Monthly Archives: Oktober 2012

Scheiß Piraten!?

Ich habe sehr großen Respekt vor der Piratenpartei. Das muss ich einfach mal wieder – und zwar jetzt mehr denn je – erwähnen.

Gerade dass sie so vielen Angriffen von allen Seiten ausgesetzt sind, amüsiert mich eher. Ich würde nie behaupten, dass ich restlos alles toll finden würde, was in den Reihen der Piraten so passiert – viel bedenklicher finde ich jedoch, dass man viel von der hochgewirbelten Scheiße in anderen Parteien gar nicht erst mitkriegt. Da poltert in irgendeiner Piraten-Ortsgruppe ein neu beigetretener Neonazi bei einem Treffen rum und schon vergessen die Medien, dass in anderen Parteien teilweise Altnazis auf mehrere Jahrzehnte Karriere zurückgucken konnten, bis sie – wenn überhaupt – mal ausgeschlossen wurden. Mit anderen Worten: Man zeige mir mal eine Partei, mit der man sich zu hundert Prozent identifizieren kann! Das ist ja noch nicht einmal Zweck einer Partei!

Ein besonders schönes Beispiel für so aufgebauschte Kleinigkeiten ist z.B. das gerade in Berlin stattfindende Refugee-Camp am Brandenburger Tor. Einige Flüchtlinge weisen mit einem Hungerstreik an zentraler Stelle darauf hin, dass der Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland menschenunwürdig ist. Vor einiger Zeit hab ich vor dem Hintergrund eines Gerichtsurteils bereits etwas über die grundsätzlichen Probleme geschrieben. Traurig und beschämend, dass es in diesem Land heutzutage noch notwendig ist, zu solchen Mitteln zu greifen. 🙁

Nun aber – glaubt man den vielen Stimmen in Netz und Presse – ist etwas ganz schlimmes passiert: ausgerechnet die Piraten nehmen sich als Unterstützer der Flüchtlinge an. Mehrere teils prominente Parteimitglieder sind unter vielen anderen vor Ort, versorgen die Leute mit Getränken und helfen ihnen beim Umgang mit der Polizei, die die genehmigte Demonstration zwar prinzipiell gewähren lässt, dennoch aber die Situation ständig verschärft, indem sie beispielsweise trotz klirrender Kälte den Leuten Klamotten, Planen und Pappe wegnimmt, damit sie nicht trocken sitzen können. Alles rechtlich irgendwie machbar, da ja nur eine Demonstration, nicht aber ein Campieren erlaubt ist. Trotzdem unverantwortlich und scheiße!

Aber gut. Gegen die Solidarisierung mit den Flüchtlingen will keiner ernsthaft was gesagt haben, aber das mit den Piraten sei schon eher nicht so gut. Warum? Na, weil sie die armen Leute ausnutzen, um sich zu profilieren. Damit aber nicht genug. Es geht auch genau andersrum: Während sich die Linke und die Grünen gerade mal zu kurzen Anstandsbesuchen am Camp für freudiges Posieren vor der Kamera herablassen konnten, finden es so manche Journalisten plötzlich schlimm, dass der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponander, nicht selbst vor Ort sei. Und nicht zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass der medienkritische Schachzug „tits4humanrights“ (über die hervorragende Aktion mehr hier.) jetzt auch in der Kritik steht, weil Medienkritik nunmal nichts mit der Sache zu tun hätte und den armen Menschen, die da frieren, nur schaden würde.

Mal ganz ehrlich: Geht’s noch?

Ich mache hiermit im Grunde gerade auch den Fehler, eher über die Aktion der Piraten und die Kritik daran als über die Flüchtlinge selbst zu schreiben. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Im Grunde ist es lächerlich, über die Berichterstattung pro/contra einer Partei zu schreiben, wo doch dahinter viel größeres Unrecht zu finden ist.

Aber das ist nicht richtig. Zum einen lenkt das Interesse an den Piraten ja tatsächlich die Augen der Öffentlichkeit auch auf das Problem der Demonstranten – und ich finde es eigentlich umso bewundernswerter, dass sich Parteipolitiker ungeachtet eventuell negativer Kritik an so einer Aktion beteiligen.
Zum anderen gibt es immer wichtigere Dinge. Immer. Und ebenso wie der Lokalteil einer Zeitung eine Daseinsberechtigung hat, kann man auch mal über die Berichterstattung zu den Piraten was schreiben, obwohl einen im Grunde das dahinterliegende Problem der Flüchtlinge noch mehr aufregt.

