Category Archives: Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (3)

Nazidemonstration. In Weinheim. Weinheim?

Muss man nicht kennen, und dank Abwesenheit der Nazis war das eine kurze Gegendemo, die sich bald auflöste und die 200 km Anfahrt nicht wirklich gelohnt hat. Aber gut, ab nach Hause, gemütlicher Abend in der WG. Wir waren zu fünft, und der Rest würde sicher nachkommen.

Wir waren inzwischen fernab jeder größeren Gruppe auf dem Weg zum Auto, als wir merkten, dass uns eine Wanne im Schrittempo folgte. Klar führte das zum ein oder anderen lustigen Kommentar unter uns, aber was wollen sie uns bitte?

Irgendwann haben sie dann aufgeschlossen und fuhren neben uns. Ein neugieriger Beamter fragte aus dem Fenster, wo es denn hingehe.

Ich hab ohne den Blickkontakt zu erwidern den Autoschlüssel aus der Tasche gezogen, hochgehalten und gesagt:

“Zum Auto. Heimfahren.”

Das hat ihnen offenbar als Antwort genügt und sie haben sich zurückfallen lassen. Von uns weichen wollten sie nicht, und wir nahmen es mit einer eigentlich unverständlichen Gelassenheit hin, dass sie offenbar sehen wollten, in welches Auto wir steigen und dabei wahrscheinlich noch kurz das Kennzeichen überprüfen.

Wir hatten keinen Bock auf Stress und sind zügig eingestiegen und haben uns lediglich darüber amüsiert, dass die Überprüfung eigentlich nur ergeben könnte, dass das Auto einem bald 60jährigen gehört, der nur insofern jemals mit der Polizei zu tun hat, als seine Tochter in dem Verein arbeitet…

Also sind wir losgefahren. Aber wohin?

Es war die graue Vorzeit in der Menschheitsgeschichte, in der Navis noch blöd waren wie Nacktmulle im Weltall und zudem unbezahlbar für Proletariervolk wie uns. Also hatten wir einen perfiden Plan: Wir sind immer weiter gefahren, bis eine größere Straße kreuzt. In diese sind wir nach dem Zufallsprinzip eingebogen und haben uns so zu immer größeren Straßen vorgetastet. Irgendwann würde sicher ein Schild Richtung Autobahn kommen…

Das Prinzip ist – wenn man es nicht gerade als Taxifahrer anwendet – sicher nicht blöd und würde auch in Berlin funktionieren. Aber wir hatten ja Geleitschutz. Ganz offensichtlich waren wir ihnen derart suspekt und sie waren unterbeschäftigt genug, uns mit der Wanne zu folgen. Wir sind sicher einen mehr als bekloppten Weg gefahren, aber mit unserem Stuttgarter Kennzeichen hätte unseren Verfolgern auch die Idee kommen können, dass wir nicht zum ausgewählten Personenkreis gehören, die sich in Weinheim – ich wiederhole: IN WEINHEIM! – auskennen.

Wir waren sicher schon fünfmal durchs gesamte Kaff gegurkt, als wir einen relativ komfortablen Vorsprung vor unseren Verfolgern hatten. Ohne die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten mehr als 200 Meter. Es folgte eine lang gedehnte Rechtskurve, bei der sie uns aus den Augen verloren.

Es war eine Kurzschlussaktion, dass wir beschlossen haben, wir schütteln sie ab. Wir hatten nun wirklich nichts getan, und es ist einfach wirklich stressig, die ganze Zeit Cops im Nacken zu haben, die einen beobachten…

Also habe ich das Licht ausgemacht und bin in eine recht üppige Parklücke vorwärts eingebogen.

Es hat natürlich nicht geklappt…

Es ist ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn man in einem Auto sitzt und neben einem fährt eine Wanne vorbei mit einem kompletten Sixpack schwerbewaffneter Cops darin, von denen jeder die Möglichkeit nutzt, einen hasserfüllt anzusehen. Es kam, wie es kommen musste: Wenige Meter vor uns fuhren sie ebenfalls rechts ran und sprangen aus dem Wagen.

Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, bin ausgestiegen, hab die Hände beschwichtigend gehoben und gesagt:

“Ey, keine Panik! War nur ein Scherz…”

Die Antwort folgte prompt. Der Chef erklärte mit einer Hand am Schlagstock übel gelaunt:

“Sie sehen ja: Wir lachen alle!”

