen wir aus dem was wir haben das Beste rausholen, auch wenn ich mich jetzt anhör, als würde ich ein CDU-Plakat zitieren. Wenn wir es schaffen, ein deutliches Zeichen zu setzten, dass wir keine der Alternativen haben wollen, vielleicht fängt dann sich was zu bewegen. Ich will hier keine Utopien verbreiten. Es wird sich nicht sofort was ändern, aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wir sind dran, die nächste Generation.
Also “Fuck the system, wenigstens ein bißchen” (Sash wer war das fettes Brot, Blumentopf? Füg doch bitte das richtige ein)
[Blumentopf, "Fuck the System" von der LP "Grosses Kino" - Sash]

Der Leini

Ich danke Sash für die Möglichlkeit das zu verbreiten und fürs Korrektur lesen. Mal wieder aber diesmal nicht ganz soviel :-D

Author: Sash Categories: Fremde Texte

Die Lüge von der Politikverdrossenheit

11. Mai 2009

Wichtig: Dieser Text wurde nicht von mir geschrieben! Der Text stammt von Christian Schmidt alias Klopfer und ist auf seiner Webseite “Klopfers Web” (www.klopfers-web.de) zu finden. Der Text wurde vom Autor selbst zur Weiterverwendung angeboten. Ich bin diesem Angebot gefolgt, weil ich den Text – wie die meisten auf Klopfers Web – für gelungen und inhaltlich richtig halte. Ich teile sonst nicht alle Meinungen mit dem Autor, aber das ist bei einem so umgrenzten Themengebiet wie in diesem Text auch nicht nötig.

Die Lüge von der Politikverdrossenheit

Der Klageruf von Politikern, Medien und älteren Mitbürgern ist ein Dauerbrenner: „Die Jugend interessiert sich ja nicht für Politik!“ Dieser Stoßseufzer ist wohl eher von Überheblichkeit und Ignoranz motiviert als von ehrlicher Sorge um das Politikverständnis unserer Jugend – das Gerede von der Politikverdrossenheit soll wohl ausdrücken: „Wenn die Jugend sich für Politik interessieren würde, dann wäre sie nicht so oft anderer Meinung – WIR sind ja schließlich viel informierter und haben deswegen die richtige Überzeugung.“

Meine Erfahrung als Webmaster einer vornehmlich von Jugendlichen besuchten Website ist vollkommen anders. Jugendliche sind sehr an Politik interessiert. Sie beobachten aufmerksam, was passiert, und wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ungezwungen Fragen zu stellen, so nehmen sie diese Möglichkeit dankbar an, um politische Sachverhalte, Probleme und Konflikte besser verstehen zu können. Im Vergleich zu Menschen, für die das Berufsleben zu einem alltäglichen Trott geworden ist, besitzen Jugendliche noch eine gesunde Skepsis, und wenngleich diese Skepsis gelegentlich in Verschwörungstheorien ausufert, so ist das Hinterfragen der Motive und Handlungen unserer politischen Elite doch ein Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft. Die jugendliche Politikverdrossenheit ist ein Mythos.

Kein Mythos ist aber die jugendliche Verdrossenheit gegenüber Politikern. Und von ihrem Standpunkt aus könnte nichts verständlicher sein als das. Kinder und Jugendliche werden von der Politik gerne als Thema missbraucht, und oft ist der Hinweis auf den Schutz der Kinder ein Mittel, Kritik an umstrittenen politischen Vorhaben zu diskreditieren. Doch kaum ein Politiker macht sich die Mühe, die Kinder und Jugendlichen tatsächlich als Menschen mit eigenen Ansichten, Vorstellungen und Erwartungen an die Zukunft zu sehen. Viel häufiger bekommen Jugendliche den Eindruck, dass ihnen die Politiker nicht über den Weg trauen.

Das konnte man beim Massenmord von Winnenden gut beobachten: Schon am selben Tag flammte die Diskussion über „Killerspiele“ auf, die für Millionen Jugendliche eine harmlose Freizeitbeschäftigung sind, deren Schilderung in der Medienberichterstattung der nichtinformierten Öffentlichkeit aber nur den Eindruck vermitteln konnte, dass diese Computerspiele binnen weniger Wochen aus gesunden, ausgeglichenen Kindern emotional abgestumpfte Killermaschinen machen würden.

