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Austausch

Ein Brief der Hausverwaltung kündigt Instandsetzungsarbeiten an. Das war uns vorher schon bekannt, und das wird eine sehr nervige Sache. Was wird genau gemacht?

Austausch der Panzerschläuche gegen Festverrohrung!

Ich finde ja”Panzerschläuche gegen Festverrohrung” einen prima Titel für Military-Gay-Pornos. Hab ich mir gerade so gedacht…

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1008 Tage

1008 Tage. Das ist die Zeit, die ich nun in Berlin wohne. Genau am heutigen Tag.

Und damit sind 1008 Tage genau die Zeit, die meine Ex-Vermieter gebraucht haben, um mir meine Kaution zurückzuzahlen. Wir wir alle wissen natürlich mit Schriftwechseln, Schweigemonaten und einem lustigen einjährigen Gerichtsverfahren dazwischen. Mit anderen Worten:

Das Geld ist da!!!

(im Übrigen inklusive der Zinsen, die ich gefordert habe)

Ich hätte zwar allen Grund, meinen Vermietern nochmal zu erläutern, wie das mit der Pünktlichkeit funktioniert, aber darauf hab ich sowas von überhaupt keine Lust… :D

Naja, jetzt geht es dann “nur” noch um die Gerichtskosten und die außergerichtlichen Kleinigkeiten. Wird zwar auch noch mal eine Summe, die an der Vierstelligkeit kratzt, aber als erster Sieg ist der Geldeingang heute schon mal nett…

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Noch 7 Tage…

…dann rechne ich mit etwas Geld.

Vollstreckbar, Quelle: Sash

Vollstreckbar, Quelle: Sash

Nach dem überraschenden (*hüstel*) Sieg im Gerichtsverfahren gegen meinen Ex-Vermieter haben wir nun eine ganze Weile auf eine schriftliche Ausfertigung des Urteils warten dürfen. Wie zu erwarten war, liest es sich nur halb so geil, wie es sich anfühlt:

Wortlaut, Quelle: Sash

Wortlaut, Quelle: Sash

Was bin ich froh, dass meine Wortwahl etwas freier ist, als die von Justizangestellten ;)

Nun ja, im Laufe des Samstags ist der Brief an Dieter und Petra via Post rausgegangen, und wir erwarten gemäß unserer Forderung einen Zahlungseingang bis zum 10.7.2010. Also binnen einer Woche. Das ist gar nicht so fies, wie es sich anhört, denn wir hätten auch gleich den Gerichtsvollzieher beauftragen können. Aber wieso sollte ich jemandem den Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzen, wenn ich ihm auch einen netten Brief ohne förmliche Anrede zustellen kann?

Ja, damit ist die Geschichte zwar prinzipiell gelaufen, was aber noch folgen wird, ist ein Kostenfestsetzungsverfahren, in dessen Rahmen dann erörtert wird, was Dieter mir noch alles überweisen darf. Die Summe wird – wenn alles gut läuft – noch einmal ein ähnlich hoher Betrag, schließlich geht es um lange und beschwerliche Reisen, Verdienstausfall, Übernachtungen, Gerichtskosten (die wir vorgestreckt haben) und weitere solche Kleinigkeiten. Oder um es etwas pointenorientierter auszudrücken: Wenn er das Geld vor zwei Jahren nicht verdammt gut angelegt und damit verdoppelt hat, sehe ich schwarz für seine Gesamtbilanz zu dieser Geschichte :D

Und nun mal gucken, ob er das mit dem Überweisen hinbekommt.

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Wehmütiger Rückblick / Grundsatzgedanken

Keine Sorge, irgendwann lasse ich euch in Ruhe mit dem Gerichtsmist…

Aber es ist tatsächlich ein seltsames Gefühl, wenn sich sowas so ewig hinzieht und dann plötzlich vorbei ist. Bei Ozie und mir sind Erinnerungen wachgeworden ans Abi, ich hab auch an die Taxiprüfung oder an den Führerschein denken müssen. Man strengt sich bei etwas bestimmten extra an, es dauert ewig, bestimmt regelmäßig einen Großteil der Gedanken und irgendwann findet man sich damit ab, dass es so wohl irgendwie immer weitergeht. Ein Schuljahr folgte aufs nächste, eine vergurkte Ortskundeprüfung auf die andere, ebenso wie die Briefe vom Gericht.

Und dann auf einmal heisst es: Das war es! Fertig! Erfolgreich!

