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Archiv für die Kategorie ‘Staatsgewalt’


Freitag = Polizeitag (5)

26. Februar 2010

In diese Kategorie sollten ja auch ein paar heitere Sachen fallen. Also hier ein kurzer Dialog an einer Autobahnausfahrt bei einer Anreise zu einer Demonstration:

Polizist: “Haben sie was gefährliches dabei?”

Mein Fahrer: “Ausser meiner Freundin nix!”

Author: Sash Categories: Feinde, Staatsgewalt

Was im Busch…

22. Februar 2010

Rund um Halloween sollte man sich dieses Jahr vielleicht nicht in Schöneberg aufhalten. Die Berliner Polizei scheint etwas zu planen:

Ihrer Zeit voraus - die Berliner Polizei. Quelle: berlin.de

Ihrer Zeit voraus - die Berliner Polizei. Quelle: berlin.de

Freitag = Polizeitag (4)

19. Februar 2010

Die wahrscheinlich haarsträubendste Polizeikontrollen-Geschichte meinerseits geht so:

Ich fahre mit dem Schwob ganz gemütlich von einer Behinderten-Tour zurück zum Headquarter unseres Arbeitgebers. Es ist Nachmittag, etwa 15 Uhr. Nach dieser Tour haben wir Mittagspause, und uns trennen noch rund 0,9 km vom Abstellplatz des Autos. Wir nähern uns langsam dem Olgaeck in Stuttgart und sind gut gelaunt.

Neben uns hält an der Ampel ein Polizeiwagen.

Nach ausreichenden Erfahrungen vorsichtig geworden, haben wir das registriert und haben uns so unauffällig wie möglich verhalten. Wahrscheinlich ging es in den Augen der Cops gar nicht, dass sich zwei Behindertenbusfahrer unter 25 – einer noch dazu mit langen Haaren – unauffällig verhalten. Die Ampel wurde grün, und da Stuttgart eine Vorliebe für stehenden Verkehr hat, standen wir keine 25 Meter weiter – nach dem Rechtsabbiegen – wieder vor einer roten Ampel.

Das Polizeifahrzeug ordnete sich hinter uns zum Linksabbiegen ein.

Der Schwob und ich begannen zu mutmaßen, dass sie uns anhalten würden, machten unsere Witze und freuten uns auf die Mittagspause. Ich bog vorbildlich links ab, hielt mich zu 100% an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Noch 600 Meter bis zur Mittagspause.

Wir passierten die Bushaltestelle am unteren Ende der Alexanderstraße und begannen den langen harten Weg den Berg hoch. Die Spannung im Auto war unerträglich. Mit Argusaugen beobachtete ich den Streifenwagen im Rückspiegel.

Wir lenkten in die sanfte Linkskurve ein, als die Spannung jäh zerrissen wurde:

“FAHRNSE RECHTS RAN!!!”

brüllte es in einer martialischen Lautstärke durch den gesamten Talkessel der Schwabenmetropole. Vögel stieben aus den Bäumen, Rentner drehten sich verwundert um, Anwohner drehten die Musik lauter und Sash fuhr rechts ran. Beide stiegen sie aus, einer steuerte auf meine Türe zu, der andere postierte sich beim Schwob auf der Beifahrerseite.

“Führerschein, Fahrzeugpapiere und Personalausweise.”

Ungeachtet des Fehlens mehrerer Satzbausteine schien es mir sinnig zu sein, nicht zu sagen

“Is vorhanden, schönen Tag noch!”

sondern kramte die Papiere – die ohnehin schon in Reichweite gebracht worden waren – hervor. Mit zackigen Schritten verschwand der Polizist zu seinem eigenen Fahrzeug, um die Dokumente zu überprüfen. Der andere versuchte sich inzwsichen recht erfolglos mit Smalltalk, was eine komische Komponente bekam, als der Schwob meinte:

“Das kann dauern, der kriegt jetzt sicher meine komplette Augsburg*-Akte durchgefunkt…”

Es ging um ein unglückliches Aufeinandertreffen des Schwobs mit ein paar Beamten während einer größeren Demonstration. Das Verfahren war zu diesem Zeitpunkt noch anhängig.