Anfang April erschoss ein Sechzigjähriger seine Schwägerin in einem Landshuter Gerichtssaal und tötete sich dann selbst. Hier suchten weder Medien noch die Politik schnelle Antworten im Medienkonsum des Täters. Als aber wenige Tage später eine Familie in Baden-Württemberg erschossen aufgefunden wurde und der 18-jährige Sohn und sein Freund als dringend Tatverdächtige festgenommen wurden, konnte sich N24 den Hinweis nicht verkneifen, dass die Polizei den Computer des Sohnes beschlagnahmt habe und noch nicht bekannt sei, ob Gewaltspiele auf dem Rechner wären. Das war keine Nachricht – jemand gab sich die Mühe zu betonen, etwas nicht zu wissen, aber auf eine Weise, die eine Verbindung zwischen der Tat und Computerspielen implizierte. Mit Journalismus hat das nichts zu tun.

Für Jugendliche ist die Aussage der Medien daher klar: Wenn Erwachsene durchdrehen, ist das eine durch psychische Probleme begründete Tragödie, die sich leider nicht vermeiden ließ. Wenn Jugendliche durchdrehen, dann stehen Computerspiele dahinter, die man verbieten müsste. Die Möglichkeit, dass auch Jugendliche begründeten psychischen Stress erleiden könnten, der labile Personen zu Gewalttaten treiben könnte, wird in der öffentlichen Diskussion gerne von der Debatte um Killerspielverbote überlagert. Jugendliche können sich so nicht ernst genommen fühlen. Dass in Deutschland das schärfste Jugendschutzrecht der Welt gilt, trägt ebenfalls nicht zur Vertrauensbildung bei – anscheinend traut man im Rest der Welt Eltern und ihren Kindern eher zu, mit dem Medienkonsum verantwortungsvoll umzugehen, ohne dass sich der Staat zu sehr einmischt. Jeder Erwachsene in Deutschland müsste sich kopfschüttelnd fragen, wie er es nur ohne die Zensurbemühungen des Staates geschafft hat, gesund die Volljährigkeit zu erleben, wo doch anscheinend überall Gefahren für die zarte Kinderseele lauern.

Wenn man die Politiker fragte, ob sie denn selbst mal die von ihnen so verachteten Killerspiele gespielt hätten, so wurde schnell klar, dass unsere Volksvertreter nur mit zweifelhaften Informationen aus zweiter oder dritter Hand agierten und sich nie dazu herabgelassen haben, tatsächlich einmal anzuschauen, was da eigentlich verboten werden soll. Der bayerische Innenminister konnte nur so bar jeder Sachkenntnis diese Computerspiele mit Kinderpornografie gleichsetzen – womit er die Computerspieler und Hersteller auf eine Stufe mit Pädophilen und Kinderschändern stellte. Bei der jüngeren Generation bis 30 Jahren, die mit Computerspielen aufwuchs, kann man so keine Popularität erlangen; vielmehr verliert man bei diesen Menschen sämtliche politische Glaubwürdigkeit. Dass Schützenvereine auch beleidigt reagieren würden, wenn man ihre Vereinstätigkeit auf eine Stufe mit dem Vergewaltigen von Kindern stellte, liegt auf der Hand – auf die Befindlichkeiten der jungen Menschen nimmt die Politik hingegen offenbar keine Rücksicht. Dass nicht wenige der Politiker und Bedenkenträger selbst in ihrer Jugend gegen das Unverständnis ihrer Elterngeneration für Rock’n’Roll und freie Liebe aufbegehrten und sich heute wohl nicht mehr daran erinnern können oder wollen, verleiht diesem Konflikt zwischen Jung und Alt eine tragische Ironie.

Eine ähnliche Unbedarftheit zeigt die Politik auch im Umgang mit dem Internet. Unser ehemaliger Bundeswirtschafts- und Technologieminister Michael Glos erzählte von „Leuten, die das Internet für mich bedienen“. Und genauso wird auch Politik mit dem Internet gemacht. Man bekommt nicht den Eindruck, dass diese Leute tatsächlich selbst wüssten, wovon sie reden. Die Junge Union fordert nun mit Rückendeckung der Parteiführung, vor die Registrierung bei Videoseiten wie Youtube eine Ausweisüberprüfung zu stellen, und erweckt in ihrer Begründung den Eindruck, als wenn Youtube ein riesiges Reservoir an Gewaltvideos mit dem einzigen Zweck wäre, sich zu Straftaten zu verabreden. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist ähnlich zweifelhaft wie das Gerücht, dass sich viele Jungen im Teenageralter zum Gruppenmasturbieren träfen.

