Monthly Archives: März 2014

Unbesiegbar

Während drüben bei GNIT durch mein zwischenzeitliches Umsatteln auf einen Neuwagen Fragen nach der Haltbarkeit von Autos aufgeworfen wurden, habe ich heute den Küchentisch abgewischt und alsbald verwundert gerufen:

„Nanu, Du bist ja eine Kerbe!“

Was wahr war und damit recht schnell klärte, warum meine Reinigungsversuche so überraschend fehlschlugen.

Nun ist – ich schrieb dies im Hinblick auf manch andere Kleinigkeit schon – selbst mein Leben nicht armseelig genug, um eine Kerbe im Küchentisch zu dramatisieren. Dramatisch finde ich das sowieso nicht, sowas passiert bei Möbeln. Selbst die Autos, die ich bisher gefahren habe, hatten in der Regel immer irgendwelche Kratzer, Schrammen, Dellen oder sonstige Zeugnisse von Feindkontakt.
Und Feindkontakt kennt unser Küchentisch zur Genüge. Ich könnte jetzt viel von Versehen und bedauerlichen Unfällen berichten, aber die Wahrheit ist, dass ich – wenn der Tisch mal sauber ist – durchaus auch mal eine Zwiebel direkt auf der Platte schneide. So gesehen dürfte dieses Teil keine paar Monate unverschrammt überstanden haben.

Tatsächlich aber ist dieser Tisch nur ein (soweit ich mich erinnere) 2008 zufällig durch eine verwandtschaftliche Wohnungsauflösung zu uns gekommenes Möbelstück, das mit gewisser Wahrscheinlichkeit mehr Jahre auf dem Buckel hat als meine Wenigkeit. Und auch wenn er die ersten 15 bis 25 Jahre eher wenig genutzt und pfleglich behandelt wurde, so waren die letzten 5 doch das, was man gemeinhin mit „außerordentliche Belastung“ euphemisiert.

Die DDR war als Staat schlimmer als das, was ich heute hier so oft kritisiere. Sie war diktatorisch, kaputtgewirtschaftet, moralisch bankrott und ungeliebt. Aber hätten sie diese Resopal-Küchentische auf ihre Panzer geschnallt, wären sie militärisch unbesiegbar gewesen. Davon ist wohl auszugehen.

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Zwei-Null-Vier-Acht

Ich muss gestehen, dass auch ich ein wenig spielsüchtig sein kann. Inzwischen tritt das immerhin allenfalls phasenweise auf und betrifft nur „Casual Games“. Übertriebene Sorge ist also nicht angebracht.

2048 ist nun ja mal wirklich wieder so ein Spiel, das beweist, dass bei Spielen manches Mal die Einfachheit dem Spaß keinen Abbruch tut. Denn 2048 ist nun wirklich weit entfernt von dem, was man heute von Spielen erwarten würde. Aber ja, ein bisschen Felder mit Zahlen umherschubsen kann spannend sein – ebenso wie es auch jede Menge tolle Kartenspiele gibt, die mit einem altbekannten Blatt gespielt werden können.

Die interessanten Hintergründe zu 2048 haben mich ehrlich gesagt auch erst gestern erreicht, das Spiel selbst vorgestern. Meine Filterbubble im Netz ist eher politischer und wissenschaftlicher Natur (Hey, für heute wurde eine interessante astronomische Erkenntnis vorhergesagt! Leider ist der Blogeintrag, auf den ich hier verlinken wollte, offenbar nicht mehr da …), da gehen auch große Internetphänomene mal eine Zeit lang an mir vorbei, obwohl ich ein Online-Mensch bin.

Ich bin bei 2048 nicht gut, ganz ehrlich. Ich hab’s nicht so mit Mathe und auch mein Abstraktionsvermögen ist eher in anderen Bereichen gut. 16.548 ist mein bisheriger Highscore und das ist zumindest mal nix gegen Ozie mit ihren 38.020. Auch wenn sie ein paar Tage Vorsprung hat. Und ich hab mich bisher noch nicht getraut, nachzuschlagen, was wirkliche Cracks da so erreichen.