Die wichtigsten Zwischenschritte im Leben erfolgen manchmal mit der kühlsten Emotionslosigkeit. Meine Führerscheinprüfung habe ich nach ewigem Zittern und zwei kapitalen Fehlern zu Beginn nach einer Dreiviertelstunde (ich bin der Einzige in meinem Bekanntenkreis, bei dem die die Zeit ausgenutzt haben) mit dem Abstellen des Wagens beendet und der Prüfer meinte lapidar:

“Unterschreiben sie bitte hier, dass sie ihren Führerschein erhalten haben.”

Bei der Ortskundeprüfung klang das ähnlich. Das Wort “bestanden” fiel nie. Mein Abi war eine Ausnahme, da waren die letzten Worte eines Prüfers:

“Mir scheint, sie waren sich nicht bewusst, dass sie sich vor einem Prüfungsausschuss des Abiturs befunden haben!”

Aber sei es drum. Vor Gericht – auch wenn das Verfahren natürlich nicht wirklich so wichtig wie Abi oder Taxischein war – das Gleiche: Es wurde zu Protokoll gegeben, dass die Gegenseite die Klage anerkennt. Blablabla. Kein Wort von Recht, von Gerechtigkeit, von Sieg oder Niederlage. Ein paar Sätze, ein paar Zahlen, der nächste bitte!

Es dauert eine Weile, bis man begreift, dass es das wirklich war. Klar, ein bisschen was haben wir noch vor uns. Wir werden uns wahrscheinlich noch im Kostenfestsetzungsverfahren ein wenig kabbeln, wie viele meiner außergerichtlichen Auslagen Dieter tragen muss. Aber da geht es nachher um 100 € hin oder her, nicht ernstlich um Recht und Gerechtigkeit.

Aber sonst ist es vorbei. Ich bin auch gefasst genug, um heute schon wieder zu meckern über das Ergebnis. Denn wenn ich die Wahl gehabt hätte, dann hätte ich gerne ein Urteil mit Begründung gehabt, eines, bei dem den beiden mal der Kopf gewaschen wird und bei dem ihnen klar wird, dass sie wirklich im Unrecht sind. Ein wenig frustrierend ist es schon, dass sie als arme Opfer einer total fiesen destruktiven WG aus dem Gerichtssaal gewatschelt sind und ja bloß angenommen haben, um den Schaden zu begrenzen.

Der Prozess an sich war ja nicht nur ein Streit ums Geld. Klar, vorrangig, und wirklich unzufrieden bin ich nicht. Die nicht erfolgte Demütigung der beiden ist mit den vorläufig grob geschätzten 1800 €, die irgendwann ihren Weg zu uns finden werden, ganz gut zu ertragen. Aber das Weltbild der beiden… da sieht es wirklich nicht gut aus.

Jetzt standen wir am Ende da und haben uns unter anderem darüber unterhalten, dass eine Duschtüre beschädigt war und der Schaden mit 76,16 € zu beziffern ist. Schon dreist eigentlich, zu erwarten, dass ich das ernst nehme. Ich habe diese Dusche mit der kaputten Türe dreieinhalb Jahre in diesem Zustand benutzt. Wie hoch ist der Geldwert dafür, ein halbes Jahr lang mit einer Taschenlampe durchs Treppenhaus zu gehen, weil das Licht abgeschaltet ist?

Ob die geschätzten 2000 bis 3000 €, die meinen Ex-Vermietern jetzt auf dem Konto fehlen werden, nachdem sie alle Rechnungen bezahlt haben, sie wirklich treffen, weiss ich nicht. Sie besitzen 2 Häuser, etliche Autos, aber sind wahrscheinlich auch hoch verschuldet. Keine Ahnung, wie sich dieser Prozess da auswirkt. Auf unser WG-Konto jedoch… holla die Waldfee!
Natürlich hab ich in all der Zeit auch viel über unsere Verfehlungen in der ganzen Sache nachgedacht. Natürlich haben wir als WG dort eine Menge Schäden angerichtet. Manches fällt unter die Kategorie “Normaler Verschleiss”, andere Dinge hätten wir sicher pfleglicher behandeln können. Das ist die Seite, die unsere Vermieter sehen. Dem gegenüber stehen nach meiner Rechnung 55.670 €, die wir im Laufe der Jahre gezahlt haben. Davon sind runde 10.000 € Nebenkosten gewesen, bleiben etwa 45.000 € Miete und eine Reparatur der Haustüre. Mir ist klar, dass da Unsummen an Steuern und sonstigen Abgaben, Rückzahlungen etc. abgeht, die nicht bei den beiden verblieben sind.

