Heraus!

„Heraus zum ersten Mai!“

Was nervt mich diese Parole. Ich finde es immer schade, wenn aus Traditionsgründen sinnvolle Ansichten in gestrige Worte verpackt werden. Heraus. Heraus? Kein Mensch außerhalb von Hannover oder einschlägigen K-Gruppen wird doch das Wort noch ernsthaft so verwenden…

Ich bleibe einen Lösungsvorschlag zur Umschreibung schuldig, aber wie jedes Jahr starte ich ein wenig zwiespältig in den ersten Mai. Natürlich werde ich heute Abend auf der Demo in Kreuzberg sein, und da ich sogar öffentlich dazu stehe, kann ich ja auch zugeben, dass ich gerne dazu auffordere, es mir gleich zu tun.
Sicher kann man auch auf eine der zahlreichen anderen Demos hier oder anderswo gehen, an der mangelnden Auswahl soll es ja nicht liegen an diesem Tag.

Es ist ein wenig traurig, dass der erste Mai so sehr zu einem Folklore-Tag verkommen ist. Da möchte ich auch gerne die DGB-Demos in einen Topf mit der bösen revolutionären 18-Uhr-Demo am Kotti werfen. Ob man jetzt zum ersten Mai geht, weil man mit ein paar Freunden Würstchen essen will oder weil man sich mit den Bullen zu kloppen gedenkt: Im Grunde ist beides gleichermaßen bescheuert!

Dennoch finde ich es ärmer, nicht hinzugehen.

OK, klar: Wenn man zufrieden ist mit der Welt, wie sie ist, dann kann man das machen. Für diese Einstellung indes fehlen mir die Worte…

Ganz ehrlich: Ja, ich bin froh, in Deutschland zu leben! Je mehr man Deutschland mit dem Rest der Welt vergleicht, desto besser gefällt es einem hier. Die Politik hier ist in so vielen Punkten am fortschrittlichsten oder zumindest nahe an der Spitzengruppe. Das weiss ich zu schätzen, aber ich gehöre zu den Menschen, die sich für Kakao entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen 3 Arten Durchfall als Morgendrink bekommen.
Es ist auch nicht so, dass ich undankbar bin für alles, was ich habe – aber selbst in unserem reichen, satten Sozialstaat ist noch einiges im Argen.

Hey, hier und heute – in Deutschland 2011, werden immer noch Frauen schlechter bezahlt als Männer. Es gibt einen Haufen Menschen, die trotz Vollzeit-Arbeit in Armut leben und Menschen, die wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Es gibt Menschen, die sich beschimpfen lassen müssen, weil sie keine Arbeit finden oder weil sie homosexuell sind. Immer noch werden in der Politik ernsthaft Arbeitsplätze in der Automobilindustrie munter gegen Umweltzerstörungen hochgerechnet und mit ein paar fragwürdigen Ergebnissen wird eine Abschaffung der Privatsphäre schöngeredet. Hier und heute noch brechen ausgerechnet Polizisten vielerorts massiv und organisiert das Grundgesetz und gleichzeitig versteht ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung nicht, was das bedeutet, weil das zu viel Textverständnis erfordern würde.

So vorbildhaft dieses Land im ein oder anderen Bereich sein mag: Es gibt genügend Gründe, gelegentlich den Arsch hochzukriegen und wenigstens mal seine Meinung zu sagen!

Ich finde es ein wenig schade, dass die meisten Leute erst dann demonstrieren, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht. Man findet in der Geschichte eine Menge Hinweise, dass das zu spät sein könnte. Nach wie vor kann ich nur sagen, dass ich mit meinem eigenen Leben zufrieden bin, und mir eigentlich angenehmeres vorstellen könnte, als mit  10.000 verschwitzten Menschen ein paar Straßen langzutrotten und von sensationsgeilen „Journalisten“ fotografiert zu werden.
Ich komme mit meinem Leben schon klar – so wie es jetzt ist, und wahrscheinlich auch so, wie es in 10 Jahren, ungeachtet der Wahlausgänge sein wird. Aber verdammt: Ich bin doch nicht der Maßstab der Dinge. Es geht so vielen Leuten ernsthaft dreckig hier!

Außerdem wäre es doch schön, wenn nicht jede Kritik untergehen würde, nur weil sich die paar Hansel auf einer Demo unter Würstchenesser und Steinewerfer subsummieren lassen!

