Monthly Archives: Juli 2013

Medien, Rudeltiere und Schnappatmung

Medien sind Rudeltiere! Diesen Satz hab ich in den letzten Tagen oft erwähnt, und das nicht ohne Grund. Das Interview mit der Berliner Zeitung hat zum Beispiel trotz mehreren hunderttausend potenziellen Lesern kaum Spuren im Blog hinterlassen, gleich aber zeit.de mit auf den Plan gerufen, für die ich dann ja umgehend den „Proust-Fragebogen für Blogger“ ausgefüllt habe.

Noch schneller waren zwei Jungs vom Stern, da kam es aber erst in den Tagen danach zu einer Absprache, das Interview mit denen wird erst am Donnerstag, also morgen, stattfinden. Die haben mich allerdings vor mein größtes Problem bei solchen Anfragen gestellt: Restaurants. Journalisten treffen sich grundsätzlich Restaurants. Das finde ich eine gute Angewohnheit, schließlich bin ich essen und trinken ebenso wenig abgeneigt wie plaudern. Dumm nur: Wenn ich mich nicht mit Journalisten treffe, gehe ich nicht essen. Das schränkt meine Erfahrungen etwas ein.

Im Ernst: Restaurants besucht man einfach nicht alleine, und meinen Freundeskreis pflege ich in den meisten Fällen online. Ich hab überhaupt nix gegen gutes Essen, es ist mir bloß meist das Geld nicht wert. Und nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich weiß die gastronomische Dienstleistung sehr zu schätzen und hab einen Heidenrespekt vor beispielsweise Köchen in Restaurants. Was die für einen Scheißjob machen – Junge, Junge!

Aber Ozie und ich sind ganz gut im Kochen, wir bleiben gerne zu Hause, ich ziehe Unterwäsche als Bekleidung so ziemlich allem anderen vor und muss finanziell gesehen für ein mittelprächtiges Essen mindestens 2 bis 5 Stunden arbeiten. Sprich: So sehr ich gutes Essen zu schätzen weiß, so selten kommt mir das als Ganzes wirklich erstrebenswert vor.

Deswegen hab ich die Arschkarte, wenn die mir netterweise die Wahl eines Restaurants überlassen. Das ist lieb, keine Frage. Aber ich für meinen Teil kenne kaum welche, noch dazu hab ich keine Ahnung, was so im Normalfall unter den Herren Journalisten (waren bisher keine Frauen dabei!) üblich ist. Das hab ich jetzt nach vier Tagen überlegen dem Stern auch einfach geschrieben.

Auch sehr schön ist, dass eine Literaturagentur sich noch gemeldet hat. Nicht etwa schön, weil sich überhaupt eine gemeldet hat, sondern weil es mal eine gute Anfrage war. Ich schlittere in dieses Autoren-Verlags-Dingsbums-Geschäft ja auch nur langsam rein, da kommen am Anfang natürlich allerlei ziemlich fadenscheinige Mails. Ich kann echt nur allen raten, vorsichtig und nicht leichtsinnig zu sein. Wenn wir gute Blogs schreiben, dann ist das eine tolle Sache. Wenn „die alten Medien“ darauf aufmerksam werden, dann ist das natürlich auch eine tolle Sache. Aber um Himmels Willen bloß keine Schnappatmung mit mittelschwerem Anfall geistiger Umnachtung, bloß weil in irgendeiner Betreffzeile „Buch“ und/oder „Verlag steht! Da gibt es ebensoviele Schmierenkomödianten, Idioten und Abzocker wie online auch, machen wir uns nix vor. Und wenn der einzige Vorteil ein gedrucktes Buch ist, dann ist das nix. Es fasst sich toll an, aber ein Buch kann man auch bei Buchbindern und in jedem dritten Copyshop oder gar online irgendwo erstellen lassen. DAZU braucht’s keine Verlage, auch wenn sie das gerne hätten.