Allen, die bei 2048 – wie ich – versehentlich der Spielsucht verfallen sind, kann ich allerdings eines mitgeben, was ich von Ozie gelernt habe. Denn Ozie ist, wie ich nicht oft genug anmerke, mit Intelligenz und Pragmatik gesegnet, wie ich es nur allzu gerne wäre. Und deswegen vermute ich, das dieses Wissen noch nicht die Runde gemacht hat. Es geht um folgendes:

Das Spiel ist mühsam und mitunter zeitraubend. Man kann das abkürzen. Die ersten 1.000 bis 5.000 Punkte (bis zum ersten 256er oder 512er) dauern mitunter ewig.

Als ich, spielend, Ozie fragte, ob sie es auch schon mal probiert hätte, meinte sie:

„Ja, aber ich spiele es anders als Du.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nicht einmal die Chance, auf meinen Bildschirm zu sehen, weil sie dahinter stand. Entsprechend seltsam kam mir das vor. Aber sie hatte Recht.

Ich hatte mich bis dato erst mühsam auf einen Score von 5.000 hochgearbeitet, ich kannte das Spiel erst seit rund einer Stunde. Dann lud Ozie mich ein, ihr an ihrem Rechner zuzusehen. Und was tat sie? Sie tippte blind binnen vielleicht einer Minute auf der Tastatur herum und hatte meinen Highscore beinahe erreicht.

„Die ersten paar tausend Punkte mache ich immer so …“

Gute Spieler wissen, dass es sinnvoll ist, eine der Pfeiltasten möglichst zu vermeiden. Man sammelt hohe Zahlen am besten konzentriert in einer Ecke. Das Tolle ist: Anfangs ist die Wahrscheinlichkeit, die richtigen Moves zu machen, derart hoch, dass der Zufall völlig ausreichend ist, um bei blindem Turbo-Tippen (Wichtig: Nur auf 3 der 4 Tasten!) nicht das Spiel zu verlieren und dennoch irgendwas zwischen 1.000 und 5.000 Punkten zu machen. Und das sind nur meine Erfahrungswerte als Neuling.

Und diese Technik, das muss man mal ganz ehrlich sagen, nimmt dem Spiel seine Gefährlichkeit als Zeitfresser enorm. Und dann isses ja doch auch irgendwie wieder ok. 🙂

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Richtige Arbeit

So, die nächsten 48 Stunden hab ich mir einiges fürs Buchmanuskript vorgenommen. Für viele wäre schon die reine Zeichenanzahl von etwa 26.000 leicht abschreckend, ich finde viel schwieriger, dass ich dabei nicht nur neue Sachen schreiben werde, sondern vieles einfach nur bearbeiten, umstellen, verbessern. Das ist weit komplizierter als einfach nur mal so drauf los zu rocken.

Ich hab mir zwei Wochenendtage von weiteren To-Do’s weitgehend freigeräumt, einfach um am Text rumzuwerkeln. Konzentriert, mit so wenig Ablenkung wie möglich. Und das hab ich in den kommenden Wochen noch vier weitere Male geplant. Obwohl ich rein zeichenmäßig schon über die Hälfte des Buches zusammen habe, obwohl am Ende des Ganzen nur ein erstes Rohmanuskript stehen soll, dass noch zu unreif sein wird, um es dem Verlag auch nur zu zeigen.

Das sind nur ein paar Schritte unter vielen. Wie daraus aber vielleicht ansatzweise klar wird: Ja, auch schreiben kann richtige, echte Arbeit sein und nicht nur ein Hobby für nebenher. Aber ich will’s ja offensichtlich nicht anders. 🙂

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Abrauchendes

Ich hatte es die Tage bei GNIT schon mal angerissen, aber ich wollte auch hier noch ein paar Worte zum Stress um mein Netzteil loswerden.