Aber was an Geld davon in die Wohnung zurückgeflossen ist, würde ich mit maximal 500 € an Materialwert beziffern und vielleicht nochmal 500 € an Arbeitszeit. Wenn man Dieters Arbeit (wie er es bei der Rechnung für die kaputte Türe gemacht hat) wie die seines Vaters mit 25 € pro Stunde berechnet und die seiner Söhne mit 15 €. Das war es! Davon abgesehen, dass ein paar von uns als Mieter bei der Renovierung zu Beginn wochenlang mitgearbeitet haben, und so Kleinigkeiten wie den Anstrich, das Verlegen des Küchenbodens und das Abschleifen von Holzböden gegen eine Verminderung der Kaution (also de facto für umme) unter der Anleitung der Vermieter zumindest teilweise selbst übernommen haben.

Die Vermieter-Interessenvertretungen schimpfen oftmals (es gab z.B. vor einem Jahr einen miesen Artikel im Spiegel über Mietnomaden), dass die Gesetze zu mieterfreundlich, bzw. vermieterfeindlich wären. Wir hatten hier natürlich auch Glück bezüglich der Verjährungsfristen und hätten es auch bezüglich der Schönheitsreparaturen gehabt. Aber ist das ungerecht? Ich meine, wir mögen keine vorbildlichen Mieter gewesen sein. Auch bei uns kam die Miete mal verspätet und zu laut waren wir auch oft. Aber unsere Vermieter waren definitiv die mit den revolutionäreren Rechtsauslegungen. Was sind die Rechte und Pflichten im Mieter- und Vermieter-Rechtsverhältnis? Und wer leidet im Streitfall am meisten. In erster Linie muss man als Mieter zahlen und darf als Vermieter kassieren. Das kann man jetzt toll finden oder nicht, Tatsache ist aber, dass der Vermieter zunächst einmal Wohnraum zur Verfügung stellen muss, der eine Bezahlung rechtfertigt. Miete ist doch keine gottgegebene Einnahmequelle mit null Gegenwert. Und als Mieter bezahle ich meinen Vermieter doch nicht dafür, dass einer seiner Vorfahren im Mittelalter mal ein Haus gebaut hat – sondern dafür, dass das Haus in dem Moment, für den ich Miete zahle, bewohnbar ist. Dass der Vermieter dabei seinen Gewinn abschöpft, das können wir gegenwärtig mal völlig in Ordnung finden – aber ohne Gegenleistung ist das eben nicht drin.
Und was die Bevorteilung angeht: Als Mieter insbesondere mit begrenztem Budget hat man nicht immer die Freiheit, mal eben zu sagen: Dann nicht! Wo hätten wir in Stuttgart mit 5 Leuten eine Bude gekriegt, die pro Person nur rund 200 € kostet?

Wir haben Dieter Geld geschenkt. Und zwar nicht zu knapp. Die Miete bewegte sich trotz minimaler Gegenleistung in einem Bereich, der im deutschen Gesetz die Grenze zwischen Mietpreisüberhöhung und Mietwucher markiert. Das ist der Übergang zwischen Ordnungswidrigkeit und Straftat. Nicht zwischen “Noch ok” und “Vielleicht nicht so nett”.

Alleine weil ich das hier schreibe, könnte jeder auf Verdacht Dieter verklagen! Vielleicht mit mäßiger Aussicht auf Erfolg, weil es wirklich grenzwertig war, aber ich hätte ihm diese Klage gleich noch mit an den Hals hängen können. Aus purer Lust an der Freude! Ein Gutachter in diesen Wohnungen? Ey, sowas hat man selbst bei RTL bisher in den Assi-Dokus nicht gesehen!

Und ich habe es nicht getan. Teils aus Faulheit, teils weil ich mich nicht über stillschweigende Vereinbarungen hinwegsetzen möchte. Wir hatten unseren Spaß in der WG, und ja, wir hatten ihn auch mit Dieter und all seinen Unzulänglichkeiten! Ich weiss nicht, welche der beiden Geschichten ich irgendwann meinen Kindern erzählen werde. Die vom netten Vermieter, der nichts auf den Plan gekriegt hat – oder die von dem Assi, der uns ausgezogen hat, und dann mit Falschaussagen vor Gericht auch noch unsere letzten paar Cent haben wollte. Das werden wohl die nächsten Jahre zeigen.