Die folgende Dreiviertelstunde standen wir also in Weinheim am Straßenrand und haben uns und unser Auto von den Cops filzen lassen. Dazu kam eine intensive Ausweiskontrolle, und beendet wurde das alles mit einer rechtlich sehr fragwürdigen “Bitte”, die “Stadt” schnellstmöglich zu verlassen. Das war ja nun wirklich kein Problem.

Etwas Ärger staute sich allerdings in mir auf, als ich linker Hand eine Tanke sah, an der wir dringend unseren Spritbedarf hätten decken sollen. Aber ich bin mir sicher, dass ich heute noch Abdrücke von Schlagstöcken irgendwo im Gesicht hätte, wenn wir an dieser Stelle gewendet hätten. So haben wir uns also bis zur Autobahn eskortieren lassen und das friedliche Weinheim damit verschont, unser gutes schwäbisches Geld dort liegen zu lassen. Der eine Euro mehr beim Tanken auf der Autobahn war dann auch nicht der Rede wert.

4 Kommentare

Filed under Feinde, Politik, Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (2)

Verkehrskontrollen haben mich in meiner Zeit beim Behindertenfahrdienst oft erwischt. Klar, die meisten waren damals zur Wasen-Zeit, das habe ich vorige Woche ja bereits erwähnt. Bisweilen war die Dichte der Kontrollen allerdings ein bisschen zu hoch, wie mir erscheint.

Eines Abends fuhr ich auf dem Heimweg mit dem Schwob in unserem Behi-Bus am Wasen vorbei. Unsere letzten Tour-Ziele und unser Heimatort ließen uns auch gar keine andere Wahl. Als wir von der Schleyer-Halle kommend am Parkplatz des Wasens vorbeifuhren, sahen wir auch schon die Kelle.

Naja, noch ein bisschen Fragespielchen vor dem Feierabend…

Führerschein und Fahrzeugpapiere? Bitte. Was getrunken? Nein. Andere Drogen? Wie, sowas gibt es?

Alles in allem nichts besonderes. Zur Krönung des Tages durfte ich dann allerdings aussteigen.

“Stellen sie sich hier hin. Füße zusammen, Kopf in den Nacken!”

Meinetwegen.

Nach einer halben Minute konnte ich es mir aber nicht mehr verkneifen:

“Hören sie, wie lange soll das noch gehen? Erwarten sie, dass ich jetzt umfalle?”

“Ist ja schon gut!”

Ich wurde ohne weitere Tests entlassen und nur noch mit einem Psychologie-Profi konfrontiert, der mir unvermittelt beim Übergeben meiner Papiere die Frage stellte:

“Und wenn wir jetzt einen Test machen würden, sind sie sicher, dass der negativ wäre?”

Es war sicher gut, dass ich so schnell “Ja klar!” gesagt habe, sonst hätte das noch eine Weile dauern können ;)

Aber gut, Arbeitszeit bringt Geld, und so waren wir eben eine Viertelstunde länger unterwegs. Wir sind zurück ins Auto gekraxelt und haben die Fahrt fortgesetzt. So etwa 35 Sekunden lang. Direkt am Gaskessel winkt eine Kelle…

Glücklicherweise konnten wir ihm glaubhaft versichern, dass die Kollegen uns schon vor einer Minute auseinandergenommen haben und wir zwischendrin besseres zu tun hatten, als irgendwelche Drogenvorräte zu vernichten :)

6 Kommentare

Filed under Feinde, Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (1)

Eigentlich habe ich gerade nur keine Taxiartikel mehr übrig. Das nötigt mich dazu, irgendwas anderes zu schreiben. Nur was? Die Idee, meine Erfahrungen mit der Polizei öffentlich zu machen, ist nicht neu. Grundsätzlich halte ich Öffentlichkeit ja für die Beste Möglichkeit, Dinge an und für sich zu behandeln – warum also nicht auch die Erlebnisse mit der Polizei.

Ich habe zugegeben ein Problem mit den Ordnungshütern in Grün (oder neuerdings blau). Meine Sozialisierung aus der linken Ecke heraus hat zum einen dafür gesorgt, dass ich im staatlichen Gewaltmonopol nicht immer nur gutes gesehen habe (und es auch bis heute nicht tue), zum anderen dazu beigetragen, dass ich – welche böse Eigenschaft! – jedes Auftreten der Polizei nicht als naturgegeben hinnehme, sondern sie nach den selben Kriterien bewerte, wie ich anderes auch bewerte: Grundsätzlich kritisch und mit einem vor Lachen tränennassen Auge bei ungefährlichen Patzern und unnötigen Aktionen.