Während ich das veröffentliche, „genießen“ die hungerstreikenden Flüchtlinge eine von der Polizei genehmigte Ruhepause von nicht ganz vier Stunden. Weiterhin ohne Decken, Schlafsäcke, Regenschutz oder dergleichen. Anbei ein paar Unterstützer, die aufpassen, sich um alles mögliche kümmern und für Öffentlichkeit sorgen. Was schlecht gefunden wird, weil ein paar davon Piraten sind. So ist das hier im weltoffenen Deutschland.

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jesperrt

Ich mag es ja, die kleinen Momente im Leben zu betrachten. Ich war mit Ozie zur Bank gegangen, um ein paar Dinge zu klären. Ein eigentlich recht resolut und informiert wirkender Anfangszwanziger. der nicht mal zuckte, als ich Ozie „meine Frau“ nannte, bat uns an einen Tisch. Ihm hinterher wuselte dann aber ein eher fahrig wirkender älterer Mann, offenbar um dem Praktikanten oder Lehrling Schützenhilfe zu geben.

Er tippte ein paarmal immer schneller werdend auf der Tastatur herum, ich konnte von meinem eklig nahestehenden Stuhl auf den Bildschirm linsen und erblickte die Passwortkontrolle. Etwas genervt flüsterte er ein „einen Moment noch“ zu uns herüber, um sich mit betonter Langeweile in der Stimme am Telefon meldete:

„Müller, Filiale Marzahn. Hab mir jesperrt!“

Schön zu sehen, dass das nicht nur einem selbst mal passiert. 🙂

Trotzdem: Der junge hat das heute Nachmittag wesentlich mehr gerockt …

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Rettungsanker VG Wort

Die VG Wort lässt sich dieses Jahr Zeit. Wegen eines Rechtsstreits, bei dem es um die Tantiemenaufteilung zwischen Verlagen und Autoren geht – was mich nicht betrifft – ist die Auszahlung dieses Jahr irgendwie auf der Kippe gestanden, verschoben worden – man weiß es nicht so genau. Die Transparenz der Verwertungsgesellschaft ist nach wie vor in etwa mit der von Atombunkern zu vergleichen. Nur nicht verraten, wann warum und wie viel man zahlt oder was man sonst so macht!

Ich melde als einer von zigtausenden Autoren meine Texte dort, deren Zweitverwertung ist mir nämlich im Grunde schnuppe. Und wenn da ein Topf rumsteht, aus dem man als Autor öffentlich verfügbarer Texte pauschal Geld kriegen kann, dann nehme ich das gerne an – wenngleich ich es nach wie vor für eine gewagte These halte, dass man als Blogger tatsächlich eine Entschädigung in diesem Ausmaß bräuchte. Ich habe zumindest noch nicht wirklich gehört, dass jemand meine Texte weiterkopiert und an Bedürftige verteilt.

Aber ich muss ehrlich sein: Es ist verdammt schwer, sich das Schreiben zu finanzieren. Es ist zwar billig von den Materialkosten, es leidet aber enorm die Zeit darunter. Und zwar so viel, dass man sie ungern von seiner Freizeit abknappen will. So handhabe ich es auch, ich fahre seit GNIT erfolgreich ist wesentlich weniger Taxi. Ich würde gerne mehr arbeiten, aber was würde dann aus Blogs und Büchern?

Und da trotz allen Erfolgs Flattr, ein paar Ref-Links auf Amazon und ein bisschen Werbung bei Google eben auch höchstens ein Taschengeld abwerfen – bei GNIT und Sashs Blog zusammen etwas über 50 € pro Monat – bin ich doch recht froh, dass es die VG Wort gibt.

Die hat sich dieses Jahr wieder das große Sparen auf die Fahnen geschrieben und an allen Ecken gekürzt. Für die 1.500 Zugriffe auf einen Text gab es letztes Jahr noch 15 €, dieses Jahr einen Zehner. Bei der zweiten Stufe wurde nicht nur der Betrag auf 15 € gekürzt (von 20), sondern auch die Mindestzugriffszahl von 3.000 auf 6.000 erhöht. Und wie immer hat man das erst nach Ablauf des Jahres (die Zahlung jetzt ist für 2011!) erfahren und eine Aufstellung welche Texte nun welche Stufe erreicht haben, gibt es immer noch nicht.