Einen Dank muss ich allerdings an meine Ex-Vermieter richten:

Ich habe sehr viel gelernt bei diesem Verfahren und es tut meinem Ego so richtig gut, mich gegen einen professionellen Juristen alleine (also natürlich mit rund 80% Beteiligung von Ozie) durchgesetzt zu haben. Das Wissen, dass auch die große Justiz nur mit Wasser kocht und man bisweilen tatsächlich Recht kriegt, nur weil das Gesetz es will und nicht, weil man den besseren Anwalt hat (obwohl Ozie hier definitiv besser als der Profi der Gegenseite war), das ist wahrscheinlich unersetzlich.

Im Gegenzug ist es aber auch bedenklich, wie viele Lügen vor  Gericht möglich sind, ohne dass das geahndet wird. Traurig, ehrlich! Und so gesehen auch eine Lehre. Na gut, viel Geschwurbel um nichts. Abschließendes Fazit?

“Ooooooch, mein aaaaaarmer Vermieter!”

;)

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Kleiner Nachschlag zum Prozess

So, nun bin ich wieder in Berlin, brotfertig zwar, aber immerhin.

Zu der Gerichtsgeschichte wird es ab jetzt wohl nur noch unspannende Kleinigkeiten zum Kostenfestsetzungsverfahren oder so geben, da ist die Spannung natürlich raus. Tut mir leid für euch Leser, aber mich entlastet es doch ein wenig, wenngleich sich die Tatsache, dass wir wirklich endgültig gewonnen haben, noch nicht bis ins Gehirn schleichen konnte. Aber nach den nun vergangenen 45 Stunden, seit die Geschichte gelaufen ist, kann ich tatsächlich noch mit einem netten Leckerli aufwarten, das zwingend verbloggt werden muss.

Dass René wahrheitsgemäß ausgesagt hat und damit für seine Eltern nicht nur keine Hilfe, sondern der Tropfen war, der das Schiff zum Kentern brachte, habe ich gestern bereits ausführlich beschrieben. Ozie hingegen hatte ein paar Minuten Gespräch mit René, und was dabei herauskam toppt so ziemlich alles, was ich bisher erwartet habe.

Das Hauptproblem unserer Ex-Vermieter war ja stets (in Bezug auf Wohnung, Mietvertrag, Protokoll, Kaution etc.), dass sie einfach nichts gemacht haben. Der ganze Prozess fußte ja auf der Tatsache, dass die beiden nie irgendwas gemacht haben. Jetzt aber die Neuerung: Genau so haben sie ihn auch verloren!

Es ist ja sehr löblich, dass sie nicht – wie wir ja durchaus befürchtet haben – versucht haben, auf Renés Aussage einzuwirken. Dass sie aber mit ihm offenbar nicht einmal darüber gesprochen haben, was er weiss, das ist echt zu viel des Guten. Laut René himself hat er von seiner Ladung durch – nun ja! – die gerichtliche Ladung erfahren. Was seine Eltern damit bezwecken, war ihm sichtlich fremd.

Ich meine: Die wohnen direkt nebenan und haben es nicht fertig gebracht, ihm zu kommunizieren, dass und warum sie ihn als Zeugen laden! Ich meine, wie soll ich es bitte ernst nehmen, dass sie sich beschweren, dass sie verloren haben?

Wie zur Hölle kann man sich in einem Gerichtsverfahren von der Aussage seines Sohnes überraschen lassen? Es ist doch nicht verboten, sich über das Thema auszutauschen. So lange er dennoch wahrheitsgemäß aussagt…

Ich meine, die haben ihn vor einem Jahr quasi auf die Zeugenliste gesetzt. Dann haben sie alle außer ihm wieder runtergenommen. Sie haben den Beschluss bekommen, dass René als einziger Zeuge den offenbar einzigen Beweis antreten soll, dass sie im Recht sind. Und dann reden die nicht mal miteinander? Ich meine, ich steig doch beim Taxifahren auch nicht hinten ein und warte mal, ob das Auto mich und den Kunden irgendwohin fährt, oder?

So langsam glaube ich, die wollten mir diesen zweiten Kurzurlaub in Stuttgart einfach gerne bezahlen.  Das können sie haben, aber ehrlich gesagt, hätte es da eine einfache Überweisung getan. Deswegen muss man doch nicht vor Gericht gehen…

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Ähnliche Erfahrung machen…

Gerichtsverfahren sind eine komische Geschichte. Seit etlichen Einträgen hangele ich mich durch ein mir noch vor einem Jahr unbekannt gewesenes Thema und gebe Prognosen ab, wie es enden könnte, kotze Gift und Galle in Form scheinbar liebenswürdiger Anekdoten gegen Richter, Anwälte und mindestens das Justizsystem im Allgemeinen.