Grundsätzlich habe ich nicht viel zu erzählen.  Meine Begegnungen mit der Ordnungsmacht waren stets für mich folgenlos, ich bin (zu Recht, wie ich denke) niemals angezeigt worden, geschweige denn verurteilt.

Das heisst aber nicht, dass ich nicht dennoch einiges zu berichten hätte. Seien es Verkehrskontrollen, WG-Besuche  oder Erlebnisse auf Demonstrationen.

Ich weiss, dass das ein heikles Thema ist. Die Trolle werden nach Vergeltung schreien und anprangern, wie böse ich ja dennoch war. Das aber lasse ich links liegen und freue mich auf ein paar unterhaltsame Einträge und vielleicht sogar die ein oder andere interessante Diskussion. Und zwar jeden Freitag ab jetzt. Wie viele Geschichten es werden, weiss ich noch nicht, aber es könnte sein, dass es bis Ende des Jahres reicht…

Da dieser Text nun schon ziemlich lang ist, sei hier zum Ende hin nur eine kurze Geschichte untergebracht:

Die Geschichte der kürzesten Kontrolle aller Zeiten

Ich habe damals noch im Behindertenfahrdienst gearbeitet und war mit einem Sprinter mit Rolli-Plätzen unterwegs. In Stuttgart war gerade Volksfest, was sowas ähnliches ist wie die Wies’n in München, nur nicht ganz so groß. Aber das Volksfest ist ebenfalls für überbordenden Alkoholkonsum bekannt, und eigentlich sollte so ziemlich jedem klar sein, dass die Polizei zu diesem Anlass Kontrollen durchführt.

Schon runde 200 Meter nach den letzten Ausläufern des Wasens (des Festplatzes) stand der Verkehr und ich sah einen Mann in leuchtender Warnweste auf dem Mittelstreifen der Fahrbahn stehen. Na klasse! Ich hatte eine Tour zu erledigen, ich sollte 15 Minuten später beim Kunden sein. Was also wird das jetzt?

Ich rücke in der Schlange auf und irgendwann stehe ich dann vor ihm und es ergibt sich folgender, hier ungekürzt wiedergegebener Dialog:

Polizist: “Guten Abend. Haben sie Getränke alkoholischer Zusammensetzung konsumiert?”

Sash: “Nein, ich arbeite!”

Polizist: “Schön. Arbeiten sie weiter!”

Und das war es. Kein Aussteigen, kein Blasen, kein Garnichts. Ich will ja nicht unangemessen über die Statistik mutmaßen, die eine solche Aktion für sinnig erklärt hat… aber ich hätte das auch nach 5 Bier geschafft!

32 Kommentare

Filed under Feinde, Staatsgewalt

Ein weiterer Demo-Bericht

Gestern, am 11.10.2008, war hier in Berlin wie mindestens jedes Wochenende mal wieder eine Demo. Gegen überbordende Überwachung. Ich hab anlässlich des Termins der Demo das Thema vor kurzer Zeit hierschon einmal angesprochen. Inhaltlich muss ich eigentlich nicht mehr viel dazu sagen…Zur Demo selbst: Es waren hammerviele Leute. Natürlich ist in den Augen eines Teilnehmers jeder Nicht-Teilnehmer einer zu viel, aber für ein Thema, das vor 10 Jahren allerhöchstens die militante Linke aus ihren Verstecken gelockt hat, waren es enorm viele.
Wieviele? Hmm… da gehen die Meinungen auseinander. Als ich am Brandenburger Tor stand, erzählten die Veranstalter noch was von 100 000 Menschen. Das war sicher etwas zu hoch gegriffen. “Weniger als 20 000″ hat die Polizei gezählt – was sicher tiefgestapelt ist. Meine wirklich unprofessionelle und dilettantische Einschätzung liegt zwischen 50 000 und 80 000.  Aber selbst wenn es 40 000 gewesen sein sollten, so kann man doch von einer großen Demo sprechen.

