Monthly Archives: März 2013

RSS-Gedöns

Es ist nun schon ein paar Tage her., dass Google verkündet hat, den Reader einzustellen. Eine Entscheidung, bei der ich mich immer noch frage, was der Grund dafür war. Klar, kein Profit, meinetwegen. Andererseits hat Google auch nicht wirklich versucht, dort mit Werbung Profit zu generieren. Eine vorschnelle Für-tot-Erklärung von Feeds? Ehrlich? Ich hab die Tage irgendwo gelesen, dass es immerhin 100 Millionen Nutzer gegeben haben soll – das wären dann 10% von dem, was Facebook hat. Wenn an der Zahl was dran ist, dann müsste das Einstellen des Dienstes ungefähr die größte Kapitulation der Wirtschaftsgeschichte sein.

Aber egal. Wie man an meinen Kontoauszügen schwer ablesen kann, bin ich nicht Google. Irgendeinen Grund werden sie dafür schon haben. Für mich und eine Menge andere Leute ist damit die Frage nach einem brauchbaren Nachfolger aufgeworfen worden. So ein Feed-Reader ist eine verdammt praktische Sache, erlauben diese Dienste es doch, über alles auf dem Laufenden gehalten zu werden, was einem in den Sinn kommt. Allem voran Blogs, aber natürlich auch den Nachrichten und im Falle von Google sogar themenspezifischen Informationen.

Inzwischen ist das Netz voll mit tollen Vorschlägen zu Alternativen. Das Problem ist nur: ich finde keine.

Abgesehen davon, dass ich natürlich ein Gewohnheitstier bin, scheint unter den bekannten Diensten auch einfach nix so super zu sein. Man mag Google ja hassen, aber wie in so vielen Punkten hatten sie es auch mit dem Reader einfach raus. Die meistgenannte Alternative Feedly hab ich jetzt eine Weile lang getestet. Ergebnis: Fucking fancy Bullshit!
Ja, Wahnsinn: Feedly bietet ja so viel mehr als der Reader – alleine das, was die eigentliche Stärke desselben war, kann es nicht: übersichtlich, chronologisch sortiert und ohne dabei an übertriebener Optik bei schmaler Bandbreite einzuknicken Informationen vermitteln. Feedly mag toll sein für designverliebte Leute, die sich gerne Favoriten anlegen, Übersichtsseiten mögen und sich Rosinen aus den Feeds zu picken – ich möchte einfach nur schnell und ohne Firefox-Absturz durch die Texte scrollen können, ohne das dabei irgendwas ausgespart wird. Und hey, bitte: ganz so altmodisch ist das nun auch nicht! Viele Leute nutzen noch nicht einmal überhaupt einen Reader und im digitalen Entwicklungsland Deutschland bin ich mit DSL 2000 (leider) auch keine Randgruppe.

Momentan bin ich dabei, the old reader zu testen, ein Projekt von Leuten, denen schon das letzten Google-Reader-update zu futuristisch war. Nicht unbedingt toll, sich einer Gruppe rückständiger Typen anzuschließen. Unter all den eingesehenen Möglichkeiten leider derzeit meine erste Wahl, denn Darstellung und Bedienbarkeit sind immerhin vertraut.  Leider kriegt man es dort dank dem nunmehr unglaublichen Ansturm durch die Kapitulation des Marktführers nicht hin, die Feeds halbwegs zeitnah auszuliefern. Verdammte Axt!

Der vermutlich naheliegendste Kandidat wäre ansonsten Newsblur, die bieten aber keine vollumfänglichen Gratisaccounts. Ich wäre ja sogar bereit, nach einem Test die paar Dollar für den Dienst zu berappen – will aber weder erst einmal auf News verzichten (bis zu 64 Feeds kann man probeweise umsonst abonnieren), noch völlig unbesehen und ungetestet für etwas zahlen, das andere theoretisch kostenlos anbieten.

Bei Google hab ich mit meinen Daten bezahlt, das ist inzwischen wohl eine gängige Währung im Internet. Und für mich als Post-Privacy-Menschen ein fairer Deal. Gegen (angemessen dosierte) Werbung im Reader hab ich also nix, ehrlich. Gibt es da draußen keinen, dem das reicht?

Ich kann kaum noch aufzählen, was ich in den letzten Tagen alles an Readern angesehen habe. Aber ich wäre froh um einen Tipp von euch. Meine Prioritäten kennt ihr jetzt. Schnell, nicht unnötig fancy und am Besten einfach wäre super. Scheiß auf Vorschaubildchen und blöden App-Kachel-Look! Und bei Desktop-Lösungen hab ich die Einschränkung, dass ich Linux (Ubuntu) nutze. Ideen? Anyone?