Und irgendwie kommt doch immer alles anders. Naja, fast.

Beim heutigen Termin, der Zeugenvernehmung, waren die Möglichkeiten eines Ausganges der Geschichte bereits von Anfang an eingegrenzt. René, seines Zeichens Sohn der beiden Beklagten, sollte mit seiner Aussage beweisen, dass zu meinem Einzug die Schäden, die mir zur Last gelegt werden, noch nicht existierten.

So gab es nur ent oder weder. Gelingt es, ist mit einer nächsten Runde in alle Bereiche zu rechnen, dem Auseinanderpflücken der Schadenshöhe z.B.. Im anderen Falle könnte es sogar das sofortige Ende sein.

Aber im Endeffekt wussten wir nicht einmal, ob René kommen würde, und wenn, ob er aussagt, und wenn, wie. Denn soweit wir wussten, wohnt er noch bei den Beklagten, ist mit ihnen verwandt, von ihnen wirtschaftlich abhängig… das macht vielleicht nicht so schnell glaubwürdig, birgt aber natürlich gewisse Risiken für die Wahrheit.

Vorbereitet waren wir für die Verhältnisse gut. Wir haben uns Erkundigungen von unseren Zeugen eingeholt, woran sie sich erinnern konnten, und haben eine kleine Auswahl fieser Fang- und offensichtlicher Lull-und-Lall-Fragen vorbereitet, um jede Lüge in bester Staranwalt-Manier in ein enger werdendes Netz purer Ausweglosigkeit zu lotsen.

Erschreckend war es für einen Moment, als ich beim Betreten des Gerichtsgebäudes ausgerechnet René und Petra sah, denn das Worst-Case-Szenario bestand aus der Kombination von einer Anwesenheit Renés und Beeinflussung seitens seiner Mutter.

Aber auch Dieter und der Anwalt ließen nicht ewig auf sich warten. Unsere beiden Zeugen waren auch da, sodass eine gewisse Ausgeglichenheit durch die Anzahl wenigstens gegeben war.

Direkt meinen Ex-Vermietern gegenüberzustehen hat mich zwar einmal mehr nervös gemacht, aber schon die Tatsache, dass der Anwalt vom umnachteten Moment, in dem er mir die Tür vor der Nase zumachte, abgesehen, wenig kampfeslustig gab, lies mich aufatmen.

Im winzigen Saal wunderte ich mich nur, dass eine mir unbekannte Frau das Geschehen verfolgte, aber so ist das bei öffentlichen Verhandlungen. Man kann sich dennoch mal ziemlich alleine fühlen. Am Kopf des Raumes die Richterin, mir gegenüber Dieter und sein Anwalt. Petra nahm wie die Unbekannte im Zuschauerraum Platz.
Meine Zeugen mussten den Raum zunächst verlassen, und Ozie sowieso, weil der gegnerische Anwalt sie ja bereits letztes Mal als “potenzielle” Zeugin aus dem Raum entfernen lies.

Man fühlt sich so ein bisschen umzingelt.

Um mich selbst zu beruhigen, habe ich mir die vorbereiteten Fragen auf den Tisch gelegt und nach einem Blick zum gegnerischen Anwalt ebenso wie dieser meinen Unterlagenordner aufgeschlagen. Dazu gab es keinen ersichtlichen Grund, aber ich hatte nicht vor, dieses Mal in Punkto stoischer Gelassenheit oder professioneller Arroganz den Kürzeren zu ziehen.

Binnen drei Minuten lag ich in Führung.

Ich habe mir mein süffisantes Lächeln nicht permanent verkneifen können, als mir klar wurde, dass René wahrheitsgemäß aussagt. Nach wenigen Sätzen seinerseits war klar, dass er zum fraglichen Zeitpunkt nie in der Wohnung war und lediglich bezeugen kann, dass die Schäden nach meinem Auszug existierten. Bei meinen Fragen musste ich plötzlich erfinderisch sein, denn ich hatte eigentlich keine passenden. Er sagte ohnehin nichts gegen uns aus, und so habe ich die Zeit genutzt, um ihn den Umfang der Schäden schildern zu lassen, was ggf. bei weiteren Beweisaufnahmen oder einer zweiten Instanz von Belang sein könnte. Selbst das nicht ohne Erfolg.

