Raubtier

Als Erstlingsvater habe ich bestimmt noch einen riesigen Haufen an falschen Vorstellungen über das Wesen von Kindern, als es mir bisher bewusst ist. Allerdings bin ich derzeit schon ganz gut beschäftigt mit den Fehleinschätzungen, die sich bisher als solche entlarvt haben.

Zum Beispiel die, dass zumindest mal Babys bis zu einem Jahr recht harmlose Gesellen sind.

Also nicht falsch verstehen: Lieb im herkömmlichen Sinne ist unser Spätzle durchaus. Er ist auch faszinierend frustfrei bei all seinen Entdeckungsuntersuchungen, er weint eigentlich nur bei einem der vier Baby-Apokalypsen:

  1. Hunger
  2. Müdigkeit
  3. Schmerzen
  4. Mama oder Papa gehen aus dem Zimmer

Das Problem ist bloß, dass er in all seiner Begeisterung, die er über die Anwesenheit von mir und Sophie hegt, etwas überambitioniert zupackt.

Die Phase, in der er uns liebevoll in die Nase gebissen hat, scheint langsam aufzuhören, allerdings ist er nicht in der Lage, mit seinen kleinen Händchen sowas wie Streichel- oder Tatsch-Bewegungen zu machen, er zieht und zerrt an allem oder haut hemmungslos drauf. Letztes ist wirklich so harmlos, wie es sich anhört, aber das Festkrallen klingt nur lustig, bis ich Körperstellen wie Nase, Augenlider oder Bauchnäbel nenne, nicht wahr?

Seit ich den Stöpsel bei seinen Ambitionen öfter abblocke, geht es wieder, aber vor einer Woche sah meine Nase noch aus, als hätte ich ’ne Bruchlandung in einem Schaufenster gemacht.

Immerhin freut sich das Baby schön, wenn man blutend und weinend im Eck liegt.

2 Comments

Filed under Familie

2 Responses to Raubtier

  1. Sir_Knut

    Warte ab, bis Du das erste Mal im Dunkeln mit Kind im Arm, barfuss auf einen Legostein trittst 🙂

  2. @Sir_Knut:
    Ich bin mal in eine eingetrocknete Nudel getreten, das hat sogar geblutet. Und Lego hatte ich als Kind selbst viel, das schockt mich nicht mehr.

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