“Ach, hatten sie schon mal Kontakt zur Polizei?”

fragte der Grünbemützte scheinheilig interessiert.

“Ja…”

stöhnte der Schwob, den zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich lebhafte Erinnerungen an Fußtritte, Schlagstöcke und ein Seil plagten, bei dem die entsprechenden Beamten versucht haben, ihn sowohl darüber als auch darunter durchzuziehen.

“Drogen, oder?”

jubilierte der selbsternannte Profiler.

“Nee, hab ‘nen Kollegen von ihnen angegriffen…”

resümmierte der Schwob trocken und ohne den Kopf zu heben. Der letzte witzige Part an dieser Kontrolle war der gesittete aber hektische Schritt des Polizisten zur Seite, um ausser Reichweite zu gelangen.

Dann ging es los.

“Aussteigen!”

Na gut.

“Haben sie irgendwelche Drogen genommen?”

“Nein.”

“Sind sie mit einem Test einverstanden?”

“Nicht wirklich, aber ich nehme an, dass wir ihnen sonst auf die Wache folgen müssen.”

Nun ist die Problematik an Drogen-Tests ja folgende: Alkohol kann man mittels Blasen nachweisen. Aber da die Cops stets vermuteten, ich würde kiffen, kamen sie natürlich auf diese Idee gar nicht. Also müssten wir pinkeln. Etwa eine Minute dauerte es, bis die Cops einen “geeigneten” Hinterhof fanden, in den sie uns nacheinander unter Aufsicht führten, damit wir dort in einen Becher pinkeln können. Man kann sagen, was man will: Das ist entwürdigend.

Ich hab den beiden aber nicht die Freude gemacht, unter Parurasie zu leiden und eine gewisse Komik kann man der Situation ja nicht einmal absprechen. Ihr glaubt gar nicht, was einem für vielfältige Dinge durch den Kopf gehen, wenn man von einem Polizisten bewacht in einem Hinterhof in einen Becher pinkeln muss. Der Bull Polizist hat natürlich registriert, dass das nicht wirklich eine heitere Situation ist und hat mir mitfühlend versichert:

“Wenn sich jemand beschwert, keine Sorge, wir sind ja da!”

Als ob ich in diesem Moment ernstlich befürchtet hätte, dass sich eine schwäbische Oma beschwert, dass ich in ihrem Hinterhof meine Blase zu entleeren versuche. Im Gegenteil. Das hätte die Situation merklich aufgewertet :)

Der Schwob, der erst nach mir pinkeln musste, hatte indes ganz andere Sorgen, weil der Kollege des Pinkel-Partners in seiner Tasche eine Tablette gefunden hat.

Drogen! Extasty! Weltuntergang! Verhaftung! Panik!”

Genau genommen handelte es sich um eine Tablette gegen Heuschnupfen, die sich aus der Verpackung gelöst hatte. Aber wenn die Staatsmacht erst einmal ein Vergehen wittert…

Nebst dem Urin zweier Fahrer im Behindertenfahrdienst wurde nach dem Einpacken sämtlicher Körperteile auch die Tablette einem Schnelltest unterzogen. Amphetamine! Der Test sagte, es seien Amphetamine darin.

Der Schwob hat gleich angeboten, den Cops noch etwas Nachschub zu besorgen, er kenne da eine Apotheke… die Beamten waren not amused und erstatteten Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das BTMG. Dass wir beide sauber waren und der Schwob bereitwillig die Adresse seines Dealers, sowie die düsteren Vertriebskanäle seiner “Drogen” offenlegte (ich sag nur “rezeptfrei” – ganz böse!), half wenig.