Der dritte Schaden (die Duschtür, bei der ein unbeteiligter Freund gestern beim gemütlichen Beisammensein spontan rief “Die war doch ewig schon kaputt!”) wurde nur noch oberflächlich angegangen, da René bereits gesagt hatte, er war zur fraglichen Zeit nie im Bad, aber ich muss es eben erwähnen, weil Renés O-Ton zum Zustand beim Auszug

“Komplett deformiert”

schlicht in diesen Eintrag gehört.

Die Richterin deutete ihre Enttäuschung bezüglich der Beweiskraft an, und so tat der Anwalt, was er tun musste: Kurze Unterbrechung.

Ich war eigentlich gelassen genug, um diese zum Pinkeln zu nutzen, aber um der Gegenseite nicht den Eindruck zu vermitteln, sie seien der einzige gackernde Haufen im Gericht, bin ich festen Schrittes raus, hab Ozie, die sich den Tisch im Flur inzwischen mit den drei Zeugen beider Parteien in trauter Eintracht teilte, mit einer hoffentlich professionell anmutenden Geste zu mir gewunken.

Auf dem Weg ins Abseits vernahm ich die Stimme des gegnerischen Anwaltes:

“Also, jetzt bleibt nur noch eine Möglichkeit…”

Ich lauschte, immer noch festen Schrittes durchs Haus marschierend, angestrengt.

“Anerkenntnis…”

Yes!

Etwa 5 Minuten später war bereits zu Protokoll gegeben, dass die Beklagten die Klage anerkennen. Die volle Kaution, die Zinsen, die Gerichtskosten… all das geht zu Lasten Dieters! So wie ich es immer gesagt habe.

Wir haben gewonnen!

Ein paar halblebige Jammereien hatte ich noch anzuhören, wie sehr sie belogen wurden und dass ihre Lehre daraus sei, keine WG’s und “Studenten” (ca. 3 Leute von 13 in der gesamten WG-Zeit) mehr aufzunehmen.

Als ich nach einem unspektakulären Ende ohne große Emotionen oder Worte den Saal mit professionell anmutender Nüchternheit verlassen habe, fauchte mir Petra noch zu:

“Dir wünsch ich nur, dass du mal ähnliche Erfahrungen mch’sch, weil des jetzt…”

Ohne mich umzudrehen, erwiderte ich ein dahingehauchtes

“Hach…!”

Von René habe ich mich mit einem Handschlag verabschiedet und mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, was er mit einem Lächeln entgegennahm. Mit Ozie und meinen beiden Zeugen habe ich mich dann davongemacht, um mir das Elend nicht länger anzusehen.

Die haben nicht im Geringsten verstanden, warum sie den Prozess verloren haben, mal abgesehen davon, dass eine ganze Menge themenbezogener Ignoranz nötig ist, um sich von einem wahrheitsgemäßen Geständnis des eigenen Sohnes überaschen zu lassen. Wir sind die bösen und das Recht ist eben mal wieder ungerecht. Wahrscheinlich glaubt das selbst die Richterin noch, was ich schade finde. Aber ich hab ja jetzt, was ich will.

:D

So, es gibt noch mehr zur Fahrt, ich könnte stundenlang schreiben. Aber ich hab in den letzten 60 Stunden nur 2 x 4 davon geschlafen und mein Körper braucht noch Kraft für die zweistellige Anzahl an großen Bier, die heute Abend vernichtet werden will.

Ich melde mich aus Berlin live wieder und beantworte auch die Kommentare erst wieder zu Hause. Morgen kommt nur ein kurzer Taxitext, aber glaubt mir: Der Alltag kommt schnell genug wieder…

Und jetzt wird gefeiert!!!

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Daumen drücken!

Wenn ihr das hier lesen könnt, habt ihr euch entweder in meinen Account gehackt oder es ist tatsächlich bereits soweit:

Die Zeugenvernehmung hat begonnen oder ist bereits vorbei. Solltet ihr das vor 10 Uhr morgens lesen, könnt ihr mir ja die Daumen drücken, dass ein gewisser Ex-Vermieter-Sohn von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht oder sich die Aktion sonstwie vorschnell erledigt.

Was mich angeht: Auch wenn ich diese Zeilen nicht live blogge, sondern noch in Berlin geschrieben habe, bin ich sicher, dass ich gerade aufgeregt, adrenalingedopt, dennoch aber mit überheblicher Gelassenheit zumindest nach außen hin gesegnet, und aller Wahrscheinlichkeit nach von irgendwas mächtig verwundert bin.

Und danke fürs Daumendrücken!

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