—Kurzer Einschub—

An alle Menschen, die “offizielle” Zahlen rausgeben: Bleibt bei der Wahrheit! Und wenn die lautet “Ich schätze, es waren…”, dann lautet sie eben so. Und wer will denn nachher belächelt werden, wenn die Zahl nachweislich nicht stimmt? Dass die Veranstalter gerne immer 100 000 Teilnehmer hätten, ist ja ok. Aber warum behaupten, dass so viele da waren? Um sich anhören zu müssen, dass man überheblich ist? Und die Herren der Polizei: Welchen Zweck erfüllt es, jede Teilnehmerzahl abzurunden? Ist das ein Teil des Konzeptes, mit dem für Ruhe gesorgt wird? Es geht mir auf den Keks, wenn ich weiss, das irgendwo ziemlich genau 80 Leute waren und dann in der Zeitung lese, die Polizei berichtet von 20 Leuten und die Veranstalter von 200…

Ganz im Ernst: Zahlen erfinden kann ich auch!

—Ende des kurzen Einschubs—

Das Tempo war gemächlich, die Lautstärke abgesehen von Musik und Animateuren eher verhalten. Dennoch denke ich, dass eine derartige Demo ihre Wirkung schon alleine aus der Masse heraus gewinnen kann. Bunt war die Demo definitiv, die Ideen zu Transpis, Kleidung und verschiedenen Aktionsformen waren beachtlich. Zwar hat das Thema auch den ein oder anderen Verschwörungstheoretiker angelockt, die waren allerdings in der Minderheit. Ich kann zwar nicht behaupten, dass mir alle Parolen aus der Seele gesprochen hätten, oder dass ich auch nur verstehen könnte, warum Dr. Motte ein großangekündigter Überraschungsredner war. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich die Geschichte von Love- und Fuckparade und das politische Engagement Dr. Mottes nur schemenhaft kenne.

Die Route der Demo war grundsätzlich nicht sonderlich schlecht. Etwas sonderbar war es halt, dass man – vermutlich aus organisatorischen Gründen zuletzt fast einen Kilometer durch den menschenleeren Tiergarten latschen musste, was nicht gerade motivierend ist.

Die Polizei war grundsätzlich zurückhaltend, was aber nicht heißt, dass sie das illegale durchgängige Filmen der Demonstration unterlassen hat. Ich hab mich zu guter Letzt dann dennoch ziemlich über die Cops geärgert, weil sie aus purer unverfälschter machthaberischer Arroganz allen “ehemaligen Teilnehmer” der Veranstaltung untersagt haben, den Platz der Republik Richtung Bahnhof zu überqueren.

Der Platz der Republik (in gesperrtem Zustand), Quelle: Sash
Der Platz der Republik (in gesperrtem Zustand), Quelle: Sash

Für alle, die glauben, ich hab denn Sinn des Ganzen vielleicht verkannt: Der Platz war  insgesamt recht gut bevölkert, er war von der anderen Seite aus nicht abgesperrt und es war auch nicht so, dass sie verhindern wollten, dass da 1000 Leute eine unangemeldete Demo veranstalten, sondern es wurden kleine Fünfergrüppchen nach Jackenfarbe und Alter einfach mal gesagt, dass sie nun außenrum gehen müssen. Da war ihnen wohl gerade einfach danach… und sowas kotzt mich an – nicht die 200 Meter Fußweg, sondern die Tatsache, dass mir ein dämlicher Proll grundlos vorschreiben darf, auf welchem Weg ich laufe.

Naja, abgesehen davon war es ein netter Spaziergang mit teilweise ähnlich gesinnten, den ich zwar – ich lebe hier ja  schon seit ein paar Jahren – nicht für den Aufbruch in eine bessere Zeit halte, aber wenigstens für eine moralische Rechtfertigung, es auf legalem Wege versucht zu haben…

So, jetzt werde ich fast schon wieder wütend, was nicht gut ist. Denn für Revolutionen bin ich heute Abend eigentlich zu müde. Ich hab den gestrigen Tag mit 2 Stunden Schlaf überlebt, heute sackviel gelernt und genieße es jetzt ein bisschen, hier am PC Schmand zu bloggen. So denn…

Hinterlasse einen Kommentar

Filed under Feinde, Fotos, Politik, Staatsgewalt

Besuch, Besuch!