Die aktuelle Anfrage hat natürlich mit GNIT zu tun, sie fragen aber konkret danach an, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihnen zusammen ein Buchprojekt auf Basis meiner Taxigeschichten zu erarbeiten. Kein „Wir machen ihren Blog zum Buch“, „lassen Sie ihren Blog drucken“, nein. Eine konkrete Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, ein Konzept zu erarbeiten, das über einzelne Artikel hinausgeht. Das, was ein Buch ausmacht am Ende – eine Anfrage, die zumindest mal die Hoffnung zulässt, es arbeiten nicht nur Schwachmaten auf Beutefang dort.

Das praktische ist, dass ich sowas für demnächst sowieso geplant hatte, seit anderthalb Jahren ein angefangenes Manuskript mit unveröffentlichten Geschichten rumliegen hab, und mir das im Falle einer Übereinkunft tatsächlich eine angenehme Hilfe sein könnte, die ich gerne in Anspruch nehme. Wer weiß, vielleicht kommt es ja in absehbarer Zukunft zu einem Treffen. Ich hab Interesse bekundet, gleichzeitig aber auch klargemacht, dass sie nicht die einzigen oder auch nur ersten sind und das mit dem Taxibuch derzeit nicht oben auf meiner Prioritätenliste steht.
Das wirkt jetzt sicher wahnsinnig abgebrüht, aber da schlittert man rein und das kommt einfach, wenn man sich mal ernsthaft mit allerlei dubiosen Anfragen auseinandergesetzt hat und sich überlegen muss, wie man auf Anfragen als solche überhaupt reagiert.

Wenn Ihr Euch wie ich dem Schreiben ver… äh, -schrieben habt, dann könnt ihr jedenfalls sicher sein: Es wird immer irgendwie komisch und chaotisch werden. Das ändert sich wahrscheinlich nie. Selbst wenn man im Grunde Stufe um Stufe seinen persönlichen Berg erklimmt. Aber das, und das ist vielleicht das Geheimnis, ist eigentlich auch das witzige daran …

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Wie versprochen: Fotos

Nur 135 Bilder haben wir gestern gemacht, um immerhin 7 passable bis sehr gute Ergebnisse zu bekommen. Ob die Quote gut ist, kann ich natürlich gar nicht bewerten, das überlasse ich den Menschen mit ernsthafter Foto-Erfahrung. Aber gut, ich habe versprochen, Euch ein paar davon zu zeigen. Meine drei Lieblingsbilder wären folgende:

Ein Sash in freier Wildbahn. Quelle: Ozie

Ein Sash in freier Wildbahn. Quelle: Ozie

Meine Vorliebe für Schwarz-weiß-Bilder werde ich so schnell wohl nicht beiseite legen können. Das nächste Bild übererfüllt sogar noch das „Verträumter-Künstler-vor-Natur“-Klischee. Ich find’s trotzdem gut:

Noch ein Sash. Die sind wohl überall! Quelle: Ozie

Noch ein Sash. Die sind wohl überall! Quelle: Ozie

Bleibt noch das letzte Bild, das ich vor allem deswegen mag, weil es so hervorragend mein Temperament unterstreicht:

Noch einer! Quelle: Ozie

Noch einer! Quelle: Ozie

So. Bin gespannt auf Kommentare. 🙂

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Fotoshooting

Fotos sind ja so eine Sache. Ich bin reichlich im Internet unterwegs, inzwischen sogar gelegentlich mal in Print und Radio. Da bleiben die Fragen nach Fotos nicht aus. Im Gegensatz zu einigen anderen, die sich im Netz einen Namen zu machen versuchen, gibt es von mir nur wenige Fotos. Es gab früher mal eine ganze Menge, aber die WG-Page habe ich rechtzeitig bereinigt, bevor meine Blogs erfolgreich wurden. Und deswegen glaube ich auch, einen ziemlich genauen Überblick über die Fotos zu haben, die im Netz von mir kursieren. Ich müsste sie an zumindest einmal zwei Händen abzählen können.