Da ich über das Jahr hinweg hier und da wieder ein paar Euro leihweise aus meiner Kasse, aus der Haushaltskasse und vom Dispo in Anspruch nehmen musste, wartete ich also schon ein wenig wie auf glühenden Kohlen sitzend auf die Überweisung, bzw. den Brief, in dem steht, wie viel Geld es jetzt eigentlich ist. Und da war ich sicher nicht alleine.

Ziemlich einsam bin ich aber wahrscheinlich bei der Summe. Ich falle nach wie vor in eine goldene Lücke des Systems: viele Leser bei vielen langen Texten. So viel Glück haben die wenigsten Blogger. Und heute Nacht dann – ausgerechnet nachdem mein Wochenende so mies lief wie sonstnochwas – lag endlich der Brief im Briefkasten. Ich denke, die Blogger unter euch sollten sich jetzt besser festhalten:

Wow! Quelle: VG Wort

Ein paar Altlasten bin ich damit los, nächstes Jahr kommen dann die schwarzen Zahlen auch auf dem Konto … 😀

Das Geld hätte ich in der entsprechenden Zeit natürlich auch locker im Taxi machen können, aber so gefällt es mir doch besser. Und hey, deswegen muss ich auch mal ganz deutlich sagen: Danke, dass ihr alle meine Texte lest! Denn genau deswegen bekomme ich dieses Geld!

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Das Sozialarbeiter-Gen

Ich kann ja nicht anders. Und abgesehen davon, dass meine Geduld manchmal nervig ist, brauche ich sie ja auch. Gerade meine Arbeit besteht letzten Endes nicht daraus, Auto zu fahren, sondern mich mit Menschen zu unterhalten, eventuell nur zu kommunizieren, sie wenigstens aber zu ertragen. Aber man trifft eben immer wieder auf Leute, die einem alles davon schwierig machen. Oder unerträglich.

Aber man ist ja kein Arsch, man haut ja nicht ab …

Auftritt Manfred.

Ungeführ um 4 Uhr heute morgen wollte ich mir eine Cola und eine Schachtel Zigaretten beim Döner holen. Hab ich getan, auf dem Weg nach draußen quatschte mich Manfred vom einzig besetzten Stuhl im Außenbereich an:

„Sag mal, ich will auch nicht unhöflich sein oder so, aber haste mir vielleicht ein paar Kippen zu verkaufen. Wenn ich jetz‘ 5 Euro für eine Schachtel zahle, kann ick mir kein Bier mehr kaufen.“

Verständliches Ansinnen – und ich bin da auch nicht so. Hatte mir selbst zwar gerade genug Kippen zum Eigenbedarf geholt – aber was soll’s? Anderen Menschen geht es dreckiger als mir. Ich bin kurz rein, hab einen Fünfer in Kleingeld zusammengesucht, mir noch eine Schachtel gekauft und ihm rund die Hälfte auf den Tisch gelegt.

„Wat krisse?“

„Passt schon, freu Dich drüber!“

Manfred ist rund 32 Jahre alt, unweit meines Alters also, kahlrasiert von oben bis wahrscheinlich auch unten, trägt Brille und ist jetzt, da ich diesesn Text schreibe, ziemlich besoffen und hat Stress mit seiner Freundin – die ein Kind von ihm erwartet. So wie wir laut Medien alle in Marzahn leben.

Im Grunde ist Manfred aber ein netter Mensch und so reichte er mir auch gleich die Hand und stellte sich vor:

„Hi. Ich bin Manfred und ich hab echt’n schweres Schicksal!“

Bei mir ist das wie bei Gaffern an Unfallorte: ich kann nicht weghören. Also hab ich ein Bier geordert und mich zu Manfred gesetzt.

Und wie zu erwarten palaverte er munter drauf los, seine Beziehungskrise kannte ich, bevor er sich meinen Namen merken konnte. Leitplankenbau hätte er jemacht, und ihm käme es hierauf an – und zeigte auf Bizeps und schweißnasse Stirn. Mit dem Kopf arbeiten also, aha. Prima! Gemeinsames Thema! Hab kurz angerissen, dass ich schreibe und Taxi fahre – folglich hab ich jetzt seine Nummer. Um ihn anzurufen, damit er auch mal ein Buch schreiben kann. Klar, ich kenne diese besoffenen Fantastereien.