Ich bin weitestgehend ein ruhiger Mensch, aber ein paar Dinge bringen mich immer noch regelmäßig zum ausflippen. Defekte Computer stehen auf dieser Liste ganz ganz weit oben. Ungefähr auf Augenhöhe mit chirurgischen Eingriffen im Genitalbereich. Ich weiß, diese Abhängigkeit von der Technik kann man negativ sehen, aber ich finde das völlig normal. Manche Menschen regen sich auf, wenn ihr Lieblingskleidungsstück einen Fleck hat! Oder wenn von 22 fremden Menschen die falschen 11 am Abend jubelnd über einen Kunstrasen rennen. Und für mich ist der Computer in Kombination mit dem Internet nun mal ein Teil meines Lebensraumes, gleichzeitig Arbeitsstätte und Spielplatz, Kneipe und Kino, Bibliothek und Konzertsaal. Ein Ausfall des Computers lässt meine Welt um ein vielfaches schrumpfen, viele meiner Tätigkeiten sind ohne schlicht nicht möglich.

Und so war der vergangene Samstag entsprechend unschön. Als ich nach einer halbwegs langen und ziemlich ermüdend schlecht gelaufenen Schicht heimgekommen bin, den Kopf voll mit zu schreibenden Blogeinträgen, tat sich am Rechner plötzlich nix mehr. An manchen Tagen will ich bloß noch kurz die Mails checken, aber am Samstag Morgen hatte ich mich wirklich auf Ablenkung und Unterhaltung gefreut. Und dann das!

Dass es das Netzteil war, hatte ich schnell rausgefunden. Fehlerdiagnose am eigenen PC ist immer noch eine meiner Kernkompetenzen und auch in all den Jahren, die ich das Teil nunmehr nur noch als durchschnittlicher User malträtiere, hab ich mir nicht angewöhnen können, die zweite Seitenverkleidung festzuschrauben. Der Blick unter die Haube gehört zu den Standardhandgriffen.

Als die Sache klar zu sein schien, hab ich die Schrauben des Netzteils gelöst und mich nebenbei gewundert, dass ich es überhaupt artig mit vieren befestigt hatte und nicht auch dort eine fehlte. Als ich das Ding in der Hand hielt, bestätigte sich mein Verdacht auch umgehend durch einen dezenten Schmorgeruch. Lecker!

In unserem kleinen Computermuseum im Flur lagen noch zwei Netzteile rum und ich hatte irgendwie in Erinnerung, dass eines davon eigentlich noch tat. War eine falsche Erinnerung, ich sollte die Teile mal entsorgen. Aber gut, nachdem das ausprobiert war, bin ich müdigkeitsbedingt ins Bett gefallen. Für drei Stunden. Mein kurzes Erwachen hab ich umgehend genutzt, um über eine Lösung nachzudenken. Ozie war inzwischen auch wach und wir beschlossen, mal eben zum Saturn zu watscheln. Es war immerhin Samstag, 48 Stunden ohne PC waren schlicht nicht drin und der Saturn liegt vor der Haustür im Eastgate. Also warum nicht?
Davor haben wir kurz noch bei Amazon geschaut, was Netzteile derzeit so kosten und sind los.

Nun muss ich zu der Preisgeschichte mal was sagen. Ich habe tatsächlich kein Netzteil beim Saturn gekauft, weil sie dort zu teuer waren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ich meine: Ja, bei mir sitzt die Kohle nicht so locker, aber ich bin inzwischen auch weit weit weg von einer billigen Geiz-ist-geil-Mentalität. Und mir ist klar, dass Amazon beispielsweise anders kalkulieren kann als ein Ladengeschäft. Ja, es ist mir sogar bewusst, dass die Tatsache, dass der Saturn hier vor Ort ist, bereits ein Teil des Services ist, den ich mitbezahle. Und als ich bei Amazon gesehen hab, dass die Preise ab 21 € starten, hab ich bei Saturn kein Netzteil für unter 30 erwartet. Meine persönliche Deadline lag bei ungefähr 40.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich kein Spitzenprodukt erwerben wollte. 400 Watt, Anschlüsse für zwei Sata-Laufwerke, fertig. Mein Rechner ist nicht superleise und ich brauchte auch kein High-Class-Gaming-PC-Netzteil, eher was kleines, was schon vor vier Jahren nicht mehr State of the art war.