Die Wahrheit ist: Ich mag mich auf Fotos nicht. Ist vermutlich ein Überbleibsel aller Übergewichtskomplexe, die sich irgendwann im Laufe meiner jungen Jahre so entwickelt haben. Angst davor, erkannt zu werden, hab ich nicht wirklich. Ich fordere meine Leser ja gerne mehr oder weniger heraus, mich zu finden. Und wenn sie das tun, dann bleibe ich ja auch stehen, wenn jemand eine Kamera zückt. ;)Und auch bei professionellen Fotografen bleibe ich ja zumindest äußerlich gelassen. Als ich neulich für die Illustration meines Interviews in der Berliner Zeitung Modell stand, sind sogar ein paar Bilder rausgekommen, die ich für gelungen halte. Ich selbst wäre zwar nie auf die Idee gekommen, eines davon auf eine drittel Zeitungsseite gestreckt zu drucken – aber ich bin ja schließlich nicht Layouter bei der Berliner Zeitung und muss im Nachhinein anerkennend zugeben, dass es gut aussieht.

Nun ja. Da Medien bekanntlich Rudeltiere sind, kam nach dem Interview gleich eine weitere Welle an Angeboten. Der Stern wollte was machen, hat sich aber nicht wieder gemeldet, eine TV-Produktionsfirma wollte mir Tine Wittler oder irgendjemand anders in die Wohnung schicken, das hatte sich in Rekordzeit ebenfalls erledigt. Ich hab viel zu lieb abgesagt. Wie ich halt bin.

Aber eine Anfrage kam auch von zeit.de, und die wollten ein Foto haben. Deswegen haben Ozie und ich das zum Anlass genommen, mal in die Natur auszurücken und ein paar Fotos zu machen. Also zumindest ist das so passiert. Eigentlich wollten wir losziehen und in unserem Assi-Stadtteil ein paar coole Bilder vor verratzten Fassaden und ähnlichem machen – was man halt so braucht, um cool zu sein.
Stattdessen haben wir tatsächlich festgestellt, dass es hier rund um unsere Wohnung kaum einen Platz gibt, wo nicht von irgendwoher süßliches Grün, schlimmstenfalls mit Blumen, in unsere postapokalyptische Suburbanität reinragt, die wir gerne einfangen wollten. Tatsächlich sind uns die einzigen Fotos mit durchweg grauem Hintergrund in der Tiefgaragen-Unterführung des Eastgates gelungen.

Und was soll ich sagen? Ein paar der Fotos sind echt schön geworden. Und das, obwohl sich unsere fotografische Ausrüstung ja nach wie vor auf eine nicht gerade teure Kamera beschränkt. Außerdem haben wir so mal wieder ein bisschen mehr von unserer Wohngegend gesehen und in gewisser Weise das schöne Wetter genossen. Ebenso haben wir herausgefunden, dass ich am besten zum lächeln gebracht werden kann, indem man mir erzählt, unsere Kanzlerin würde Probleme lösen. Sorry, true Story.

Nun sind wir fast am Ende des Textes und hier ist noch kein Bild zu sehen. Tja.

Die sind in der Tat noch nicht fertig. Ozie hat mir empfohlen, irgendwas von einer Dunkelkammer zu erzählen, aber die Ausrede hab ich ja spätestens verkackt, seit ich den Amazon-Link zu unserer Kamera gesetzt habe und dort recht schnell klar wird, dass es sich natürlich um eine digitale handelt. Nein, die Wahrheit ist, dass ich mich erst einmal ordentlich photoshoppen (bzw. gimpen) lassen muss, bevor ich die Bilder raushaue. Ihr wisst schon: Pickel wegretuschieren, schlanker machen, digitale Nasenverkleinerung und Entfernung überzähliger Gliedmaßen. Oder eben wenigstens mal Schwarz-weiß-Filter drüberlaufen lassen.

