Monthly Archives: Oktober 2015

Alarm, Alarm!

Ja, da guckste blöd, wenn Du an deinem Supermarkt vorbei gehst und plötzlich die Alarmanlage angeht.

Aber gut, ich lebe in Marzahn. Neben Straßenlärm und Böllern gehören Alarmanlagen hier zur alltäglichen Geräuschkulisse. Und ich hab trotzdem keine Angst, hier das Taxi vor der Türe zu parken und die halbe Nacht unbeaufsichtigt zu lassen.
Während ich mich aber noch so über das Geheule und Geblinke amüsiert habe, kam tatsächlich durch die offensichtlich eingeschlagene Ausgangstür des Nettos einer rausgekraxelt und hat dann mit beachtlicher Geschwindigkeit das Weite gesucht. Einfach so, während ich da 20 Meter entfernt langgewatschelt bin.

Das übersteigt dann das Alltagsleben selbst eines Wahlmarzahners ein wenig. 0.o

Nun hatte sich meine primäre Sorge in diesem Moment durch einen kleinen Einbruch nicht wesentlich verändert: Ich musste dringend kacken. Also bin ich nach Hause, aufs Klo, schien mir das Naheliegendste in meiner Situation zu sein. Die Alarmanlagen melden das heutzutage eh an die Polizei, es eilte also so oder so nicht.

Nachdem ich meinen Geschäften nachgegangen war, warf ich mal einen Blick aus dem Fenster. Ruhe. Dann aber kam ein Polizeiauto an und … fuhr seelenruhig am Netto vorbei. WTF?

Nun muss ich gestehen, dass mich die Sache emotional nicht sonderlich aufgewühlt hatte. Irgendwer ist in den Netto eingestiegen und hat dort was geklaut. Das ist nicht erlaubt, nicht toll für den Netto – aber da der Typ nicht einmal eine Tasche dabei hatte, sondern sich nur was unters Shirt geklemmt hatte, gehe ich stark davon aus, dass der Schaden im Wesentlichen aus der zerbrochenen Scheibe besteht. Ich gehe in dem Laden oft einkaufen, die Zahl der Artikel mit über 50 € Verkaufspreis (geschweige denn Warenwert) hält sich in engen Grenzen. Mit drei Stangen Zigaretten hat man ungefähr das Maximum dessen ausgereizt, was man ohne Tasche da raustragen kann.

Andererseits war ich ja nun doch unfreiwillig persönlich involviert, denn ich hab keine Ahnung, wo da gerade Kameras installiert sind und wie weit die das Geschehen vor dem Laden im Blick haben. Und auch wenn ich weiß, dass die Berliner Polizei nicht viel Ähnlichkeit mit dem CSI hat, hatte ich wenig Lust, am Ende als Zeuge gesucht zu werden und Mitte Januar Rede und Antwort zu stehen, warum ich mich damals nicht gemeldet hab. Außerdem nagte ein wenig das Interesse an mir, weswegen die Cops zehn Minuten nach so einer Sache noch nicht da waren. Man weiß ja nie, wann man das Wissen mal brauchen kann. 😉

Also hab ich dann doch angerufen. Die Beamtin bestätigte mir, dass das noch unbekannt sei und wunderte sich:

„Das ist aber komisch, normalerweise geht das bei uns ein …“

Den Einbrecher werden sie mit meinem Wissen wohl kaum kriegen, der hat artig Kapu getragen und sich gar nicht erst zu mir umgedreht. Und wenn ich ehrlich bin, dann hoffe ich einfach, dass es am Ende jemand war, dem das bisschen Kohle wirklich geholfen hat. Ich lass mich ohne Frage auch nicht gerne beklauen, aber wenn es mal passiert, dann hoffe ich selbst dabei, dass es jemandem zu Gute kommt, der es nötiger hat als ich. Und ja, ich zahl auch hier im Netto gerne 10 Cent mehr für die Butter, weil sie das mit den Diebstählen einpreisen müssen. Wayne?

Am Ende bleibt ein etwas seltsamer Start ins Wochenende.

PS:
Habe anschließend etwas gemacht, was sich vielleicht manch einer auf seine Kognitive-Dissonanz-ToDo-Liste schreiben will: Ich hab GTA pausiert, um einem Cop am Telefon noch mal meine Beobachtungen bezüglich eines Verbrechens zu schildern.

PPS:
Äußerst amüsant sind übrigens Gedankenspiele zum Thema. Zum Beispiel: Der Typ hatte nur übel Bock auf Pizza, aber keine Hefe mehr im Haus und hat sich nur 4 Hefewürfel (Ja, natürlich VIEL Pizza!) besorgen wollen. Oder: Er hat sich eine Schnulzen-DVD geklaut, die er sich nicht zu kaufen getraut hat. Ich will’s nicht über Gebühr bagatellisieren, aber ich denke wirklich, dass man wegen ein paar hundert Euro Schaden kein Fass aufmachen muss.

PPPS:
Natürlich existiert irgendwo tief im Unterbewusstsein meines krimiverseuchten Hirns die Befürchtung, dass ich jetzt der Hauptverdächtige bin. Im schlimmsten aller Fälle werde ich dann halt Knastblogger. Mir fällt da schon was ein. 😉

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Ich werde wohl wirklich alt …

Ich bin Neuem gegenüber ja aufgeschlossen. Auch wenn es schon älter ist. Aber manchmal fasse ich mir auch an den Kopf.