Nun fanden sich bei Saturn in einem kleinen Regal unter der Aufschrift „Zubehör“ zwischen Grafik-, Sound- und TV-Karten tatsächlich auch vier Netzteile, zwei davon entsprachen quasi komplett oben genanntem Profil. Kostenpunkt: einmal 45, einmal 50 €. Und das waren die beiden billigsten …

Ich hab echt mit mir gerungen, denn immerhin war es für mich mitten in der Nacht und ein schnelles Ende der Chose war mir schon einen kleinen Aufpreis wert. Am Ende war es also nicht nur der Preis, der mich abgehalten hat, sondern schlicht und ergreifend, dass ich mir verarscht vorgekommen bin. Etwas fieser ausgedrückt: fast erpresst. Denn natürlich ist der Saturn hier in der Ecke inzwischen der einzige Laden mit Computerteilen (unser kleiner Laden, der auch mal für einen Fünfer Gebrauchtteile vertickt hat, existiert nicht mehr). Und das Geschäftsmodell zielte erkennbar ausschließlich auf Leute in Notsituationen oder Menschen mit so wenig Informationen, dass man ihnen die Geschäftsfähigkeit aberkennen könnte. Zweitausend Quadratmeter Ladenfläche, aber statt bezahlbarer Netzteile gibt’s die neueste CD von Helene Fischer mit Kopierschutz im Sparangebot für die scheintoten Ex-Stasi-Kader in der Nachbarschaft. Und beim alljährlichen Geschäftsbericht wird über die Raubkopierer aus dem Internet geschimpft, die das Geschäft kaputt machen.

Ist doch wahr!

Also haben wir uns nach Alternativen umgesehen. Und siehe da: einmal mehr hielt der Bezirk ein Kleinod des Gewerbes für uns bereit. Zwar ein paar Kilometer entfernt, aber bequem mit gleich zwei Buslinien von uns aus zu erreichen: Der Shop von „Zawo Computertechnik„. Nicht nur, dass die Netzteile unter 30 € anbieten, nein, die schreiben „Qualität“ zumindest in den Meta-Tags auch mit zwei L. Das sind so Läden, die mir gefallen. 😉

Zugegeben, es war der letzte Strohhalm. Und nur noch bis 14 Uhr offen. Also bin ich sofort hingefahren, was etwas länger dauerte, da die BVG eine Buslinie verlegt hatte, worauf online natürlich nicht hingewiesen wurde. Es gibt so Tage, da denkt man, man lebe noch im Jahr 2001.

Der Bahnhof Kaulsdorf-Nord ist jetzt nicht das Vorzeige-Eck des Bezirks. Auch der eigentlich gut gemeinte Cecilienplatz weckt bei mir eher gruselige Gefühle, ich bin jedoch auch verwöhnt von meinem sich ständig weiterentwickelnden Kiez, der den Anspruch hat, das neue Marzahn-Mitte zu werden.
Aber nein, hübsch isses dort nicht gewesen. Der Laden selbst lag – wie Teile der Marzahner Promenade durchaus auch – in einer dieser gräßlichen Geschäftszeilen, wie sie an hunderte Plattenbauten in der Umgebung rangeklatscht worden sind. Und innen … nun ja, ein Computerladen halt: Ein wenig steril, alles unspektakulär und schmucklos, ein türloser Durchgang hinter der Theke, der in die Werkstatt führt, in der etliche ausgeschlachtete Tower ihrer Behandlung harren. I like! 🙂

 Warum ich den Laden wirklich erwähne, ist der Service. Ich selbst habe keinen gebraucht. Ich hatte mir mein Netzteil schon auf der Seite ausgesucht und im Falle einer Nichtverfügbarkeit wusste ich wenigstens um die Eckdaten Bescheid, um mir schnell ein neues auszusuchen. Nein, toll war, dass ich ein paar Minuten warten musste. Nicht wegen der Wartezeit an sich, sondern weil ich ein Gespräch mit anderen Kunden mitbekommen habe. Der Laptop einer vielleicht 13-jährigen sollte eingerichtet werden. Selbige und ihr Vater sichtlich ahnungslos, ein Traum für jeden Verkäufer. Und er machte nur sinnvolle Vorschläge. Packte Open Office drauf, managte eine offenbar schon zuvor erworbene Antivirenprogrammlizenz und riet vom angefragten Grafikprogramm ab, da es für Anfänger zu teuer sei und zuvor vielleicht ein bisschen Üben an den mit der Kamera mitgelieferten Programmen besser wäre, bis klar ist, was die junge Dame denn genau brauchen könnte. Ein respektvoller Umgang mit ahnungslosen Kunden – vermutlich die Königsdisziplin im Handel.