Guten Morgen, liebe Fangemeinde. Inzwischen wissen es wahrscheinlich alle: Wir hatten heute sehr früh bereits Besuch: Um exakt 6.23 Uhr klingelte es bei uns, seltsamerweise nur an einer Klingel. Hmmm!? Mein Wecker stand auf 6.25 Uhr, irgendwie seltsames Timing. Ich suchte erst meinen Schlüssel, das Klingeln entwickelte sich so langsam zu einem Sturm-Klingeln, und als ich da halbnackt gen Tür gewatschelt bin, kam mir der Gedanke: Das könnten die Cops sein. Ich öffnete nach kurzem Klopfen die Wohnungstüre, und da stand eine halbe Armee (so 10 bis 15 Leute) – leider nicht betrunkene Spätheimkehrer, wie ich gehofft hatte, sondern tatsächlich die Cops.

“Ich möchte mit ihnen reden, sie sind doch der Sash!? Wir haben hier einen Durchsuchungsbeschluss für ihr Zimmer…”

Na klasse, hab ich mir so gedacht. Es ist nix aufgeräumt, ich muss in 30 Minuten zur Arbeit, und dann das! Sie haben mir erstmal den Beschluss gezeigt, mich gefragt wo mein Zimmer ist, und dann wollten sie auch schon loslegen. Ich bat darum, meiner Freundin doch noch sagen zu können, sie solle sich was anziehen, was mir mit offener Tür auch gestattet wurde. Nichts desto trotz stand gleich einer neben mir im Zimmer und meinte (enttäuscht?)

“Sie haben ja schon ein T-Shirt an.”

Im Allgemeinen kann ich mich nicht über zu grobe Vorgehensweise beschweren, es war allerdings unverschämt, dass sie ohne anzuklopfen in alle Zimmer reingeschaut haben, um festzustellen, wer sich noch in der Wohnung befindet. Damit erschöpfte sich ihr Interesse an den anderen Zimmern allerdings, zumal sie mich gefragt hatten, ob ich denn noch weitere Zimmer hier besitze. So wurde die gesamte WG unsanft geweckt, teilweise einer Ausweiskontrolle (“aber nur auf freiwilliger Basis!”) unterzogen, das war’s aber auch schon. Ich war zunächst mal alleine mit 3 Cops in meinem Zimmer, ein Zustand, den ich nicht so sonderlich prickelnd finde, aber sie haben sich Mühe gegeben, nett zu sein und Provokationen zu vermeiden. Der Einsatzleiter zeigte mir ungefragt seinen Ausweis, fragte mich jedes Mal, ob er sich etwas anschauen dürfe, etc. Kann mich nicht beklagen. Man hat deutlich gemerkt, dass sie da waren, um einen Zeugen zu durchsuchen, nicht einen Angeklagten. Dann fragte der äußerst reizende H.P. (Hans Peter?), ob er mal meinen Rechner anschauen dürfe. Ich bejahte mit dem Hintergrund, dass sie ihn besser hier durchschauen als ihn mitzunehmen, und mir so die Möglichkeit bleibt, zu kommentieren, was sie finden. Ich weiss, dass man normalerweise jede auch noch so freundliche Koversation mit den Cops vermeidet, die Details, die ich preisgegeben habe (wo ich arbeite, ob mein Bruder auch mein Bruder ist…) dürften kaum relevante Infos enthalten haben. Ich gab mehrmals an, dass ich die Kamera nicht habe, dass die Bilder nicht auf meinem PC sind, was sie offenbar auch geglaubt haben.

Der gutgelaunte (um 6.30 Uhr morgens!) H.P. durchsuchte meinen Rechner mehr halblebig als ernsthaft, hat aber nichts verwertbares gefunden. Obwohl: Er hat Pornos gefunden, von denen ich selbst nichts mehr wusste – das war wiederum das einzige, was er laut verkündete. Vielleicht ein stichelnder Seitenhieb wegen Ozies Anwesenheit? Egal, wenn es so war, dann lief der ins Leere. Er verlor ein paar Scherze darüber, dass man die bei jedem finde, sogar bei den radikalen Islamisten (“Weiss’sch noch, der wo wir neulich waren, der ganz harte: Der hatte extrem viele: Lauter Blonde!”). Mit Erschrecken stellte er fest, dass ich 51.300 Bilddateien auf meinem Rechner habe (da rockt die alte WG-Page mit 23.000 Bildern enorm rein!), und beliess es dabei, sich ein paar davon eher stichprobenartig herauszusuchen und sie sich anzeigen zu lassen. Ich hatte bisweilen das Gefühl, er war mehr an Comedy als an Krawall interessiert. Er hatte noch einen Satz parat, der mich dann ernstlich überraschte: Er meinte, dass bei “Mollis und Bengalos” der Spass aufhört, und dass er “dachte, wir sind doch bisher immer so gut miteinander ausgekommen”. Hallo? Wohnst Du auf meinem Planeten? Der andere hat inzwischen brav den Durchsuchungsbericht ausgefüllt, und bereits nach 20 Minuten hat er gemeint, sie könnten langsam Schluss machen. Auf die Frage, ob er was hätte, antwortete H.P.:

“Nichts interessantes, es sei denn, sie sind gut versteckt.”

Kurz hatte ich noch Schiss, dass sie meinen Rechner mitnehmen würden (H.P. hat in 20 Minuten nicht ganz 51.300 Bilder geschafft) – was mir sehr unangenehm gewesen wäre, da ich ihn zum Arbeiten am Shop brauche. Aber Fehlanzeige, sie verzogen sich ähnlich schnell wie sie gekommen waren, einer der letzten Sätze, die ich gehört habe, war “wir haben ja nichts kaputt gemacht!”

Nun möchte ich kurz auf ein paar extrem unsinnige Fehler hinweisen, die die Beamten gemacht haben, über die ich nicht schweigen kann, weil sie zu peinlich sind. Nein, ich will keine schärferen Hausdurchsuchungen provozieren, aber das heute war einfach zu schräg. Sollte der ein oder andere Staatsdiener sich den Schrott hier echt geben: Ich habe keine Kamera, ich habe keine Bilder, und ich werde auch in Zukunft keine haben. Sicher! Es lohnt nicht, den Scheiss zu wiederholen. Schlaft lieber aus, die meisten Krawalle finden nachts statt ;)

Die Fahrlässigkeiten bei der polizeilichen Durchsuchung am 27.10.2006 in der Teichstraße:

  1. 1. Sie dürfen mein Zimmer, Wohn- und Nebengeschäftsräume durchsuchen. Ich habe einen Nebenerwerb, nach dem ich nicht gefragt wurde, ich habe einen Nebenerwerbsraum der nicht durchsucht wurde.
  2. Sie wussten, dass ich als Fahrer arbeite. Vielleicht interessiert es sie ja, dass ich einen Dienstwagen habe, der zu jeder Zeit bei mir steht und in dem sich einiges an privaten Dingen befindet.
  3. Sie haben nach einer Kamera, bzw. einem Datenträger für Film(?)- und Fotoaufnahmen gesucht. Inzwischen sind diese Datenträger und die Kameras recht klein. Eine kleine Aufzählung von Orten, an denen sie definitiv nicht gesucht haben: Unter meinem Schreibtisch, unter dem danebenstehenden Tisch, in der mit Elektroschrott gefüllten Schublade meiner Kommode, in den obersten Regalbrettern, in etlichen Kartons im Zimmer, auf dem Regal, hinter der Matratze, hinter meinem Monitor, hinter meiner Anlage, in meinen Klamotten, in meiner Kleiderkommode… und mein Zimmer hat gerade mal 12m² und sie waren zu dritt!
  4. Die Windows-Suche ist ein ungeeignetes Werkzeug für eine professionelle Suche. Auch ich weiss, wie man Dateiendungen ändert oder das Erstellungsdatum. Bei einer Suche von vielleicht 10 (?) Bildern unter 51.300 reichen ca. 20 Stichproben kaum aus.
  5. Das Poster in der Küche mit den bekifften Polizisten ist recht witzig, und vielleicht auch die übrigen Fischstäbchen von gestern Abend. Vielleicht hätten sie bei ihrer Aufgabe der Digitalkamera auf der Mikrowelle mehr Beachtung schenken sollen…
  6. In meinem Regal befinden sich eine Menge CD’s. Sogar hinter ein paar abschirmende A4-Blätter haben sie gelugt. 20 cm davon entfernt lagen offensichtlich 2 Videokassetten einer kleinen Digitalkamera (mit nutzlosem Zeug drauf, aber das konnten sie schwer feststellen)

Ich glaube, das war’s dann schon ;) Nichts für ungut, es war früh am Morgen und ich hatte wirklich nicht, was sie suchten.