Ich hab mich die Woche ein bisschen dafür belohnt, dass das mit dem Haushalten mit dem Geld gerade gut klappt. Auf bescheidene Art und Weise, ich hab mir GTA IV geholt. Ja, nicht das aktuelle, das packt mein Rechner derzeit sowieso nicht. Aber hey, San Andreas ist inzwischen 10 Jahre alt, ein bisschen mehr geht dann halt doch, auch als Gelegenheitszocker. Dass ich für einen Zehner nur die Downloadvariante bekommen habe – damit kann ich leben. Ich hab schon mitbekommen, dass sich das Leben seit einiger Zeit überwiegend im Netz abspielt. Und selbst die 18 Stunden Download bei unserer beschissenen Anbindung hab ich weggesteckt als fände ich es normal, nach dem Kauf eines Spiels nicht gleich installieren und zocken zu können.

Auch dass ich mich dazu bei Steam anmelden musste … na gut, so ist das halt heute.

Auf eine „Games für Windows Live“-Anmeldung wollte ich verzichten, wer zockt noch das 4er online? Ich gleich dreimal nicht. Woraufhin ich feststellen musste, dass ohne eine Anmeldung dort zwar das Spiel funktioniert, nicht jedoch das Speichern des Spielstandes. Bei einem Offline-Game – WTF? Aber man ist ja gnädig und akzeptiert das. Dann landete ich bei einer Anmeldeprozedur, die nicht funktionierte, weil – hallo Welt! – sie zwangsläufig über den IE lief, der aber (da nicht installiert und somit nur abgespeckt verfügbar) nicht das zwingend erforderte Javascript bot. Und im Übrigen nicht einmal eine Adresszeile, aus der ich die Adresse in den Firefox hätte übertragen können. -.-

Also hab ich via Firefox gegoogelt und mir ein Live-Profil erstellen wollen. Was natürlich nicht ging – die Zocker kennen das, aber mir war das neu – weil man dazu ein Profil bei Microsoft braucht. Also bin ich dorthin, hab mich angemeldet, hab nebenbei von diesem Zweitsystem, bei dem ich nie über FB, Google oder Twitter angemeldet bin, noch meine eMails wegen Bestätigungsmeldung abrufen müssen, um anschließend die beiden Profile zu erstellen. Was man halt so tut, wenn man virtuell jemanden über den Haufen schießen will.

Also das Spiel wieder gestartet und gehofft … aber Fehlanzeige. Ich hatte keinen „Gamertag“. Was auch immer das ist, ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht – aber eine hilfreiche Googelei später war klar, dass ich einen bekomme, wenn ich mich zudem bei „X-Box Live“ anmelde. Dass ich das aber auch vergessen konnte, so ganz ohne X-Box oder überhaupt die Überlegung, irgendwas bei meiner privaten Kill-Orgie übers Netz laufen zu lassen!

Inklusive Steam hab ich mir nun also zum Offline-Zocken auf meinem PC sage und schreibe vier verschiendene Online-Profile anlegen müssen, die ich vorerst für wirklich nix anderes zu nutzen gedenke, weil ich normalerweise nur mit meinem Linux-System online bin. Die jüngere Zocker-Generation hat sich an den Quatsch sicher schon lange gewöhnt – immerhin ist das Spiel nun ja auch schon 7 Jahre alt – aber ich frage mich irgendwie doch, ob es am Ende nicht einfacher war zu den Zeiten, wo man nach dem Kauf eines Spiels einen oder mehrere Datenträger bekommen hat und die ggf. auch mal wechseln musste, dafür aber nicht nebenher das Spiel verlassen, googeln und mehrere Profile erstellen.

Wie gesagt: Ich werde alt.

Im Gegenzug hab ich aber schon ein paar unnötige Morde verübt und meine Laune damit wieder eingepegelt. Und das hat Microsoft sicher alles fein säuberlich gespeichert.

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Herbstwetter

Gerade ist das ungefähr beschissenste Wetter in Berlin: 7°C und Regen. Noch ein paar Grad weniger und es wäre Schnee und damit wieder cool. Aber obwohl das Wetter selbst meiner komischen Wenigkeit eigentlich nicht wirklich gefällt, hab ich es heute dann doch genossen, einfach ein paar Meter durch den Regen zu schlendern. Ist wohl so ein Stadtkind-Ersatz für echte Natur.

Aber natürlich hab ich das gemacht, weil ich wusste: Gleich kommt die Bahn, danach haste soundsoviel Minuten und dann ist da eine warme Wohnung. Kennen wir alle.

Ähm, nein. Also ja, alle Leser hier vermutlich schon. Mir aber fallen bei solch harmlos-dummen Aktionen meinerseits immer die Menschen ein, für die eine warme Wohnung noch weit weit weg liegt. Obdachlose – und sicher auch einige der derzeit hier ankommenden Flüchtlinge.

Und ich gehöre schon zu denen, die sich ärgern, dass der rechte Schuh jetzt schon wieder undicht ist – ausgerechnet jetzt, wo gerade nicht geplante Rechnungen ohne Ende reinflattern, so dass man sich überlegen muss, von welchem knappen Budget jetzt auch noch neue Schuhe gekauft werden sollen. Aber ja, natürlich wird das klappen, ich hab ja Arbeit und am Lebensnotwendigsten mangelt’s am Ende nie.

Ja, jeder von uns trägt seine Probleme mit sich rum. Und die sind bisweilen ätzend und zermürbend. Aber heute, angesichts dieses kalten Herbsttages bleibt mir am Ende doch kaum mehr als die Freude, wie gut es mir eigentlich geht: Das hier in meinem warmen Zimmer schreiben zu können, eigentlich zufrieden zu sein. In Anbetracht der derzeitigen Weltlage sollten viel mehr Menschen hier das so sehen.

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