Mir wurde dann von dem jungen Mann just das Netzteil empfohlen, das ich mir selbst eigentlich schon ausgewählt hatte und von teureren Alternativen angesichts der Umstände (alter Rechner, unklare Zukunftsprognose) abgeraten. Freundlich, kompetent, schnell. Samstag mittags kurz vor Feierabend. Ich hätte Trinkgeld geben sollen.

Bei allem Ranten über Saturn und allem Lob für den kleinen Zawo-Shop: Ich bin kein „Support your local dealer“-Fetischist. Ich hab zwar großen Konzernen gegenüber immer Vorbehalte, aber in erster Linie bin ich bei Händlern ein Kunde, der Service zu schätzen weiß. Und ja, genau deswegen bin ich ehrlich gesagt ein großer Freund von Amazon. Die bauen Scheiße wie so viele andere auch, klar, bieten aber andererseits für mich persönlich als Kunde eine beinahe perfekte Dienstleistung. Ich wüsste nicht, wieso ich da einen Laden um die Ecke unterstützen sollte, bei dem „Willste nüsch wat anneres neh’m, ick will de neue Packung nich uffmach’n!“ schon zum besseren Ton gehört?

Aber ja, zukünftig werde ich mir bei PC-Teilen überlegen, ob ich mich nicht lieber für 16 Minuten in den Bus setze, anstatt einen Tag auf eine Lieferung zu warten. Auch wenn’s vielleicht mal nicht so eilt wie letzten Samstag.

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Salate und Regionen

Insbesondere von meiner Kundschaft im Taxi werde ich gerne gefragt, ob ich es denn bereut hätte, nach Berlin zu ziehen. Und immer wieder muss ich sagen:

„Nein! Natürlich nicht!“

Der Grund dafür ist aber weit weniger Berlin, als man gemeinhin annehmen sollte. Das soll jetzt nicht negativ klingen, denn ich habe die Stadt sehr zu schätzen gelernt. Mehr aber mag ich es eigentlich, dass ich nun zwei sehr unterschiedliche Städte mehr oder minder gut kenne. Die Häuser werden zwar hier wie dort aus Holz, Steinen und Beton gebaut; aber es gibt viele interessante Unterschiede. Und diese Unterschiede sind oft besser als die ein oder andere regionale Begebenheit an sich. Die Sprache ist anders, teilweise die Menschen. Aber auch Dinge wie die Küche.

Um ehrlich zu sein: Ich habe die schwäbische Küche nie als sonderlich aufregend empfunden. Wie auch? Ich bin ja Schwabe. Für mich war das alles bestenfalls normal. Aber dann komm‘ mal nach Berlin …

Ich möchte der Berliner Küche nicht Unrecht tun, aber so sonderlich toll ist sie nicht. Das allerdings hätte ich eigentlich auch über die schwäbische gesagt. Ich bin zwar ein Freund deftiger Speisen und lege auch mehr Wert aufs Sattwerden als auf die letzte ausgefeilte Thymiannote am Salat, aber seit wir in einer globalisierten Welt leben, zeigt sich doch, dass die Einflüsse aus anderen Ländern oft eher hilfreich als schädlich sind.
Vermutlich ist das wie immer die Sicht des Insiders. Ich hab ja auch bis zu meiner Reise nach New York gebraucht um festzustellen, dass deutsches Bier echt ein Segen ist.

Und so stellte sich im Laufe der letzten Jahre meiner durchaus als interkulturell zu bezeichnenden Beziehung mit Ozie (Hey, Nord-Süd, Ost-West, alles auf einmal!) heraus, dass sie – mehr als ich fast noch – der schwäbischen Küche zugeneigt ist. Das betrifft zwar nicht das auch in Berlin allerorten anzutreffende Laugengebäck, aber zumindest doch mal Maultaschen (auch selbstgemachte) oder neuerdings Linsen und Spätzle. Nun hat mich das natürlich stets gefreut und sogar auf diese diffuse abzulehnende Art stolz gemacht, die Nazis nachvollziehen können müssten, die ja stets stolz auf etwas sind, das sie gar nicht zu verantworten haben und noch nicht einmal einen Plan davon.