So war unsere Mittagspause also eine halbe Stunde kürzer und der Schwob um eine völlig absurde Anzeige reicher. Selbstverständlich ist der ganze Quatsch später eingestellt worden – aber man kann es ja mal versuchen…

* Stadt geändert

Author: Sash Categories: Feinde, Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (3)

12. Februar 2010

Nazidemonstration. In Weinheim. Weinheim?

Muss man nicht kennen, und dank Abwesenheit der Nazis war das eine kurze Gegendemo, die sich bald auflöste und die 200 km Anfahrt nicht wirklich gelohnt hat. Aber gut, ab nach Hause, gemütlicher Abend in der WG. Wir waren zu fünft, und der Rest würde sicher nachkommen.

Wir waren inzwischen fernab jeder größeren Gruppe auf dem Weg zum Auto, als wir merkten, dass uns eine Wanne im Schrittempo folgte. Klar führte das zum ein oder anderen lustigen Kommentar unter uns, aber was wollen sie uns bitte?

Irgendwann haben sie dann aufgeschlossen und fuhren neben uns. Ein neugieriger Beamter fragte aus dem Fenster, wo es denn hingehe.

Ich hab ohne den Blickkontakt zu erwidern den Autoschlüssel aus der Tasche gezogen, hochgehalten und gesagt:

“Zum Auto. Heimfahren.”

Das hat ihnen offenbar als Antwort genügt und sie haben sich zurückfallen lassen. Von uns weichen wollten sie nicht, und wir nahmen es mit einer eigentlich unverständlichen Gelassenheit hin, dass sie offenbar sehen wollten, in welches Auto wir steigen und dabei wahrscheinlich noch kurz das Kennzeichen überprüfen.

Wir hatten keinen Bock auf Stress und sind zügig eingestiegen und haben uns lediglich darüber amüsiert, dass die Überprüfung eigentlich nur ergeben könnte, dass das Auto einem bald 60jährigen gehört, der nur insofern jemals mit der Polizei zu tun hat, als seine Tochter in dem Verein arbeitet…

Also sind wir losgefahren. Aber wohin?

Es war die graue Vorzeit in der Menschheitsgeschichte, in der Navis noch blöd waren wie Nacktmulle im Weltall und zudem unbezahlbar für Proletariervolk wie uns. Also hatten wir einen perfiden Plan: Wir sind immer weiter gefahren, bis eine größere Straße kreuzt. In diese sind wir nach dem Zufallsprinzip eingebogen und haben uns so zu immer größeren Straßen vorgetastet. Irgendwann würde sicher ein Schild Richtung Autobahn kommen…

Das Prinzip ist – wenn man es nicht gerade als Taxifahrer anwendet – sicher nicht blöd und würde auch in Berlin funktionieren. Aber wir hatten ja Geleitschutz. Ganz offensichtlich waren wir ihnen derart suspekt und sie waren unterbeschäftigt genug, uns mit der Wanne zu folgen. Wir sind sicher einen mehr als bekloppten Weg gefahren, aber mit unserem Stuttgarter Kennzeichen hätte unseren Verfolgern auch die Idee kommen können, dass wir nicht zum ausgewählten Personenkreis gehören, die sich in Weinheim – ich wiederhole: IN WEINHEIM! – auskennen.

Wir waren sicher schon fünfmal durchs gesamte Kaff gegurkt, als wir einen relativ komfortablen Vorsprung vor unseren Verfolgern hatten. Ohne die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten mehr als 200 Meter. Es folgte eine lang gedehnte Rechtskurve, bei der sie uns aus den Augen verloren.

Es war eine Kurzschlussaktion, dass wir beschlossen haben, wir schütteln sie ab. Wir hatten nun wirklich nichts getan, und es ist einfach wirklich stressig, die ganze Zeit Cops im Nacken zu haben, die einen beobachten…

Also habe ich das Licht ausgemacht und bin in eine recht üppige Parklücke vorwärts eingebogen.