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Blog vs. Facebook

Von vorgestern bis gestern schwappte die Nachricht durchs Netz, dass sich der Radiomoderator Domian darüber geärgert hat, dass Facebook einen Beitrag von ihm gelöscht hat. Das ganze hat in den Social Networks und natürlich in Blogs einen gewissen Anklang gefunden, schließlich konnte man sich mal wieder übers böse große Facebook aufregen.

Das sicher nicht ganz zu Unrecht, denn es ist natürlich etwas krude, dass Facebook irgendwelche Inhalte löscht. Das Schwierige daran ist aber gar nicht in erster Linie, dass Facebook damit irgendeine Art von „Zensur“ ausübt – ein Wort, das im Internet im Übrigen fast jedem irgendwann zum Hals raushängt, weil es viel zu inflationär für ganz andere Sachverhalte verwendet wird.

Es ist genauso wenig Zensur von Facebook, wenn es einen kirchenkritischen Beitrag von Domian löscht, wie wenn mich hier irgendwelcher Nazikommentare entledige. Das ist gewissermaßen eine Form von Hausrecht. Zensur ist es, wenn man keinen Naziblog mit kirchenkritischen Inhalten schreiben darf und das von staatlicher Seite aus unterbunden wird. Und abgesehen vom durchaus streitbaren §86 a des StGB deutet darauf nicht wirklich was hin.

Ich hab bei meinem Blick auf einen Text von Sascha Lobo letztes Jahr das Thema kurz gestreift, dass viele Inhalte im Netz weg von den eigenen Blogs zu Social Networks wandern. Das habe ich für wichtige Dinge zwar eher verneint, allerdings kaum Gedanken denen gewidmet, bei denen das gang und gäbe ist. Wie offenbar bei Domian.

Der ärgert sich jetzt natürlich, dass er ein bisschen auf die Pauke gehauen hat und all das im digitalen Orkus verschwunden ist. Das gönne ich niemandem, aber ich halte es definitiv mehr mit Florian Freistetter, der in einem wirklich lesenswerten Artikel gestern eine einfache Lösung aufgezeigt hat:

Wenn ihr der Welt etwas sagen wollt, sagt es in eurem Blog! Und nicht bei Facebook

Auch wenn es uns nicht passt und Facebook das gerne hinter ein paar netten Worten versteckt: Schreiben wir etwas auf Facebook, schreiben wir etwas für Facebook. Klar, es teilt sich toll, man informiert seine Freunde, Likes kriegt man schneller als Kommentare und außerdem isses ja auch total hip, das gleich voll social und so zu haben.
Gleichzeitig liefert man Facebook aber auch einfach den Content, den es braucht um wichtig zu sein. Genau genommen ist die Tatsache, dass wir was auf Facebook posten das Geschäftsmodell dieses Unternehmens. Das ist auch nichts per se verwerfliches, im Gegenzug kriegen wir ja eine ausgefeilte Software, um mit Freunden und Feinden in Kontakt zu treten und unsere Meinung zu verbreiten. Und das ist im großen und ganzen ein guter Deal. Deswegen funktioniert Facebook so gut, deswegen haben sie rund eine Milliarde Nutzer. Auf der anderen Seite hat Facebook aber halt auch das Recht, uns rauszuschmeißen, wenn wir im geschäftlichen Sinne unbequem werden …

Was im Übrigen – wenn man ein paar Schritte weiterdenkt – ähnlich auch ist, wenn man bei blogger.com oder wordpress.com bloggt. Da sind die Grenzen natürlich noch mal ganz andere und wesentlich weiter zu Gunsten der Schreiber verschoben, im Prinzip ist es aber das Gleiche.

So gesehen wäre auch mein Rat: Selber bloggen. Teilen kann man die Einträge nachher ja gerne überall. Und das ist toll und ich bin froh, dass es Facebook, Twitter und co. gibt. Ich würde mich da allerdings lieber nicht so abhängig machen. Und ich würd’s schon dreimal nicht tun, wenn ich eine Reputation wie Domian hätte, der nun ja mit einem eigenen Blog echt nicht bei Null anfangen müsste …

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Urlaubspläne

Wisst ihr, manchmal bin ich zu ehrlich. Ich hatte mir überlegt, einfach zu schreiben, dass Ozie und ich nächsten Monat über ein verlängertes Wochenende in den Urlaub fahren. Das witzige daran sind im Grunde gar nicht die Urlaubspläne an sich, sondern die Tatsache, dass unser Beziehungsstatus ungefähr 100% der Leser glauben machen würde, das würde ein romantisches Wochenende werden.