Deswegen werde ich heute Abend einmal mehr in Kreuzberg sein, und bei der Demo mitlaufen. Es ist mir doch scheißegal, ob 500 Leute das als Aktionsplattform sehen, um ein bisschen Katz-und-Maus mit den Cops zu spielen. Ich werde da sein, damit sich vielleicht mal jemand fragt, warum da noch 10.000 andere Leute mitlaufen!

Und abgesehen davon: Es ist nach wie vor ein Gerücht, dass die Verantwortlichkeit bei den Krawallen so einseitig ist…

Insofern:  Heraus zum ersten Mai – egal wie scheiße das klingt!

14 Comments

Filed under Politik, Vermischtes

14 Responses to Heraus!

  1. „Heraus“ – was ist daran falsch? Und so altbacken klingt es doch nun auch nicht …

    Viel Spaß heut abend.

  2. Lieber Sash, hör bitte auf das Emanzenmantra „Frauen verdienen schlechter als Männer“ zu flöten. Hier werden absolute und relative Zahlen verglichen. Die Frauen, die in der Statistik soviel nach unten ziehen, arbeiten Teilzeit!

    In Tarifverträgen wird ansonsten kein Geschlechterunterschied gemacht und bei außertariflichen Anstellungen liegt es allgemein im Verhandlungsgeschick der Frau.

  3. @ednong:
    Danke 🙂
    Aber ich finde es immer noch irgendwie nicht so richtig wohlklingend…

    @Der Maskierte:
    Ich hab gar nicht vor, irgendwelche Mantras herunterzubeten. Ich glaube auch gerne, dass hier und da falsche Zahlen verglichen werden – das ist natürlich immer eine Frage des gewünschten Ergebnisses – aber auch die von dir genannten Begründungen lassen doch darauf schließen, dass es eben noch keine hundertprozentige gesellschaftliche Gleichstellung gibt.
    Gerade in Punkto Verhandlungsgeschick glaube ich, dass es durchaus übergeordnete Gründe geben könnte.
    Aber ich will mich um den Punkt nicht streiten, ich hab ehrlich gesagt keine belastbaren Zahlen vorliegen.

  4. Matthias

    @Sash
    Nimm zum Beispiel meine Freundin.
    Sie wurde gefragt, was sie verdienen will, und sagte 2000. Der Personalchef machte große Augen und sagte (vermutlich innerlich kichernd) okay.
    Ein paar Tage später bekam sie den Anruf, dass sie 2300 verdienen muss, um den sozialen Frieden zu wahren. Andere in ihrer Position verdienen also wohl doch noch mal deutlich mehr.
    Ich hab ihren Kopf zu Hause noch mal gewaschen, aber das kränkt sie nur noch mehr. Dabei ist sie ansonsten sehr emanzipiert und macht mir nie Sandwiches oder so.

    Abgesehen davon wollen eh nur komplette Utopisten die komplette Gleichstellung, und komplette Utopien enden in Gulags und Leichenbergen.

  5. @Matthias:
    Äh, ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, worauf du hinauswillst.
    Klar, vielleicht war es von deiner Freundin nicht so clever, 2000 als Zahl zu nennen, aber ist es nicht eigentlich eine Frechheit, das zu fragen?
    Auch wenn das ein wenig OT ist, aber wie scheiße ist es bitte, Bewerber so zu behandeln? Denn – diese Behauptung erlaube ich mir mal ohne Beweise – es ist ja völlig klar, dass ein Aspirant niemals genau einschätzen kann, welchen Wert er für eine Firma hat. Die Frage, welcher Verdienst gewünscht ist, zielt einfach nur darauf ab, den „Preis“ zu drücken. Denn da wir nicht gerade Vollbeschäftigung haben, muss ja jeder Bewerber fürchten, dass „übersteigerte“ Ansprüche zur Nichteinstellung führen könnten.
    Aber zurück: Ja, vielleicht werden Frauen auch deshalb schlechter bezahlt. Das kann sein. Und warum? Weil sie bescheidener sind? Also das ist in meinen Augen einer der besten Beweise, dass da was gewaltig schief geht!
    Denn wenn wir davon ausgehen, dass Lohnarbeit notwendig ist, dann sollte sich der Lohn doch fairerweise am Gewinnzuwachs der Firma durch den Mitarbeiter messen, oder?
    Das mag jetzt vielleicht nicht unbedingt die Frauen-Problematik betreffen, bestätigt mich ansonsten allerdings nur.