Ergebnisse gibt es also die Tage mal. Aber versprochen ist versprochen!
🙂

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„Gepanzerte Bullen“

Diesen Eintrag schreibe ich wegen einer kleinen Begebenheit, ja eigentlich nur wegen eines Tweets. Nachdem ich heute Morgen in einem Gespräch bei Twitter die Hausdurchsuchung angesprochen hab, ist der Text zum Thema wohl ein paar Mal gelesen worden. Ein paar und ein halbes Mal offenbar, denn es kam noch dieser Tweet von twilightDD:

Das hier schreibe ich jetzt, weil ich das einerseits natürlich schade finde, es auf der anderen Seite verstehen kann. Ich nehme an, jeder hat so Worte und Sätze, die einen mit den Augen rollen und glauben lassen, dass man es mit einem Idioten zu tun hat. Ich erwarte beispielsweise keine sinnvollen Beiträge auf „Weltnetzseiten“ oder fahre nach dem Lesen von Worten wie „ganzheitlich“ oder „feinstofflich“ allenfalls noch zur eigenen Belustigung fort.

Und dass „Bullen“ eine Beleidigung ist, die gerne von allerlei Hohlbirnen verwendet wird, steht außer Frage. Dazu das effekthascherische „gepanzert“, was sicher technisch nicht korrekt ist. Schon klar, dass man darauf anspringen kann.

Ich werde das aber nicht ändern. Und das hat Gründe.

Die beiden Polizeibeamten, die da im Flur standen, waren in diesem Moment nicht „Freunde und Helfer“, sie waren schlichtweg Gegner. Sie waren da, um die Drohkulisse aufrecht zu erhalten, die es ihren Kollegen in Zivil und Uniform ermöglicht hat, in meiner Unterwäsche und in meinem PC rumzuschnüffeln, um mir nachzuweisen, dass ich zu Unrecht Beweismaterial vor ihnen verstecke. Sie und ihre Kollegen haben sich lustig gemacht über mein Privatleben, meinen Lebensstil und darüber, dass uns eine scheißteure Waschmaschine am Verrecken war, die wir aus Geldmangel nicht hätten ersetzen können. Darüber hinaus waren sie bewaffnet und sind mir in meiner eigenen Wohnung im Weg gestanden. Ich gehe mit dem Wort Bullen auch in besagtem Text sparsam um, in dem Fall handelte es sich aber meiner Meinung nach einfach nur um ebensolche, auch wenn es weh tut.
Dem habe ich sprachlich Rechnung getragen.

Ich weiß um die Macht der Worte Bescheid, ich schreibe schließlich recht viel und ich lese auch viel. Ich hab auch so einiges erlebt. In dem Zusammenhang fällt mir komischerweise auch ein Polizeibeamter ein. Dem stand ich bei einer Demonstration irgendwie im Weg. Jetzt nicht blockademäßig, er wollte einfach irgendwo durch, wo ich zufällig stand. Seine freundliche Bitte lautete wortwörtlich:

„Beweg Dich, Du fettes Stück Scheiße!“

Ich glaube, ich hab noch ein paar „Bullen“ gut bei dem Verein …

PS: Ja, ich sehe mich weit links und ich war schon auf einigen Demos. Aber ich bin weder Terrorist, noch Straßenkämpfer oder ähnliches. Ich hab die Polizei nie bedroht, angegriffen oder verletzt. Einzig gelegentliche kollektive „Haut ab!“-Rufe könnten gegen mich sprechen. Ganz unbegründet waren die aber nicht.
Alle Cops, mit denen ich persönlich zu tun hatte oder habe, kennen mich entweder als netten Kerl oder wenigstens fairen Gegner. 😉
Was ich im Gegenzug alles an Beleidigungen, Angriffen und Körperverletzungen einfach einzustecken hatte, weil ich halt auf der falschen Seite stand …

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Geld

Geld ist ja so eine Sache. Es macht bekanntlich alleine nicht glücklich, wobei man diesen Spruch oft auch mal sagt, während man an das Geld anderer Leute und deren Umgang damit denkt.