Wen es interessiert: Hier sind die Durchsuchungsanordnung und der Bericht: (Link entfernt)

Hinterlasse einen Kommentar

Filed under Feinde, Mein Haushalt, Staatsgewalt

Tapsibärchen’s back!

So liebe Gnarfe im Lande: Es wird Zeit, dass ich wieder mal einen kurzen (natürlich nur einen gaaanz kurzen Blog-Eintrag schreibe. Das tue ich im Übrigen nicht, weil sich irgendetwas wirklich grandioses getan hat, sondern einzig damit ich das Tippen nicht verlerne. Es könnte mir ja irgendwann noch nützlich sein. Nun ok! Es ist aber dennoch einiges passiert hier. Mir selbst geht es blendend, wenn man mal von Nebengeräuschen bei der Atmung absieht :( Dass ich damit Nachts irgendwie zum Ruhestörer mutiere weiss ich ja schon länger. Kommen wir nun aber zu etwas völlig anderem: Die letzten Tage! Merkt ihr wie ich die ganze Zeit schreibe, dass ich etwas über die letzten Tage schreiben will, aber dann gar nichts über die letzten Tage schreibe? Clever, denn: So wird der Text viel länger als wenn ich nur über die letzten Tage schreibe. Ähm… lest ihr tatsächlich noch? Dann kann ich ja jetzt mal was über die letzten Tage schreiben. OK, jeder Running Gag ermüdet irgendwann. In dieser Hinsicht sind sich Running Gags und Sashs sehr ähnlich. Die letzten Tage also: Am Donnerstag war echt einiges los. Ich hatte richtig schön frei. So komplett mit alles. Da gab es auch noch Tabasco, also kann man durchaus sagen, dass es auch mit viel Scharf war. Aber das schreibe ich nur wegen des Tabascos und nicht… ach, die Gerüchteküche hat gerade eh anderes zu tun :D . Am Donnerstag hab ich dann die freien Stunden genutzt, meinem Bruder einen kleinen Traum zu erfüllen und seinen PC (der jetzt ja endlich funzt) in seine Bude zu fahren. Das haben wir mit einer kleinen Einkaufstour verknüpft und dank des Stuttgarter Feierabendverkehrs waren wir dann auch anderthalb Stunden unterwegs. Es ist echt fies, dass selbst mir als Fahrer keine Alternativrouten mehr eingefallen sind. Aber es gab auch echt grandiose Neuigkeiten: Ich habe etwas entdeckt. Und das war / ist toll! Ich habe nämlich ein Sparbuch bei der Postbank und da ist tatsächlich noch etwas Geld drauf. 391 Euro waren das auf einen Schlag – und eigentlich war ich davon ausgegangen, dass gewisse Teile der Familie meine Ersparnisse gründlicher verprasst hätten. Dass ich das Sparbuch gefunden habe, weil Ozie sich Kindergartenbasteleien von mir und Marco (die legendäre WURST-Einladung!!!) angesehen hat ist eine Geschichte die einer gewissen Absurdität nicht abgeneigt scheint. Abends haben wir uns dann mal wieder im Adler vergnügt. Im Wesentlichen heisst das, dass ich fast 50 € dort habe liegenlassen. Dafür hab ich aber auch die komplette Rechnung übernommen. Man findet schliesslich nicht jeden Tag ein Sparbuch mit 400 € drauf – obwohl ich das gerne zu meinem Hobby machen würde. Wer immer Lust hat mir eine Freude zu machen, soll mir Sparbücher mit entsprechenden Summen anlegen ;) Ja, aber kohlemäßig kommt dann trotzdem noch einiges auf mich zu: Ich muss das Bußgeld für die letzten Parties noch überweisen… 177,50 € für unseren Spaß! Naja, wir wollen mal nicht so sein. Ich hoffe, ich werde das am Ende nicht alleine tragen müssen. Das wird schon. Genug der Kohlesorgen. Reichlich durch bin ich dann erwacht am frühen Mittag des Freitages und auch dieser Tag war völlig arbeitsfrei. Toll, nicht? Meckert nicht: Die meisten von euch haben doch auch Ferien! Der Tag begann quasi mit einem richtig geilen Gespräch über Gott, die Welt und die Arbeitsmoral in der WG. Felie liess bereits andeuten, dass sie vielleicht nicht ins Prag gehen würde, sondern in der WG ein wenig feiern würde. Die weitere Planung dieser Aktivitäten ging völlig an mir vorbei bis nachmittags das Telefon schellte, und mich volle Breitseite des Horschtis Stimme traf. Er redete etwas von Spontan-Party in der WG, wozu in meinem GB aufgerufen wurde und davon, dass er so gegen halb acht vorbeirocken würde mit einem Kasten Bier. “Naja, dann saufen wir halt nochmal! Was soll’s?” waren seine denkwürdigen Worte. Dass er erst gegen halb neun kam war abzusehen und man kann nicht sagen, dass irgendwie viel los gewesen ist an diesem Abend. Aber ein paar nette Sessions gab es eben über den ganzen Abend verteilt. Es wurden die Sessionkings gehört, die Gerüchteküche befeuert, Marco bemalt und unzählige Rekorde bei yetisports und Alk-Vernichtung errungen. Dieser Abend wurde sehr sehr lange – ein wenig zu lange hab ich mir gedacht als ich nach dreieinhalb Stunden Schlaf breit wie ein Rochen mich erhob von meiner Lagerstätte und die erste Kippe des Tages geraucht habe. Ja, die freien Tage sind vorbei, und nun geht es wieder daran zu arbeiten um die nächsten zu finanzieren. Ich möchte an dieser Stelle nochmal auf die Sparbücher hinweisen, die ich euch mir zu erstellen erlaube ;) Ja, ich habe dann den Samstag über 4 Touren gefahren, immerhin 15 € Trinkgeld kassiert und habe nun so gegen 23.30 Uhr das Auto abstellen können, allerdings nicht ohne vorher ein wenig gestalterisch in die Tourpläne des Herrn B. einzugreifen. So ist dieses Wochenende der Enzian meiner und ich werde mich bemühen auch die PKW-Tour heute nach Ulm locker zu überstehen. Desweiteren gibt es noch etwas anzumerken: Wozu gibt es bauchfreie hellblaue Daunenjacken mit Kapuze und wer kann ernstlich so doof sein zu glauben, dass das in Combo mit einer Comouflage-Baggy nach was anderem aussieht ausser im Dunkeln unter Drogen von Muttis schwulem Typberater angekleidet worden zu sein? Hiermit kann man schliessen, denke ich…