    Im Übrigen: Ich finde, deine Gulag-Theorie etwas zu einseitig.

  6. karpatenhund

    @Sash: Es ist keine Frechheit, so etwas zu fragen. Okay, Arbeitnehmer und Arbeitgeber verhandeln nicht unbedingt auf Augenhöhe; Dennoch sollte sich auch der Arbeitnehmer vermarkten können. Wenn der seinen Wert nicht einschätzen kann und sich daher unter Wert verkauft, ist das nicht das Problem des Arbeitgebers. Denn natürlich hat der auch ein legitimes Interesse daran, Arbeit zu einem für ihn vorteilhaften Preis einzukaufen. Solange es also nicht in Lohndumping ausartet, ist das vollkommen okay. Heutzutage sollte es einen Bewerber auch nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten stellen, sich vor einem Gespräch Gedanken über seine Lohnvorstellungen zu machen, da das bekanntermaßen eine Standardfrage ist.
    Auch die Orientierung des Lohns am Gewinnzuwachs der Firma ist nur begrenzt sinnvoll. Natürlich sollen Mitarbeiter für gute Geschäftsjahre belohnt werden und natürlich sollte der Arbeitgeber sie fair behandeln. Letztendlich tragen Mitarbeiter aber auch nicht das Risiko der Firma. Wenn zwischendurch mal einige schlechtere Jahre dabei sind, wird der Lohn schließlich (vollkommen zu Recht) auch nicht gekürzt (sofern es nicht grade um die Existenz der Firma geht).

    Was die unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau angeht: Der Gender Pay Gap beträgt unbereinigt laut statistischem Bundesamt auf Basis einer Untersuchung von 2006 23%, bereinigt immer noch 8%. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob diese 8% auf versteckte Diskriminierung seitens der Arbeitgeber (die möglicherweise sogar unbewusst aufgrund festgefahrener Denkweisen erfolgt), schlechtere Selbstvermarktung der Frauen oder andere Faktoren zurückzuführen sind; dieser Unterschied lässt sich jedenfalls nicht mehr mit unterschiedlicher Qualifikation oder unterschiedlichen Präferenzen bei der Berufswahl erklären. Daher ist es sinnvoll, in dieser Hinsicht irgendwas zu unternehmen. Sei es, dass man versteckte Diskriminierungen beseitigt, sei es, dass man Frauen zu offensiveren Standpunkten bei Gehaltsverhandlungen ermutigt. Und ja: Vor allem im Mittelstand gibt es durchaus Arbeitgeber, die der Ansicht sind, weibliche Arbeitnehmer wären weniger wert als männliche Arbeitnehmer.

    Zu den Demos: Es ist die Frage, wie man grundsätzlich dazu steht. Demonstrationen sind vielfach undifferenziert, „dagegen“ kann jeder; das sagt noch nichts darüber aus, wofür man eigentlich demonstriert. Und genau das ist vielfach der Knackpunkt. Will ich wirklich den Kopfbahnhof, wenn ich gegen S21 bin? Will ich den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft, wenn ich grundsätzlich gegen Atomkraft demonstriere?
    Bei zig tausend Teilnehmern besteht aber schnell die Möglichkeit, dass die Demonstranten in eine Schublade gesteckt werden. „X demonstriert gegen Atomkraft, also will er den sofortigen Ausstieg“.
    Außerdem rennen auf Demonstrationen auch viele Leute mit, die sich in der Materie überhaupt nicht auskennen. Viele Projekte, Vorhaben oder kontrovers diskutierte Entscheidungen sind so komplex, dass es ohne Fachwissen oder intensive Beschäftigung mit dem Thema kaum möglich ist, sie fundiert zu beurteilen und sich damit eine differenzierte, sinnvolle Meinung zu bilden. Damit besteht die große Gefahr, dass sich Menschen durch unvollständige Informationen von irgendeiner Seite instrumentalisieren lassen. Besonders interessant finde ich es, wenn Eltern ihre wirklich jungen Kinder auf Demos mitnehmen und denen ein Schild in die Hand drücken. Was weiß ein 6-jähriger schon von der Sinnhaftigkeit (oder fehlenden Sinnhaftigkeit) des Bildungssystems? Sorry, da bekomme ich einen Brechreiz.
    Schließlich sind auch die Ziele einer Demo nicht immer klar. 1. Mai-Demo? Klar, Arbeitnehmerrechte. Ist ja Tag der Arbeit. Und dann kommt DGB-Chef Sommer daher und verlangt auf einer Rede den Ausstieg aus der Atomkraft. Natürlich, ein typisches DGB-Thema, welches auf jeden Fall zum 1. Mai gehört.
    Es gibt bei komplexen Themen fast immer mehr als schwarz und weiß. Für eine differenzierte Betrachtung komplexer Themen eignen sich Demos aber nur sehr bedingt.