Und dann das: Kartoffelsalat!

Kartoffelsalat ist ja nun in Deutschland fast überall zu Hause, ähnlich wie die ihm zugrunde liegenden Erdäpfel selbst. Aber jeder hat eine andere Vorstellung davon. Noch schlimmer ist es eigentlich nur mit Wurstsalat.
Ich persönlich mag Kartoffelsalat in eigentlich allen Variationen, mal den einen, mal den anderen. Er darf Essig und Öl oder Mayo enthalten, Speck oder Hering, Gurken oder Ei. Und fast keine Kombination davon ist so schlimm, dass ich sie mir nicht vorstellen kann. Mag daran liegen, dass ich die genannten Zutaten alle mag, auch wenn sie gelegentlich meinem Vorsatz, den Verbrauch tierischer Produkte zu minimieren, entgegenlaufen.

Aber nun stand Ozie da und konnte oder wollte nicht begreifen, dass man Kartoffelsalat auch warm essen kann. Darauf gekommen waren wir nur zufällig, aber dieser Unter-Unter-Unter-Punkt der Ernährungsphilosophie war völlig jenseits allen Vorstellbaren. Für mich war das im Gegenzug normal. Und zwar so richtig. So habe ich als Kind Kartoffelsalat kennengelernt. Sicher durfte er immer schon auch kalt sein, aber der richtig gute, von meinem Vater gemachte, war halt noch warm, wenn man ihn frisch aß. Wayne? So war das halt.

Da ich kein Rezept hatte und ohnehin nur selten alleine für uns beide kochte, kam ich erst neulich dazu, mal aus Lust und Laune einen dilettantischen Versuch zu wagen. Und das Ergebnis war, ganz ehrlich, eher so lala. Und „lala“ nicht im euphemistisch-kindlichen Sinne von „Musik“.

Aber, o Schreck!, Ozie schmeckte es. Und sie warf auch diese Bedenken über Bord.

Nun bin ich nicht nur stets darum bemüht, meine Fähigkeiten auszubauen, sondern auch darum, zumindest mal in Form kleiner Gesten den Leuten etwas zurückzugeben, die viel für mich getan haben. Wie meinem Vater. Obwohl wir eher ein pragmatisch-schönes als ein liebevoll-herzliches Verhältnis zueinander haben, wusste ich, er würde sich freuen, wenn ich ihn nach seinem Rezept fragen würde. Wie immer hat er das nicht gesagt, aber das gehört wohl zu unserem Deal. 😉

Dann haben Ozie und ich gestern das erste Mal richtig echten schwäbischen Kartoffelsalat gemacht. Gut, selbst das nicht ohne Abwandlungen, aber so sind wir halt. Und es bewies sich einmal mehr, dass interkulturelles Leben voller Bereicherungen ist. Denn es stellte sich heraus, dass Ozie als im besten Sinne in Berlin sozialisiert wesentlich schneller und besser Kartoffeln pellen kann als ich. Auch wenn sie das eigentlich als Kind gelernt hatte, um die eher hier verbreiteten Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl schnell zu sich zu nehmen, ebnete das nun den Weg zum schwäbischen, noch warmen Kartoffelsalat.

Und wenn es irgendwas gibt, das kulinarische Genüsse noch verfeinert, dann ist das Ironie. Dicht gefolgt von Chilis, klar. 😉

Und weil das jetzt schon wieder eine Menge Text war, ist hier der klägliche Rest der anfangs rund zwei Kilo Salat bildlich festgehalten:

Omnomnom. Quelle: Sash

Omnomnom. Quelle: Sash

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Spät und damit nie

Manchmal denke ich lange darüber nach, ob ich zu einem Thema etwas schreiben soll. Und nicht selten passiert es, dass der zu schreibende Text dann nie erscheint, weil gefühlt schon jeder etwas zum Thema geschrieben hat und ich sehe, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Das ist eigentlich auch hier der Fall, aber hier habe ich wenigstens schöne Texte zu verlinken.