Auch die äußerst fruchtbare Ursula von der Leyen ist zu einem beträchtlichen Teil für die Skepsis der Jugendlichen verantwortlich. Mit ihrer Sperre von Internetseiten wollte sie vorgeblich die Verbreitung von Kinderpornographie behindern, doch Experten bezweifeln nahezu alle Aussagen des Familienministeriums, mit denen diese Sperren gerechtfertigt werden sollen. Von der technischen Wirksamkeit über die fragwürdige Behauptung über eine Kinderpornoindustrie im Netz bis zu der verfassungsrechtlich bedenklichen Aufstellung einer staatlichen Sperrliste für Webseiten ohne Möglichkeit einer unabhängigen Kontrolle: Alle Bedenken werden – teilweise mit persönlichen Angriffen – beiseite gewischt, ohne auf diese Fragen inhaltlich einzugehen. Diese Art des Umgangs mit Kritik und das beharrliche Ignorieren der Expertenmeinungen wirken vermutlich selbst auf Jugendliche erschreckend kindisch – erschreckend nicht zuletzt deswegen, weil die Auswirkungen derartiger Regelungen auf die demokratischen Freiheitsrechte das zukünftige Leben der jungen Menschen in diesem Land beeinflussen. Es geht um ihre Zukunft, doch gestalten dürfen sie sie noch nicht selbst. Dass es nebenbei auch um die Zukunft unseres Landes geht und die Politik eigentlich alles tun sollte, um die Möglichkeiten neuer Medien auszuschöpfen und uns eine faire Chance im internationalen Wettbewerb zu sichern, anstatt ihnen mit Argwohn und Angst zu begegnen, scheint im verkrusteten Denken der Mandatsträger ebenfalls keinen Platz zu haben.

Die Sperre von Internetseiten gehört zu einer langen Reihe von Gesetzesvorhaben, die die Abwehrrechte der Bürger dem Staat gegenüber aushöhlen, insbesondere das Recht der Bürger, den Staat nicht alles wissen zu lassen. Die Speicherung von Verbindungsdaten von Handys und Internetanschlüssen und die Möglichkeit der heimlichen Durchsuchung von PCs durch das Bundeskriminalamt interessieren viele ältere Mitbürger nicht – für sie haben Computer und das Internet tendenziell eher wenig Einzug in ihr Privatleben gehalten. Für die junge Generation der unter 30jährigen sieht das ganz anders aus: Das Internet ist ein zentrales Kommunikationsmedium, der PC ein Gerät, in dem man persönliche Gedanken, Fotos und Videos abspeichert. Der Schutz der neuen Technologien vor dem Zugriff des Staates ist für Menschen, die mit diesen Medien aufgewachsen sind, ebenso wichtig für den Erhalt der Privatsphäre wie das Postgeheimnis oder die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Das Vertrauen in die Politiker wird weiterhin geschädigt durch den Umgang mit dem Bundesverfassungsgericht, welches immer wieder offen verfassungswidrige Gesetzesvorhaben einkassiert. Als die Karlsruher Richter den Wunsch des Innenministers zunichte machten, entführte Flugzeuge abschießen zu dürfen, und dabei Artikel 1 des Grundgesetzes zitierten, reagierte Wolfgang Schäuble äußerst verschnupft, sprach dem Gericht die Kompetenz ab und kündigte sogar an, die Verfassung notfalls zu ändern – obwohl ihm als Verfassungsminister klar sein sollte, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes eine Ewigkeitsgarantie genießt und überhaupt nicht geändert werden darf. Heutige Jugendliche sind zu jung, um sich an die Verwicklung Schäubles im CDU-Spendenskandal erinnern zu können, aber mit seinem heutigen Verhalten stellt er sich ebenfalls nicht als gesetzestreuer Amtsträger mit ausgeprägtem Pflichtbewusstsein dar, sondern vielmehr als jemand, der dem Staat die Möglichkeit einräumen möchte, zum Wohle des Volkes unschuldige Bürger zu töten.

Und auch Koalitionspartner kommen in der öffentlichen Meinung der Jugendlichen und der meisten Twens nicht gut weg, insbesondere wenn sie wie die SPD bei umstrittenen Gesetzesvorlagen zunächst ihren Widerstand ankündigen und nach wenigen Wochen „mit Bauchschmerzen“ doch zustimmen. Die Ideale zu verraten, für die man angeblich einstehen wollte, sollte eigentlich bei jedem Menschen für Abscheu sorgen.

Nun sollte klar sein, warum die junge Generation nichts von unseren Politikern hält. Die Politiker trauen Jugendlichen nichts zu und verunglimpfen deren Freizeitbeschäftigungen, sie hören nicht auf Leute, die es besser wissen, und sie halten sich nicht an die wichtigsten Gesetze oder an moralische Prinzipien. Man weiß manchmal nicht, ob sie wirklich ahnungslos sind oder einfach nur lügen, um Unsinn anzustellen. Meine Mutter hat mir beigebracht, mit solchen Leuten nicht zu verkehren. Ich glaube, der Jugend geht’s genauso.

Die Kommentare zum Originalartikel sind im Übrigen bei Klopfers Web hier zu finden.

Author: Sash Categories: Fremde Texte, Medien, Politik