Aber: Boxen! Ob ich das kenne? Also Boxen wäre so total sein Ding. Dafür lebt Manfred. Sein fast 80-jähriger Trainer sei auch voll die harte Sau, die gerne mal Anfängern wie ihm Nägel in die Sandsäcke packt, um zu testen, wie „hart“ der Nachwuchs ist. Voll geil jedenfalls! Köpfchen eben, sagt er ja. Also Manfred. Und wie er als Security mal jemanden verdroschen hätte. Klar, der hatte es verdient, Messerangriff und so. Aber hey, noch 46 €, dann ist Manfred die Geldstrafe endgültig los und wert war es das – na klar – der hatte schließlich provoziert!

Während ich dann nach einer Stunde und drei Bier langsam versuche, mich loszureissen, muss er mir unbedingt noch die Geschichte seines Vaters erzählen, der Polizist ist, war und ist. Eigentlich sei er ja in Rente, höre aber immer noch den Polizeifunk ab, um zu den Einsätzen zu fahren. Konsequenzen hin oder her. Um seinem Vater zu gefallen, boxt Manfred ja auch.

„Mach meinem Körper Ehre!“

sagt Papa nämlich. Und immer nur trinken … da braucht es eben einen Ausgleich!

Ich hab nicht mal den Hauch einer Ahnung, in wievielen Punkten mir das alles widerlich und erbärmlich vorkam. Dabei war Manfred eigentlich trotz allem ein netter Kerl. Ich denke, ich werde ihn aber dennoch nicht anrufen. Mein Sozialarbeiter-Gen macht manchmal eben auch sehr lange Pause …

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Jährliches

Anbei ein kurzer Dialog von heute:

„…wegen unseres Jahrestags?“

„Jahrestag? Ist der heute?“

„Nein, der war gestern.“

„Ach, heute ist dann der Tag, von dem ich immer denke, es sei der Jahrestag?“

„Nein, der war vorgestern. Hallo, ich hab da doch drüber geschrieben!“

„Echt? Hab ich nicht gesehen, nur so überflogen …“

So viel zum Klischee mit den Männern, die immer ihre Hochzeitstage vergessen …

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9. Oktober – hach!

Den gestrigen Tag sollte man sich im Kalender anstreichen, denn das ist der Tag, an dem hier bei mir zuhause von Ozie die erste Bhut Jolokia gepflanzt wurde. Hach! Zugegeben: Unter all den Chilis, die hier gepflanzt und hochgezogen wurden, geht das gerne unter – zu Recht auch – aber irgendwie ist da doch so ein Kribbeln in mir …

Ich gestehe es gerne ein: Dass man eine leichte Sucht nach Capsaicin entwickelt, entspricht der Realität. Irgendwo in diesem Blog habe ich aber schon mal geschrieben, dass das noch weit hinter Kaffee die wahrscheinlich harmloseste Droge ever ist. Und bei den Jolokias geht es auch weniger um den tatsächlichen Gebrauch (Hallo, man muss dazu Handschuhe anziehen!), sondern mehr um das gute Gefühl, „es“ auch mal gemacht zu haben, einmal den heiligen Gral mit den eigenen fettigen Fingern betatscht zu haben.

Die Früchte gelten (je nachdem, ob man den nachfolgenden Rekord anerkennt) immerhin als Nummer 1 unter den Chilis, als schärfstes Gewürz aller Zeiten. Gewiss, die Anbaubedingungen in Marzahn geben ohnehin keine rekordverdächtige Frucht mit Millionen-Score auf der Scoville-Skala her, aber derbe brezeln werden die Teile wahrscheinlich dennoch … 🙂

Und auch wenn ich in fast allen Bereichen dem Pathos gerne fern bleibe, so reizt es eben doch, sagen zu können, man habe die schärfste Chili der Welt zu Hause großgezogen. Also hoffen wir mal, dass es eine der vier ausgesäten Pflanzen auch schafft!

Und ganz nebenbei war gestern – von uns beiden verpennt – auch der siebte Jahrestag von Ozie und mir. Sicher, ein belangloser Video-Abend mit Pizza vom Lieferdienst wird sicher nicht in die Annalen unserer Beziehung eingehen, aber vielleicht ist es ja auch besser, wenn man gar nicht mehr mitzählen muss, wie viele Jahre man schafft. Und wenn wir den Tag nur der Jolokias wegen als „scharf“ in Erinnerung behalten, dann ist das doch wenigstens etwas … 😉

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Passend

Aus der Serie: Passend zum Betriebssystem saufen 😉

Und der Rest wartet lieber aufs Jägermeister 3.1-Betriebssystem. Quelle: Sash

 

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