Es geht um die wohl bald sprichwörtlich miese Rede der Autorin Sibylle Lewitscharoff, in der sie die Welt wissen ließ, dass sie sich vor Kindern ekelt, wenn diese nicht auf die von ihr präferierte Art (ja, der von ihr und allen Christen so geliebte Geschlechtsverkehr) gezeugt wurden.
Und nebenbei geht es natürlich auch um einen Herr Mattussek, der ganz dolle stolz ist, dass er noch so aufrecht homophob ist in dieser schlechten Welt.

Dazu jedenfalls von meiner Seite aus drei Lesetipps (in denen ihr dann auch interessante weiterführende Links, u.a. zu den originalen Artikeln, findet.

1. Anatol Stefanowitsch – Unbehagen und Menschenfeindlichkeit

Stefanowitsch identifiziert nicht nur ein Roll-Back des deutschen Feuilletons, sondern diagnostiziert diesem auch eine Gefährlichkeit, weil durch die Konzentration auf die Gefühle der Autoren eine argumentative Lücke geschaffen wird, die Gegenargumente ins Leere laufen lässt. Quasi: Ich weiß ja, dass ich falsch liege, aber an meinem Ekel ändert das halt nix und das muss ich sagen dürfen.

2. Harald Stücker – Echte Menschen?

Stücker greift Lewitscharoffs Unterscheidung in echte und nicht so wirklich echte Menschen auf und fragt, ob eine derartige Entscheidung überhaupt sinnvoll ist oder in Zukunft noch sein sollte.

3. Cornelius Courts – Natürlich böse

Courts schreibt wie immer den Artikel zur Rolle der Religion in den Weltbildern der o.g. Leute, den ich gerne geschrieben hätte und bringt – ebenso wie Stücker teilweise – deutlich zur Sprache, dass sich Religion und Menschenrechte allenfalls zufällig überschneiden und bleibt bei seiner Feststellung, tatsächlich wohne der Religion eher eine „Kraft zum Bösen“ inne.

Ich habe mich über alle drei Artikel sehr gefreut, sie enthalten wie eingangs erwähnt einige erhellende Links und werfen hier und da noch ein anderes Licht auf dieses oder jenes, auch wenn man die vielen „Großen“ dazu schon gelesen hat.

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3 Stunden

Wenn man der DHL glauben könnte, dann wäre das schön. Dann hätte die Packstation heute mittag von 14 bis 17 Uhr nicht funktioniert. Tatsächlich aber weiß ich nicht einmal, ob sie nicht just während dieser Zeit funktioniert hat, denn man kann der DHL nicht glauben.

Ich will nicht unfair sein gegenüber Dienstleistern, denn ich weiß ja, wie es manchmal auf der anderen Seite aussieht. Da klappt es halt mal nicht so, wie es der Kunde gerne hätte. Aber das ist nur ein Aspekt der Sache. Informationspolitik ist der andere und daran kann man arbeiten.

Als Ozie und ich das Paket das erste Mal abholen wollten, war es Donnerstag. Kein Zufall, denn Donnerstag ist mein erster Arbeitstag und es war schön, dieses Mal das Auto zu haben. Unsere normale Packstation, ungefähr 700 Meter Fußweg, ist nun nämlich mal wieder überfüllt gewesen und das Paket schlummert (fast) in Ahrensfelde. Das ist eine der beiden „Nachbarstationen“, dummerweise halt auch noch die „hinter“ der normalen und damit mal eben 4 Kilometer weit weg.

Dort angekommen meldete die Station, sie sei in wenigen Minuten wieder verfügbar. Dazu einer dieser unsinnigen Ladebalken, die sich ständig wiederholen und keinen tatsächlichen Fortschritt anzeigen, sondern nur Bewegung simulieren. Das ist ein Teil dessen, was ich oben mit Informationspolitik umschrieben habe: Wir standen nun da und es hieß, die Station sei in wenigen Minuten wieder verfügbar. Natürlich war uns klar, dass das alles oder nichts heißen konnte. Das hätte da seit letzter Woche oder einer Minute stehen können. Nichts dagegen, dass die Stationen mal ein Update bekommen und man dann ein paar Minuten warten muss. Gut, warum ausgerechnet um 19:30 Uhr und nicht um 3:00 Uhr … aber egal.
Hätten wir gesehen, dass die Meldung dort seit 19:28 Uhr oder seit 13:13 steht, hätten wir Schlüsse daraus ziehen können. Hätten wir gesehen, ob der Prozess fortschreitet oder sich bei 95% aufgehangen hat, hätten wir Schlüsse daraus ziehen können. So mussten wir warten. Nach 10 Minuten sind wir erfolglos abgezogen, durchaus mit dem Hintergedanken, dass es zwei Minuten später … aber wieder egal.