Dabei könnte kaum was weiter entfernt sein. Denn ich fahre in die Berge, Ozie ans Meer. Und das nicht einmal am gleichen Wochenende. 🙂

Insgeheim habe ich ja den Wunsch, mal so bekannt zu werden, dass wir die Boulevardpresse mit sowas ärgern können. Jede zweite Meldung würde die Überschrift „Jetzt doch die Scheidung?“ tragen, die andere Hälfte würde wohl „überraschende Fotos“ beinhalten, die uns wieder zusammen zeigen. Würde das nicht auch mit ziemlich nervigen Dingen einhergehen, könnte ich mir glatt überlegen, ob ich auf meine alten Tage noch It-Girl werde.

Und naja, wenigstens Party ist ja dann nächsten Monat angesagt. Einer meiner Ex-Mitbewohner wird auch endlich 30 und es ist schon komisch genug, ihn zwischen meiner Hochzeit und seinem runden Geburtstag nicht gesehen zu haben. Das klingt schon sehr nach Frührentner-Rhythmus. Auf der anderen Seite ist wohl noch nicht alles zu spät, wenn man mal eben über 700 km Anreise für ein Party-Wochenende in Kauf nimmt … 😉

Nebenbei hake ich noch Bröderlingssehen und Bahnfahrtromantik für dieses Jahr ab, eigentlich kann nichts mehr schief gehen.

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Schneevögel(n)

Manchmal entdeckt man Spuren der uns umgebenden Fauna, wo man sie am wenigsten erwartet. Vor dem eigenen Fenster etwa, auf einem Vordach. Wenn es – wie in den letzten Tagen – geschneit hat zum Beispiel. Man findet dabei aber auch seltsames. Das hier zum Beispiel:

The Power of Love? Quelle: Sash

Also ich habe meinen Verdacht, was die Entstehung angeht, ganz jugendfrei ist er halt nicht. Aber was soll man machen? Auf diesem Vordach hinterlassen ja auch Menschen die seltsamsten Spuren

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Wo kämen wir hin …

…wenn man mit ein bisschen Menschenverstand ein günstiges Bahnticket erwerben könnte?

DB-Bashing ist natürlich einfach. Als Kunde hat man ja immer was zu meckern und bei Massenanbietern wie der Bahn passiert natürlich auch viel. Aber es ist eben auch so, dass sich vieles erklären lässt und man als Laie gerne mal zu hohe Maßstäbe ansetzt. Wenn wir ehrlich sind, dann sind beispielsweise 15 Minuten Verspätung auf eine Fahrtstrecke von 600 Kilometern ein Witz. Jeder Autofahrer würde sicherheitshalber eine Stunde einplanen.

Aber abseits vom allgemeinen Betriebsablauf wäre es doch schön, wenigstens ein bisschen Logik vorzufinden.

Ich habe gerade ein Ticket gekauft. Genau genommen sogar zwei. Ich will ja nicht auswandern, sondern nur zu einer Party fahren. Auch wenn das sicher nicht gesund wird, muss man ja nicht vom Schlimmsten ausgehen.

Mir war klar, dass es mit günstigen Tickets nicht allzu leicht werden würde. Schließlich ist der Termin schon in anderthalb Monaten und zudem geht es über die deutsche Grenze hinaus – mal davon ausgehend, dass das mit der Annektion Österreichs im letzten Jahrhundert eine Ausnahme war. Ansonsten ein einfacher Sachverhalt: Freitags irgendwann Hinfahrt, Sonntags spät eine Rückfahrt.

Also mal checken.

Zunächst: Alles prima. Gibt noch Tickets für 59 € für die Hinfahrt. Sogar mehrere Verbindungen. Ein paar besonders attraktive Angebote lasse ich links liegen, weil die Bahn die Tickets zwar verkauft, allerdings mit dem Hinweis, dass ein Zug ausfällt. Nach so viel Abenteuer ist mir dann doch nicht. Die Rückfahrt wird teurer, kein Europa-Spezial-Österreich mehr verfügbar. Na gut. Also schauen wir doch mal auf der ESÖ-Unterseite direkt nach. Da gibt es noch welche. Warum auch immer. Die bereits ausgewähle Hinfahrt wäre ja auch … ach egal!
Also schnell die Rückfahrt dazugebucht. Geht nicht. Wieso das denn jetzt?
Ach, na klar! Die Hinfahrt war ein Sonderangebot für die erste Klasse, die Rückfahrt jedoch zweite. Kann man natürlich nicht kombinieren. Ist ja logisch. Glücklicherweise ist das ESÖ ja kein Super-Sparpreis, also lässt sich das umgehen, wenn man Hin- und Rückfahrt getrennt bucht. Gut, dann muss man halt zweimal seine Daten eingeben – vermutlich kriege ich demnächst also zwei Werbeanrufe von der Firma, an die die Bahn die Adressdaten voraussichtlich vertickt. Wo kämen wir auch hin, wenn man einfach ohne Privatadresse eine Fahrkarte kaufen könnte?