Es hat natürlich nicht geklappt…

Es ist ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn man in einem Auto sitzt und neben einem fährt eine Wanne vorbei mit einem kompletten Sixpack schwerbewaffneter Cops darin, von denen jeder die Möglichkeit nutzt, einen hasserfüllt anzusehen. Es kam, wie es kommen musste: Wenige Meter vor uns fuhren sie ebenfalls rechts ran und sprangen aus dem Wagen.

Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, bin ausgestiegen, hab die Hände beschwichtigend gehoben und gesagt:

“Ey, keine Panik! War nur ein Scherz…”

Die Antwort folgte prompt. Der Chef erklärte mit einer Hand am Schlagstock übel gelaunt:

“Sie sehen ja: Wir lachen alle!”

Die folgende Dreiviertelstunde standen wir also in Weinheim am Straßenrand und haben uns und unser Auto von den Cops filzen lassen. Dazu kam eine intensive Ausweiskontrolle, und beendet wurde das alles mit einer rechtlich sehr fragwürdigen “Bitte”, die “Stadt” schnellstmöglich zu verlassen. Das war ja nun wirklich kein Problem.

Etwas Ärger staute sich allerdings in mir auf, als ich linker Hand eine Tanke sah, an der wir dringend unseren Spritbedarf hätten decken sollen. Aber ich bin mir sicher, dass ich heute noch Abdrücke von Schlagstöcken irgendwo im Gesicht hätte, wenn wir an dieser Stelle gewendet hätten. So haben wir uns also bis zur Autobahn eskortieren lassen und das friedliche Weinheim damit verschont, unser gutes schwäbisches Geld dort liegen zu lassen. Der eine Euro mehr beim Tanken auf der Autobahn war dann auch nicht der Rede wert.

Author: Sash Categories: Feinde, Politik, Polizei, Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (2)

5. Februar 2010

Verkehrskontrollen haben mich in meiner Zeit beim Behindertenfahrdienst oft erwischt. Klar, die meisten waren damals zur Wasen-Zeit, das habe ich vorige Woche ja bereits erwähnt. Bisweilen war die Dichte der Kontrollen allerdings ein bisschen zu hoch, wie mir erscheint.

Eines Abends fuhr ich auf dem Heimweg mit dem Schwob in unserem Behi-Bus am Wasen vorbei. Unsere letzten Tour-Ziele und unser Heimatort ließen uns auch gar keine andere Wahl. Als wir von der Schleyer-Halle kommend am Parkplatz des Wasens vorbeifuhren, sahen wir auch schon die Kelle.

Naja, noch ein bisschen Fragespielchen vor dem Feierabend…

Führerschein und Fahrzeugpapiere? Bitte. Was getrunken? Nein. Andere Drogen? Wie, sowas gibt es?

Alles in allem nichts besonderes. Zur Krönung des Tages durfte ich dann allerdings aussteigen.

“Stellen sie sich hier hin. Füße zusammen, Kopf in den Nacken!”

Meinetwegen.

Nach einer halben Minute konnte ich es mir aber nicht mehr verkneifen:

“Hören sie, wie lange soll das noch gehen? Erwarten sie, dass ich jetzt umfalle?”

“Ist ja schon gut!”

Ich wurde ohne weitere Tests entlassen und nur noch mit einem Psychologie-Profi konfrontiert, der mir unvermittelt beim Übergeben meiner Papiere die Frage stellte:

“Und wenn wir jetzt einen Test machen würden, sind sie sicher, dass der negativ wäre?”