Was gut funktioniert ist, dass man ja eine Mail bekommt, wenn die Packstation nicht tut. Den Freitag über kam keine solche, also hab ich am Abend wieder das Auto gesattelt und bin gen Ahrensfelde geritten. Ist zugegebenermaßen ein recht hoher Aufwand, aber wir haben keine Fahrräder und ich darf die Kiste privat nutzen. Außerdem müsste jetzt ja (binnen 24 Stunden) mal einer der Zusteller vor Ort gewesen sein. An der Station dann: der selbe Screen mit dem lächerlichen Balken wie am Tag zuvor. Vielen Dank, das waren nun schon eine Stunde Lebenszeit und konservativ gerechnet 30 km Anfahrt mit dem Auto für umme.

Am nächsten Tag dann die Hotline. Ozie wird versichert, dass es keine Meldung gäbe, dass an der Station was nicht stimme, nur eine Fehlermeldung von vor drei Tagen. Also selbst wenn da was gewesen sein sollte: Jetzt müsste sie funktionieren!

Ich habe es nicht ausprobiert. Denn eigentlich sollte ich arbeiten, wenn ich das Taxi unterm Arsch habe. Ich hatte Karte und TAN dabei, falls ich zufällig dort in die Nähe kommen sollte, kam ich aber nicht. Außerdem beschlich mich die Befürchtung, dass wohl kaum am Wochenende jemand zu einer Station fahren würde, die offiziell funktioniert. Wir sind ja nur Kunden, was wissen wir schon?

Sonntag ist seit einiger Zeit der letzte Arbeitstag der Woche. Der letzte Tag mit Auto also. Und bis zum nächsten Donnerstag wäre das Paket nicht mehr da. Also bin ich nochmal dort vorbei gefahren, aber ich brauche wohl kaum erwähnen, dass mich die Packstation nach wie vor nur mit der (inzwischen wohl so zu nennenden) Lüge konfrontierte, sie wäre in ein paar Minuten wieder verfügbar. Na klasse!

Heute war dann Montag. Heute geschahen dann drei Dinge. Zum einen konnte Ozie keine Mail an die DHL schreiben, weil sie während des Absendeprozesses ausgeloggt wurde und der ellenlange Erklärungstext im digitalen Nirwana verschwand. Ohne Warnhinweise oder sonst irgendwelche allzu kundenfreundlichen Informationen. Zum anderen meldete die DHL selbständig wie eingangs erwähnt um 14 Uhr, dass die Station defekt ist und um 17 Uhr, dass der Fehler behoben sei. Und ich bin mir sicher, dass das so in die Statistik der Verfügbarkeiten und die Berechnungen der Down-Times der Packstationen in irgendeiner Unternehmensbilanz landen wird.

Wir hingegen werden heute Abend mit der S-Bahn nach Ahrensfelde fahren, um anschließend das Paket hierher zu schleifen.

Im Grunde ist es ja schön, dass man an den Packstationen rund um die Uhr, auch am Wochenende, sein Zeug abholen kann. Selbst wenn es mal ein paar Meter weg ist. Und Fehler passieren. Ist schon ok, ganz ehrlich.

Was ich nicht verstehe: Wozu stellt die DHL Programmierer ein, die sinnlose, ja im schlimmsten Fall irreführende, Screens anzeigen lassen? Wozu eine Hotline, wenn die Leute dort gar keine Ahnung haben?

Ich hab den Verdacht, dass das alles nur dem schönen Schein dienen soll, weil man sich nicht traut, Probleme auch mal ehrlich zu vermitteln. Diese Scheiße hat uns dann bald vier Stunden Zeit und einen ungewissen Geldbetrag gekostet. Aber schön, dass so eine defekte Packstation nach nur drei Stunden wieder repariert wird … -.-

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