Hinterlasse einen Kommentar

Filed under Feinde, Mein Haushalt, Staatsgewalt, Vermischtes

Da bin ich wieder!

Der Sash ist zurückgekehrt aus seinem Kurzurlaub in Berlin, und wenn er sich das alles hier anschaut, dann will er auf der Stelle umdrehen und wieder hochfahren. Nein, liebe Fangemeinde, so schlimm ist es auch nicht, aber wenn ich mir schon ansehe, dass hier kein einziger Rauchmelder installiert ist… da kann man schon ein wenig Angst bekommen ;-) Ich kann nur sagen, dass ich (und das sollte eigentlich eher ein “wir” sein!) ein schönes Wochenende hatte, und ich mich erstmal ein wenig dran gewöhnen muss, wieder hier zu sein – auch wenn es nur ein paar Tage waren! Nico fährt gerade meine Tour, und ich weiss noch nicht, ob das meinem Liebling auch gut tut. Ich meine das Auto, nicht Nico!!! OK, was gibt es wirklich neues? Ich will es nicht wissen, aber leider kann ich mich nicht davor drücken. Die Rechnung von der Stadt ist da: Für die letzten Parties soll ich ihnen jetzt 177,50 Euro zahlen. Ich meine, natürlich kann ich anbetracht der angefallenen Kosten für die übertriebenen Polizeieinsätzen nur grinsen und mich freuen, dass ich finanziell damit durchaus subversiv tätig war. Aber einsehen muss ich es nun wirklich nicht. Die Beamten haben ja schliesslich immer gesagt, dass es mit ihrem Besuch erledigt ist, und irgendwie komme ich mir verarscht vor. Die Tatsache, dass ich nicht ernstlich alleine für die Ruhestörung verantwortlich war etc. sei hier nur am Rande eingefügt. Ich überlege mir die Tage noch, was ich machen soll, und dann werde ich es die Welt wissen lassen. Und die Stadt erst ;-) Also: Ich bin nicht nur mieser Laune, keine Sorge! Heute kommt erstmal nix mehr…

Hinterlasse einen Kommentar

Filed under Feinde, Mein Haushalt, Staatsgewalt, Vermischtes