Es war sicher gut, dass ich so schnell “Ja klar!” gesagt habe, sonst hätte das noch eine Weile dauern können ;)

Aber gut, Arbeitszeit bringt Geld, und so waren wir eben eine Viertelstunde länger unterwegs. Wir sind zurück ins Auto gekraxelt und haben die Fahrt fortgesetzt. So etwa 35 Sekunden lang. Direkt am Gaskessel winkt eine Kelle…

Glücklicherweise konnten wir ihm glaubhaft versichern, dass die Kollegen uns schon vor einer Minute auseinandergenommen haben und wir zwischendrin besseres zu tun hatten, als irgendwelche Drogenvorräte zu vernichten :)

Author: Sash Categories: Feinde, Staatsgewalt

Freitag = Polizeitag (1)

29. Januar 2010

Eigentlich habe ich gerade nur keine Taxiartikel mehr übrig. Das nötigt mich dazu, irgendwas anderes zu schreiben. Nur was? Die Idee, meine Erfahrungen mit der Polizei öffentlich zu machen, ist nicht neu. Grundsätzlich halte ich Öffentlichkeit ja für die Beste Möglichkeit, Dinge an und für sich zu behandeln – warum also nicht auch die Erlebnisse mit der Polizei.

Ich habe zugegeben ein Problem mit den Ordnungshütern in Grün (oder neuerdings blau). Meine Sozialisierung aus der linken Ecke heraus hat zum einen dafür gesorgt, dass ich im staatlichen Gewaltmonopol nicht immer nur gutes gesehen habe (und es auch bis heute nicht tue), zum anderen dazu beigetragen, dass ich – welche böse Eigenschaft! – jedes Auftreten der Polizei nicht als naturgegeben hinnehme, sondern sie nach den selben Kriterien bewerte, wie ich anderes auch bewerte: Grundsätzlich kritisch und mit einem vor Lachen tränennassen Auge bei ungefährlichen Patzern und unnötigen Aktionen.

Grundsätzlich habe ich nicht viel zu erzählen.  Meine Begegnungen mit der Ordnungsmacht waren stets für mich folgenlos, ich bin (zu Recht, wie ich denke) niemals angezeigt worden, geschweige denn verurteilt.

Das heisst aber nicht, dass ich nicht dennoch einiges zu berichten hätte. Seien es Verkehrskontrollen, WG-Besuche  oder Erlebnisse auf Demonstrationen.

Ich weiss, dass das ein heikles Thema ist. Die Trolle werden nach Vergeltung schreien und anprangern, wie böse ich ja dennoch war. Das aber lasse ich links liegen und freue mich auf ein paar unterhaltsame Einträge und vielleicht sogar die ein oder andere interessante Diskussion. Und zwar jeden Freitag ab jetzt. Wie viele Geschichten es werden, weiss ich noch nicht, aber es könnte sein, dass es bis Ende des Jahres reicht…

Da dieser Text nun schon ziemlich lang ist, sei hier zum Ende hin nur eine kurze Geschichte untergebracht:

Die Geschichte der kürzesten Kontrolle aller Zeiten

Ich habe damals noch im Behindertenfahrdienst gearbeitet und war mit einem Sprinter mit Rolli-Plätzen unterwegs. In Stuttgart war gerade Volksfest, was sowas ähnliches ist wie die Wies’n in München, nur nicht ganz so groß. Aber das Volksfest ist ebenfalls für überbordenden Alkoholkonsum bekannt, und eigentlich sollte so ziemlich jedem klar sein, dass die Polizei zu diesem Anlass Kontrollen durchführt.

Schon runde 200 Meter nach den letzten Ausläufern des Wasens (des Festplatzes) stand der Verkehr und ich sah einen Mann in leuchtender Warnweste auf dem Mittelstreifen der Fahrbahn stehen. Na klasse! Ich hatte eine Tour zu erledigen, ich sollte 15 Minuten später beim Kunden sein. Was also wird das jetzt?

Ich rücke in der Schlange auf und irgendwann stehe ich dann vor ihm und es ergibt sich folgender, hier ungekürzt wiedergegebener Dialog:

Polizist: “Guten Abend. Haben sie Getränke alkoholischer Zusammensetzung konsumiert?”

Sash: “Nein, ich arbeite!”