Wie die geneigten Leser hier wissen, ist mein finanzieller Background immer recht begrenzt gewesen – und er wird es wahrscheinlich noch eine Weile sein. Ich bin mir nicht zu fein, Zahlen zu nennen, alleine: es ist sehr unstet. Ich vermute, im Monatsmittel lande ich bei irgendwas zwischen 1000 und 1500 € bei Fixkosten von derzeit rund 700 €. Das ist nicht viel, aber ich habe in den letzten zwei Jahren geschafft, ungefähr so viel zu verdienen, wie ich brauche. Die Kohle ist zwar am Ende immer alle, dafür kann ich vor mich hinleben, ohne im Supermarkt die Preise vergleichen zu müssen. Und das ist für mich der Bereich, wo Luxus anfängt: Wenn ich mir nicht ständig Sorgen machen muss, ob ich mir dieses oder jenes leisten kann. Sicher: Größere Neuanschaffungen stellen einen bei so einem Lebensstil auf eine Probe, glücklicherweise hab ich ja auch gelegentlich unerwartete Einkünfte oder bekomme gar Sachgeschenke. Klappt also.

Wie sehr das klappt und wie sehr man sich daran gewöhnt, ist mir jetzt bewusst geworden, da es das mal nicht mehr zu tun scheint. Das soll jetzt aber nicht als Betteleintrag verstanden werden, denn es steht gerade einfach das Erbe meiner im April verstorbenen Oma noch aus. Das sind ein paar Tausender und die bekomme ich auf jeden Fall. Aber gerade diese in Aussicht stehende Zahlung hat halt auch ein bisschen Schluderei Einzug halten lassen. Statt mal zur Abwechslung etwas mehr zu arbeiten oder sich beim Geldausgeben zusammenzureissen, war oft der Gedanke „Ach, wenn das Erbe dann kommt …“ im Weg.

Das ist – wie gesagt – gar nicht schlimm, weil es ja tatsächlich kommen wird. Ziemlich bald sogar. Aber momentan hab ich den Salat auf den Konten. Dies konnte nicht abgebucht werden, jenes auch nicht, und verfügbar ist kein Betrag, der auch nur für eine der Sachen reicht.

So hab ich früher dauernd gelebt, heute weiß ich nicht, wie ich das ausgehalten hab. Hier was verschieben, da was umbuchen, mal etwas Geld aus der Monatskasse als Vorschuss nehmen … geht ja alles bis zu einem gewissen Grad. Und mal ehrlich: Irgendwas eine Woche zu spät überweisen? Boah, tragisch!

Aber mir ist mal wieder bewusst geworden, wie sehr das an einem nagen kann. Sicher, nach Jahren an Übung arrangiert man sich damit, tatsächlich ist es ein enormer Stressfaktor, insbesondere wenn es einen mal plötzlich und überraschend trifft. Und das sage ich jetzt, dem Geld sonst so wurscht wie nur möglich ist, der eine Menge Möglichkeiten diesbezüglich hat und zumindest in den meisten Monaten zumindest gefühlt weit jenseits der Armutsgrenze lebt.
(Und zudem jetzt gerade auch selbst schuld ist und beim zweiten Nachdenken über die eigene Blödheit lachen kann)

Wisst Ihr, was?

Das ist ziemlich scheiße!

Ich halte Geld nicht per se für schlecht, eine bessere Alternative fällt mir auch nicht ein. Aber es ist schlecht, welchen gesellschaftlichen Stellenwert das hat. Das ist auch das Problem mit ALG2 und Konsorten: Ja, sicher, es reicht irgendwie zum Überleben. Das will ich nicht abstreiten und mir ist bewusst, dass wir es da in Deutschland recht gut haben. Und ich hab’s erst recht gut! Ich glaube, ich bin insgesamt wirklich zufriedener als der Durchschnitt hierzulande. Aber kein Geld über zu haben, belastet unnötig viel. Es ist den meisten Menschen peinlich, arm zu sein. Arm sein bedeutet fast überall automatisch ein Verlierer zu sein. Selbst mit meiner Kohle kriege ich mitleidige Blicke in der Bank. Deren dämlicher Finanzcheck stellt nämlich jedes Mal fest, dass ich meinen (natürlich statistisch ermittelten) Bedarf gar nicht decken kann. Aber klar, statistisch hab ich ein Auto, das mich 300 € im Monat kostet. Und ich hab natürlich nur keines, weil ich es mir nicht leisten kann. Dass ich mit meiner Verkehrsanbindung gar nicht einsehe, 300 € mehr zu verdienen, nur um mir ein Auto anzuschaffen, das steht halt in keinem Plan. Überhaupt ist sich die Welt da draußen einig, dass man bei allem, was man tut, das Maximum rausholen muss. Ist schließlich Geld, und Geld ist wichtig!