Und belohnt wird das Ganze dann dadurch, dass man sich ganz toll fühlen kann, weil man nicht den „Normalpreis“ bezahlt und somit in meinem Fall 215 € „spart“. Vor einem Monat hätte ich sogar 255 € „sparen“ können, wow!

Nix gegen Frühbucher-Rabatte, aber die Perversion des DB-Tarifs ist echt kaum noch zu überbieten. Ich zahle jetzt 118 € für Hin- und Rückfahrt. Von Berlin bis nach Österreich. Ein Preis, den die Fahrt locker wert ist. 150 € würde ich auch für angemessen halten. Es sind immerhin runde 1500 km Fahrtstrecke. Kein Wunder, dass niemand den Wert dieser Dienstleistung zu schätzen weiß, wenn man für dieselbe Leistung je nach Mondstand beim Datum der Buchung zwischen 78 und 333 € zahlt. Mit Bahncard kommt man wahrscheinlich bis auf 50 € runter. Wenn – ja, wenn! – man zwischen zig Angebotsseiten hin- und herhoppt, dieses mit jenem kombiniert, entkoppelt, vergleicht und zwischendrin den Verstand einfach ausschaltet.

Ich würde mir echt die Kohle wünschen, den Scheiß nicht mitmachen zu müssen.

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Wie das so ist mit dem eBook

Ich bin in den letzten Wochen hier nicht so recht zum Schreiben gekommen. Das hat zwar viel mehr mit der Arbeit im Taxi zu tun als mit dem eBook, aber zum Taxifahren schreibe ich ja schon einen eigenen Blog … 😉

Wie ist es also, jetzt seit ein paar Wochen ein eigenes Buch draußen zu haben?

Gleich vorweg: Geil!

Es ist ein schönes Gefühl, ein Buch veröffentlicht zu haben und ich verwehre mich auch dagegen, das nicht ernst zu nehmen, weil es „nur“ ein selbst verlegtes eBook ist. Ich mag Papierbücher auch sehr, hab noch nicht mal selbst einen eBook-Reader – aber mein „Papa, ich geh zum Zirkus!“ ist genau da wo es ist, richtig! Ein Buch mit rund 100 Seiten zu drucken lohnt nicht und kein Verlag hätte auch nur annähernd einen vernünftigen Preis für das Buch realisieren können. Und das natürlich, weil ich große Teile der eigentlichen Arbeit eines Verlags mit Ozie zusammen selbst übernommen habe – das ist mir schon klar und wirklich kein blödes Rumgehacke auf Verlagen. So sehr sie es sonst wegen LSR und co. aktuell verdient hätten.

Wie fühlt man sich so als Autor?

Nicht anders als vorher, aber das liegt bei mir auch daran, dass ich das mit dem Schreiben nun schon lange mehr oder weniger bewusst als Arbeit sehe. Sehr schöne Arbeit, aber Arbeit. So gesehen war das mit dem Buch kein in dem Sinne großer Sprung, es war halt ein aufwändigerer Text, das Schreiben selbst lief neben meinen Blogs einfach als fortlaufendes Projekt. Das ist im Übrigen mit dem nachfolgenden Buch nicht anders – ich habe natürlich längst damit angefangen, genau genommen schon vor der Veröffentlichung des ersten.

Lohnt sich der Spaß?

Ich kann da bislang ganz klar sagen: Nein, finanziell (noch) nicht. Ich werde für den Februar zwar in zwei Monaten rund 400 € Tantiemen von Amazon bekommen und das ist eine schöne Stange Geld. Aber natürlich ist jetzt der große Boom erst einmal vorbei, die interessierten Blogleser haben zugeschlagen, nun folgen eher noch vereinzelte Käufe, hoffentlich auch langfristig. Meine Hoffnung ist, dass es immer mal wieder (wenn mein Blog prominent verlinkt wird, wenn ich das zweite Buch veröffentliche usw.) ein paar Exemplare mehr werden, so dass es sich irgendwann einmal tatsächlich gelohnt haben wird. Als groben Wert für diesen Punkt hab ich 1000 verkaufte Exemplare im Kopf, das könnte aber durchaus noch Jahre dauern.

