Aktion und Reaktion

Gestern bin ich nach dem Einkaufen in der Fußgängerzone mal wieder von einem grüngewandeten Weltenretter angesprochen worden:

„Na, sind sie auch ein Tierfreund?“

An dieser Stelle wollte ich eigentlich schon antworten, dass ich jegliches Getier hasse, abgesehen von den wohlschmeckenden Arten. Hab ich natürlich nicht gemacht.

Ich hab weder was gegen Tiere, noch gegen Tierschutz-Organisationen. Im Grunde kann mich jeder anquatschen und fragen, ob ich einen Euro für ihre Arbeit übrig habe. Und je nach persönlicher Situation oder dem Anliegen gebe ich dann viel, ein Bisschen was oder gar nix.

Was mich nervt, ist das Emotionalisieren!

Die Leute wollen Geld oder eine Unterschrift. Bitte, kann man drüber reden. Aber diese billigen Versuche, Menschen mit Fragen wie der obigen unter Druck zu setzen, kann ich nicht leiden! Und nichts anderes ist es, wenn man genötigt wird, eine völlig selbstverständliche Frage in Hinblick auf den zu erwartenden Gesprächsverlauf unangemessen zu beantworten.
Denn weswegen soll man sich wie ein Arschloch fühlen, nur weil man dem sechsten Verein in diesem Monat nix geben will oder kann?

Es ist eine traurige Sache, dass Menschen oder gemeinnützige Vereine überhaupt aufs Betteln angewiesen sind. In irgendeiner Form hilft man ja eigentlich jedes Mal, wenn man einer Anfrage positiv entspricht. Und natürlich ist diese Form der Beeinflussung erfolgreich. Bei mir aber nicht!
Wenn jemand Geld von mir haben will, dann soll er mich fragen, ob er Geld haben kann. Der Profi gestern ist nach der Tierfreund-Frage fortgefahren, indem er sagte, er möchte mich nicht zulabern…

Dann tu es nicht!

Unterschreiben sie eine Petition gegen Tierquälerei? Das ist eine Frage! Dann ich ja ggf. nachfragen, wenn mich interessiert, wie der Verein heisst und was sie sonst so machen. Oder mir Bilder von gequälten Tieren ansehen. Und wenn ich mit Nein antworte, bleibt mehr Zeit für den Nächsten…

Das soll echt nicht so rüberkommen, als ob ich was gegen Bettelei habe. Angenehm ist es fraglos weder für die Bettler wie auch die Geldgeber, aber eine Frage nach einem Euro oder einer Zigarette ist nun wirklich kein Problem. Der Platz für die ganze Lebensgeschichte oder die Vereinstradition ist hingegen bei einem tiefergehenden Folgegespräch besser untergebracht. Und wer das ganze systematisch betreibt, verdient so oder so ein wenig Skepsis. Deswegen gebe ich der ruhigen Obdachlosen-Zeitungs-Verkäuferin vor dem Kaiser’s hier gelegentlich etwas Geld ohne das Blatt zu kaufen, lass aber so manchen Tierschützer stehen und reagiere abweisend auf Frauen, die mir am Ku’damm ihre Kinder vor die Nase setzen, um zu beweisen, wie arm sie sind.

Ich hab ein soziales Gewissen und ich weiss, dass ich als arbeitender Mensch mit einem gewissen Wohlstand priviligiert bin. Aber ich werde jetzt sicher kein schlechtes Gewissen haben, weil ich den Typen (vom übrigens per se eher zwielichtigen Verein aktion tier) abgewimmelt hab. Und ich glaub nicht, dass das in deren Interesse liegt…

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8 Comments

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8 Responses to Aktion und Reaktion

  1. Volle Zustimmung! Das Emotionalisieren (so?) geht mir sowas von auf den Wecker.
    Willste was? Kriste was! Kein Thema.
    Aber dieses gefühlsmäßige in die Ecke drängen find ich zum K…naja, spucken halt.

    Bei Facebook dasselbe. Diese Statusmeldungen, wo drauf hingewiesen wird, dass ein Krebskranker nur gesund werden will und man, wenn man genauso denkt, in seine Statusmeldung kopieren soll…Warum? Durch Copy und Paste wird kein Krebskranker gesund.
    Oder das: Ich weiß, dass nur 2% meiner Freunde diese Meldung kopieren werden. Ja und? Dann bin ich nicht Dein Freund. Dann haue mich halt wieder aus Deiner Liste. Das geht nicht, weil Du bei FB Freunde sammelst? Dann ist Dir das Thema wohl doch nicht so wichtig. Schade für die Krebskranken…

    Du merkst schon, bei dem Thema hast Du bei mir ein Fass aufgemacht, weil mich das schon lange nervt…

  2. Wo kann ich bitte unterschreiben?

    Wenn ich schon genötigt bin mich durch die Fußgängerzonen zu drücken, dann möchte ich doch bitte meinen eigenen Geschäften nachgehen. Kurze, prägnante Fragen sind okay. Aber weder will ich von irgendwelchen Parteien, Organisationen oder sonstigen Wegelagerern ihre Entstehungsgeschichte in 133 Akten erfahren, noch dabei die dilettantischen Versuche zu emotionalisieren ertragen müssen.