Für 300 € mehr müsste ich rund 5 bis 6 Tage mehr Taxi fahren im Monat. Das sind 5 bis 6 Tage, in denen ich das besagte Auto wieder nicht ernsthaft nutzen könnte. Die Rechnung geht nicht auf für mich, sorry.

Ich hab natürlich im Umkehrschluss auch wenig Geld, um es den bedürftigeren Menschen zukommen zu lassen. Da bleibt es dann halt bei Kleinigkeiten. Dem Obdachlosen 2 € statt 50 Cent geben oder zwei Kippen statt einer. Dem arbeitslosen Kumpel sagen, dass er jetzt gefälligst mitkommt in die Kneipe und ich seine drei oder vier Bier ohne weiteres zahlen kann. Vor allem aber klarstellen, dass es keine Schande ist, kein Geld zu haben. Sowas kommt vor, ob unverschuldet oder nicht. Einen ganz großen Anteil an den Problemen der Armen tragen die, die nicht arm sind. Und zu denen will ich sicher nicht gehören.

Die wohl weisesten (weil mit Humor vermittelten) Gedanken zum Thema tauchen meiner Meinung nach übrigens bei Douglas Adams‘ bekanntestem Buch, Per Anhalter durch die Galaxis*, bereits auf Seite 1 auf:

„Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem: die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.“

Das sollte man öfter mal bedenken.

*ein Amazon-Link, ich brauch Geld. 😉

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Merkel, PRISM und co.

Dass ich jetzt nicht gerade ein sonderlich begeisterter Fan der CDU bin, wissen alle hier. Das ist keine persönliche Geschichte, aber was die Merkel da gerade abliefert, ist doch Bullshit!

Viele verstehen nicht, wie man an Angela Merkel etwas auszusetzen hat. Die ist ja immer nett und selbst an einer besonnenen Handlungsweise gibt es ja wenig auszusetzen. Das Schlimme ist meines Erachtens nach, wie sehr diese scheinbare Besonnenheit aalglatter Ignoranz Vorschub leistet. Der von mir sehr geschätzte Medienjournalist Stefan Niggemeier hat in einem aktuellen Blogeintrag einmal ein aktuelles Interview auseinandergenommen.

Und das Ergebnis ist erbärmlich. Ja, erbärmlich.

Ich gestehe Merkel eine eigene Meinung zu und man kann es sogar positiv bewerten, wenn sie diese nicht andauernd in die Tagespolitik einbringt. Muss man nicht, kann man aber.

In Anbetracht der aktuellen Vorkommnisse könnte sie sich aber ebenso gut über das Grundgesetz hocken und draufkacken. PRISM, Tempora, all die Scheiße, die Edward Snowden jetzt ans Licht der Öffentlichkeit befördert hat, ist unter Umständen nicht mehr als der Abgesang auf unsere gesamte westliche Kultur. Rechtsstaatliche Prinzipien wie die Unschuldsvermutung und die Privatsphäre werden mit Füßen getreten, das Vorgehen der (sicher nicht nur ausländischen) Geheimdienste ist vielleicht nicht unerwartet gekommen, in bestätigter Variante jedoch jeden Hitler-Vergleich wert. Mit der grenzenlosen Überwachung des Internets werden nicht nur Gesetze gebrochen, sondern auch Werte in die Tonne gekloppt, mit denen wir bislang Kriege gerechtfertigt haben. Die Sache ist so groß und so unfassbar, dass eine Bundeskanzlerin hier nicht im Entferntesten die Wahl hat, sich aus der Geschichte davonzustehlen.