Was ist dann so toll daran?

Das Schöne ist, mal was anderes gemacht zu haben. Sagen zu können:

„Ja, ich hab ein Buch geschrieben!“

Blogs und Bücher sind wirklich zwei Welten und es ist einfach ein Unterschied, ob man zehn nette Kommentare unter einem Artikel stehen hat oder ob 10 Leute eine Amazon-Rezension schreiben. Darüber hinaus werden Bücher auch ernster genommen – aus Gründen. Und das sage ich als überzeugter Blogger keineswegs, um auf Blogs rumzuhacken. Auch wenn ich z.B. keinen Verlag finden musste, so steckt in dem Buch doch weit mehr Arbeit, als man es rein vom Umfang erahnen kann. Pi mal Daumen ein kompletter Arbeitsmonat von Ozie und mir, dazu noch ein sehr gewissenhaftes Lektorat – was uns glücklicherweise innerhalb der Familie zu finden vergönnt war. Gerade bei unterhaltsamen Texten, deren Hauptaufgabe nicht unbedingt in der Recherche liegt, ist es wohl doch eher so, dass eine ewig redigierte und kontrollierte Arbeit wie ein Buch erst zeigt, was alles möglich ist. Auch – da liegt einer der größten Clous drin – wenn ihn mehrere Leute in den Fingern hatten. Blogeinträge sind auf der anderen Seite perfekt, weil sie schneller, persönlicher, direkter sein können. Vergleiche erübrigen sich, aber es erklärt vielleicht ganz gut, weswegen ein Buch auch für mich als Autor ewig ein ganz anderer Anreiz ist als Bloggen.

Was lernt man daraus?

Zum einen, dass es mühselig ist mit dem Schreiben. Muss man nicht überraschend finden, ist es aber durchaus – gerade, wenn man wie ich sowieso täglich schreibt und auch der Meinung ist, das mache man gar nicht schlecht. Die Überarbeitung von Texten ist viel stressiger als das Schreiben selbst, dafür haut es einen dann auch echt aus den Socken, wenn in einer Rezension geschrieben wird, dass das Buch die Blogs noch einmal um Längen übertrifft. Man verliert als Schreiber selbst – gerade, wenn man sich lange mit einem einzelnen Text befasst – schnell den Überblick, ob diese oder jene Verbesserung jetzt auch wirklich ankommt, ob das überhaupt noch jemand merkt. Aber ja, ich hab keine kaplanesken Bewertungen gekriegt, sondern verdammt gute:

Rezension bei Opa Hans

Rezension bei Jo

Rezension bei Jörn Schaar

Rezension bei Dr. Bahnfahrer

Von den vielen lieben Worten bei Amazon direkt mal ganz zu schweigen …

Im Übrigen ist mir nicht entgangen, dass einstimmiger Tenor war, das Buch wäre zu kurz. Ich lese in gewissem Maße zwar durchaus auch raus, dass das ein positives qualitatives Feedback war (gute Bücher sind ja immer zu kurz!), aber mir ist ja auch bekannt, dass knapp 100 Seiten nur ein Anfang sind. Das nächste wird länger – so viel kann ich wohl versprechen. 🙂

Wobei ich durchaus auch noch etwas kürzere Sachen in Zukunft plane …

Fazit?

Ich würde sagen: Jeder, der gern schreibt, sollte es mal versuchen. Aber richtig. Nicht einfach den Blog nachträglich als Buch binden lassen. Das kann auch toll sein – und ist bei entsprechendem Talent auch sicher gut und recht einfach verdientes Geld. Ich bin mir sicher, dass ein „Best of GNIT“ wirtschaftlich auf Dauer ein größerer Erfolg wäre, aber der Reiz lag zumindest für mich in was neuem und diese Erfahrung ist echt das Beste. Nur auf’s Geld zu schielen rate ich wie beim Bloggen niemandem. Da wird man sonst enttäuscht.

Aber genau das – enttäuscht – bin ich derzeit nicht. Nein, ganz und gar nicht. Denn ich hab ein verdammtes Buch geschrieben! 🙂

Und ich freue mich nach wie vor über jeden einzelnen Verkauf von Papa, ich geh zum Zirkus!, is ja klar …

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