    Wenn ich extrem gut gelaunt bin, werden diese Zeitgenossen mit einem unwirschen „Danke, nein!“ abegwimmelt. Aber wehe ich habe miese Laune, dann dürfen die ihre Definition von Zynismus über den Haufen werfen und neu besetzen. 🙂

  3. Die Frage mit „Ja“ beantworten und weitergehen. Dann haste nicht gelogen und dir das anschließende Gelaber erspart…
    Letzt hatte ich das gleiche Spiel beim real an der Kasse. Als ob das ganze Gelaber an Supermarktkassen nicht schon schlimm genug wäre, wurde da scheinbar die Frage umgestellt. Anstelle von „Sammeln Sie Treueherzen?“ hieß es nun „Treueherzen darf ich mitgeben?“. Ein „Nein!“ klingt da natürlich gleich viel unfreundlicher. War mir aber natürlich egal 😀

  4. Fahrertuer

    Da muss ich grade an zwei Begegnungen dieser Art aus der letzten Zeit denken, was du da so erzählst…
    Zum einen, war erst gestern: In der City angekommen, grade dabei mein Rad anzuschließen, kommt so eine völlig überdrehte (vermutlich) Studentin im WWF Tank Top auf mich zu und fängt direkt mit der von dir beschriebenen Masche an. Auf den dezenten Hinweis, dass ich mich nicht an einem Gespräch interessiere wurde ich einfach weiter vollgeschwallt. Auf den Hinweis, dass sie lieber Handeln sollen statt zu labern, grade wenn man an Der Pakt mit dem Panda denkt, wurde ich weiter vollgeschwallt, dass das doch alles Lügen der Konzerne wären, blablabla. Das endete erst, als ich in ein Geschäft reingegangen bin
    Andererseits hatte ich vor3 Wochen ein sehr nettes Gespräch mit zwei Leuten vom BUND. Nicht lang vollgeschwallt sondern einfach nur ein nettes Gespräch. (Wenn auch wenig erfolglos. Sie wollten mir vorschlagen dass ich doch einfach mal versuchen soll, eine Woche lang mein Auto stehen zu lassen und auf den ÖPNV/aufs Rad umsteigen soll, um zu sehen dass ich nicht nur mir sondern auch der Umwelt damit was gutes tue. Sorry Leute, aber ich besitze nicht mal einen Führerschein)

  5. Ein freundliches ‚Nein, Danke‘ hilft immer und führt meist noch dazu sich gegenseitig einen schönen Tag zu wünschen.
    Denn Unfreundlichkeit haben selbst die Leute von Internetgeschichten, Tierschutz oder dem DRK (ich lasse hier Religionsaufdränger explizit außen vor, denn da hört bei mir die Freundlichkeit in der Regel auf.) nicht verdient, denn sie machen ja, wie man so schön sagt ’nur ihren Job‘.
    Dass sie einem dabei gelegentlich auf den Sack gehen, liegt in der Natur der Sache, aber mit Unfreundlichkeit ist beiden nicht geholfen.

    Ein freundliches Ablehnen ist glaube ich sogar sinnvoller, als Leute, die sich nicht trauen, sich das dann eine halbe Stunde anhören, am Schluss aber doch nicht unterschreiben.

  6. idriel

    „Ein freundliches ‘Nein, Danke’ hilft immer “
    …eben nicht.

  7. @idriel:
    Doch, bei mir schon, ich hab noch keinen gesehen, der hinter mir her gerannt wäre, oder mich gegen meinen Willen festgehalten hat.
    Dann sind entweder die Leute bei euch bekloppter, oder ihr macht was falsch.

  8. Fahrertuer

    @Nick
    Ich vermute du hattest bis jetzt einfach Glück oder bist bei deinem „Nein Danke“ so bedrohlich rübergekommen, dass sie es lieber gleich gelassen haben.
    Festgehalten worden bin ich auch noch nie. Aber dass einem einer nachrennt und über 30 oder 40m dumm von der Seite voll labert ist mir schon öfter passiert. Antworte denen meistens garnicht mehr, hilft meist wesentlich besser, wenn man einen auf Ignorant macht.

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