Tut sie aber. Und das macht einen fertig.

Ich habe in Niggemeiers Text vielleicht ein wenig mehr gelesen als der Durchschnittsinteressierte. Ich hab die Fassungslosigkeit registriert, die Ohnmacht, dieses nicht in Worte zu fassende WTF-Feeling. Und ich kenne das. Sehr gut sogar.

Es ist nämlich genau das Gefühl, das bei mir hervorkommt, wenn es um Gewaltanwendung geht.
Ich mag Gewalt nicht, ich verabscheue sie. Vollkommen und absolut. Und ich bin sicher, dass, würden nur Menschen wie ich existieren, Gewalt obsolet wäre. Obwohl ich tief im Innern Choleriker bin.

ABER: Ich weiß, wie es ist, ohnmächtig zu sein! Ich habe in meinem Leben viele Leute kennengelernt, die Steine und Molotow-Cocktails geworfen haben. Menschen wie ich. Liebenswerte Menschen, gute Freunde, nette Babysitter, geduldsame Partner in Beziehungen, alles erdenklich liebe, was man sich vorstellen kann.
Aber hier und da – und bei manchen auch dauerhaft – kam das Gefühl auf, mit aller Vernunft nichts mehr erreichen zu können, sich nur noch so verteidigen oder ausdrücken zu können.

Das ist nicht schön. Für keinen der Beteiligten. Und es ist so erbärmlich unzureichend, dahinter nur persönliche Probleme oder Gewaltgeilheit zu sehen. (was nicht ausschließt, dass das in Einzelfällen zutrifft)

Ich fühle das gerade auch. Aber ich kann mich zurückhalten, ich bin dann eben doch mit mehr Gelassenheit gesegnet als viele andere. Dennoch lasse ich mich denen zurechnen, die bei der RAF damals als „klammheimliche Unterstützer“ bekannt geworden sind. Mit dem Unterschied, dass es heute nicht mehr klammheimlich ist.

  1. Weil ich es blogge
  2. Weil es ohnehin gespeichert wird

Wäre ich naiv genug zu glauben, dass man dieses Problem mit einer Bombe lösen könnte, dann würde ich sie legen. Nicht obwohl, sondern weil ich ein sozialer und denkender Mensch bin.

PS: Ausgerechnet heute hat sich Merkel dann natürlich zu Wort gemeldet und umfassende Aufklärung gefordert. Jede Wette, dass sie sich da voll reinhängt jetzt … 😉

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Und das mir …

Eine gewisse Neugier bei technischen Dingen bringe ich ja mit. Ganz sicher. Aber heute auch nicht mehr überall. Selbst Computer können mal anfangen, zu nerven. Sicher baue ich mir meine Grafikkarten selbst ein und lasse Betriebssysteme nicht vorinstallieren, wenn es sich nicht aus irgendwelchen Gründen anbietet. Da bin ich doch eigentlich versiert und interessiert genug.

Dachte ich.

Denn was bei PCs nach wie vor zutrifft, sieht bei meinem Handy schon wieder ganz anders aus. Ich bin mit den Dingern nie so richtig warm geworden, denn als sie noch kein Internet hatten, waren sie für mich entsetzlich langweilig und ich habe sie nie benutzt. Mein allererstes Handy hab ich mir erst zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm besorgt, weil es ein wenig fahrlässig gewesen wäre, den Cops mit ihren Funkgeräten einen Vorteil zu verschaffen. Danach hab ich es erst wieder aus der Schublade geholt, als ich mit Taxifahren angefangen hab. Und von da an ging es schnell Richtung Smartphone.

Aber im Gegensatz zu Computern, die ich halbwegs fachgerecht zerlegen kann, waren auch die neuen Handys für mich eher Spielzeuge, nicht die lustigen erforschenswerten Teile, die ich anno 2000 in meinen Maxi-Tower geschraubt habe. Folglich war ich jetzt ein wenig aufgeschmissen, als mein wunderbares Telefon nicht mehr das gemacht hat, was es sollte. Und im Laufe der Woche wäre ich schon zufrieden gewesen, wenn es wenigstens gebootet hätte.