Polizist: “Schön. Arbeiten sie weiter!”

Und das war es. Kein Aussteigen, kein Blasen, kein Garnichts. Ich will ja nicht unangemessen über die Statistik mutmaßen, die eine solche Aktion für sinnig erklärt hat… aber ich hätte das auch nach 5 Bier geschafft!

Author: Sash Categories: Feinde, Staatsgewalt

So schnell…

24. Dezember 2009

Gemütlich plaudernd gurke ich mit meiner Kundin die Roedernallee stadtauswärts entlang. Draußen ist es naßkalt, im Auto warm und trocken. Die Zeit verstreicht inzwischen recht schnell, die Fahrt dauert schon eine Weile. Seit Friedrichshain reden wir über dies und das und ich freue mich neben der angenehmen Begleitung durchaus auch darüber, dass die Tour mit bald 25 € finanziell recht gut ausfällt.

Das stete Wechselspiel aus Licht und Schatten unter den Bäumen wird jäh unterbrochen, als hundert Meter vor mir im gelegentlich auf- und abtauchenden Schein der Fahrzeugbeleuchtung etwas grellgelb aufblitzt. Das grellgelbe Etwas identifiziere ich recht schnell als das Letzte, was ich gerade sehen will:

Polizist mit Kelle.

“Ist hier Nachts nur dreißig erlaubt?” denke ich still und sage laut:

“Fuck, war ich zu schnell?”

Prima, kaum tauchen die Cops auf, komme ich mit den beiden Sprachmodi (Kunden und Rest des Lebens) durcheinander! Meine charmante Mitfahrerin zeigt sich interessiert, beantwortet aber meine Frage nicht. Gut, wie auch?

Ich bremse behutsam ab, denn kaum etwas ist verdächtiger als quietschende Reifen. Abgesehen von der logischsten Konsequenz, umzudrehen und Vollgas zu geben. Ach ja: Der Trick mit dem Licht ausmachen und in eine Parklücke fahren funktioniert auch nicht. Alles schon ausprobiert. Also ab in die Höhle der Löwen! Wie gefährlich soll ein Verein schon sein, der seinem Wappentier zu Weihnachten eine Pudelmütze* verpasst?

OK, ich lasse den Wagen ausrollen und überlege mir Ausreden. Schwangere Frau ist dieses Mal nicht, und 15 € Strafe sind nichts gegen das, was mir zuhause blühen würde, wenn ich meine Kundin noch kurz schwängere. Ich muss da wohl durch… Fuck! (Hey, immerhin dieses Mal leise)

Der Polizist, ein freundlich aber bestimmt guckender Schnauzbartträger im Einzugsgebiet meiner Elterngeneration, winkt mich auf einen Parkplatz, wo gut versteckt vor potenziellen Opfern die Wanne wartet. Ich versuche mich mit einem Blick, den ich bisher noch nicht im Spiegel betrachtet habe, der aber zu funktionieren scheint: Eine Mischung aus kritischer Situationsverachtung gepaart mit einem Hauch grenzdebiler Unschuldigkeit. Wahrscheinlich sieht es so ähnlich aus wie ein Kind, wenn man ihm den Lolli klaut in dem Moment bevor es anfängt zu heulen. Aber wie gesagt, es funktioniert.

Der Cop grinst mich an, deutet mit seinem Ellenbogen vage in Richtung meines natürlich erloschenen Dachschildes und meint:

“So schnell hab ich ja gar nicht gucken können. Sie können natürlich weiterfahren!”

OK, es ist also wie im Behindertenfahrdienst auch: Drogen im Straßenverkehr sind in Ordnung, so lange man das richtige Auto fährt. Wieder was gelernt!*

* siehe hier

** Ganz im Ernst: Ich bin froh, dass nicht alle Cops uns auf der natürlich inexistenten Abschussliste haben!

Author: Sash Categories: Absurdes, Feinde, Staatsgewalt, Taxi