Zwei oder drei Packstationssendungen werde ich wohl verpasst haben, weil deren blöde Mobile-TAN auf’s Handy gegangen wäre, aber keines der hier anwesenden Geräte meine SIM-Karte angenommen hat. Also zumindest nicht mit meinen Fertigkeiten – und ja, eine Karte einlegen kann ich gerade so noch … 😉

Nein, mein Handy hat sich standhaft gewehrt. Es hat den Bootvorgang kontinuierlich verwehrt und – was noch viel schlimmer war – das ließ sich nicht einmal lösen, indem ich einfach das Betriebssystem neu aufgesetzt habe. Zu Win98-Zeiten hab ich das noch monatlich gemacht – schon damit die Registry schön schlank bleibt. Inzwischen bin ich zwar vielleicht noch nicht ganz DAU, aber doch nur Nutzer der Geräte. Und was hat mich das gefuchst, dass bei diesen Scheiß-Handys formatieren nicht bedeutet, alles runter zu haben, was stört.

Da mein Telefon standardmäßig eine unsinnig veraltete Android-Version mit sich bringt, wenn man es z.B. bei Amazon kauft, war es bereits im Vorfeld von den netten Leuten gerootet und mit einem echt empfehlenswerten Cyanogenmod-ROM ausgestattet. Die schwierigste Arbeit war mir damit tatsächlich abgenommen worden, aber jetzt, da es Probleme machte, mussten ich und Ozie uns erst einmal reinfuchsen in die ganze Materie. Custom-ROMs, Rooting, Flashing und all die CWMs und stable Versions, die einem da auf dem Weg begegnen. Das ist das selbe wie mit den Internet-Bauern: Da kann einem niemand mal eben in einer halben Stunde erklären, wie das alles geht …

Folglich waren es auch eher so rund 20 Stunden Arbeit. Alleine für mich. Die Zahl der neu aufgesetzten Betriebssysteme in meinem Leben hat sich während der Zeit locker verdoppelt. Und ich hab gelernt, viel gelernt. Dennoch hätte ich es mal wieder nicht geschafft ohne die Hartnäckigkeit von Ozie. Und eben den Leuten, denen ich das Handy zu verdanken habe!
Ein äußerst geduldiger Mensch hat seinen Feierabend damit eingeleitet, mir am (Festnetz-)Telefon haarklein irgendwelche simplen Konsolen-Befehle zu buchstabieren, die ich, ganz ehrlich, längst selbst beherrschen hätte sollen. Aber nicht einmal das brachte etwas. Eine komplette Nacht Schlaf ausgelassen, saß ich immer wieder an Rechner und Handy und hab mit der Zeit die Hoffnung fast aufgegeben, das Teil nicht aus der Hand geben zu müssen. Was sollte ich nur heute Abend während der Arbeit tun!?

Dass ich nach locker 36 Stunden Wachphase jetzt noch lustig daherblogge, ist unter anderem auch der Verdienst eines Typen, den ich erst einmal für bekloppt hielt. In einem Forum im Netz schrieb er ein Posting zum Thema und sein Lösungsvorschlag hatte ganz offensichtlich nicht im Ansatz mit dem eigentlichen Problem zu tun. Aber er schrieb, es würde funktionieren. Und immerhin sah sein Problem am Ende eines langen Leidenswegs ähnlich aus wie meines. Ausprobiert haben wir es am Ende nur, weil es eigentlich auch nur noch um einen Download, ein ROM-Flash und um ein bisschen Dateienschubsen ging – alles Dinge, die wir hundertfach hinter uns hatten und auf die es am Ende einfach nicht mehr ankam.

Und siehe da …

Nein, so ganz klar ist mir immer noch nicht, wie das geklappt hat. Eine grobe, mehr philosophische als wissenschaftliche Erklärung mal außen vor gelassen. Aber es zeigt, dass es sich lohnt, am Ball zu bleiben. Vielleicht schaffe ich das hier und da ja auch mal wieder ein bisschen mehr.

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