  7. Matthias

    @Sash
    Tut mir leid, ich werde jetzt schonungslos direkt sein müssen: dein Beitrag zeigt, dass du von Lohnverhandlungen nicht die Bohne einer Ahnung hast. 😀
    Die Frage nach dem Wunschgehalt ist völlig normal in der nicht irgendwie gebundenen Wirtschaft (also zum Beispiel nicht bei mir, da Tarifvertrag öffentlicher Dienst und nicht bei dir, da abhängig von den gefahrenen Touren etc.). Und es gibt mehr als genug Möglichkeiten, das ungefähre Einstiegsgehalt herauszufinden. Mehr noch, ich habe noch aus Studienzeiten Kontakte zu MLP, die eben genau diesen Service anbieten, die Einstiegsgehälter für dich herauszufinden. Natürlich habe ich das meiner Freundin vorgeschlagen, aber ihr war das zu blöd. Und das hat sie jetzt davon.

    Normalerweise werden Bewerber, die sich zu billig verkaufen wollen, auch aussortiert, da man davon ausgeht, dass sie vermutlich nicht sonderlich gut sind oder sich einfach nicht informiert haben. So ähnlich wie wenn ich mich in der Personalverwaltung der BVG bewerbe und sie mich fragen ob ich weiß, was dort für Aufgaben anfallen und mit „U-Bahnen führen“ antworte.

    Also nochmal, die Frage nach dem Gehaltswunsch ist seit zig Jahren völlig normaler Bestandteil des Bewerbungsgesprächs und dient zum großen Teil der Einschätzung des Bewerbers, auch dessen Verhandlungsgeschick. So eine wie meine Freundin z.B. könntest du nie in Verhandlungsverantwortung setzen, sie würde dauernd über den Tisch gezogen werden und der Firma so konkret schaden.

  8. @Matthias

    Als Außertariflicher kann ich das nur bestätigen. Diese Frage kam in ausnahmslos jedem Bewerbungsgespräch. Und wenn die eigenen Vorstellungen 10-15% von dem vom potentiellen Arbeitgeber (nach oben) abweichen, gab es immer eine kleine Nachverhandlung und man einigte sich eben auf 5% mehr.

    Man muss eben den Mut haben, seinen Preis einzufordern.

  9. Nihilistin

    @Der Maskierte
    Wir schreiben das Jahr 2011, und Du kommst hier mit Thesen aus den Wirtschaftswunderjahren? „Emanzenmantra“, ich glaub es hackt. Vielleicht liest Du Dich einfach mal eine Stunde quer durchs Netz, darfst sogar „emanzenverdachtsunabhängige“ Quellen wie die WAZ-Gruppe oder den Focus durchkämmen. Es gibt 5 Gründe, die für den definitiv (Karpatenhund verweist darauf) vorhandenen GAP zwischen Männer- und Frauenbezahlung inzwischen allgemein anerkannt sind:
    – Frauen arbeiten öfter in Branchen und Berufen, in denen das Einkommensniveau niedriger ist.
    – Es gibt deutlich mehr Männer in Führungspositionen als Frauen.
    – Frauen entstehen Nachteile, wenn sie eine Babypause machten.
    – Sie haben öfter (schlechter bezahlte) Teilzeitjobs.
    – Frauen sind Opfer mittelbarer Diskriminierung, etwa wegen nicht geschlechtsneutraler Tarifverträge (ja, das gibt es definitiv immer noch, nur nicht so auffällig. Man nenne einfach die Jobs ein bisschen um, auch wenn die Tätigkeiten ähnlich sind; und in dem einen Job arbeiten halt aus historischen Gründen eher 90% Frauen)

    Kurz: Ich habe kein Problem mit anderen Meinungen als der meinigen, wenn sie diskutabel niedergelegt werden (so wie alle anderen Kommentatoren hier im Thread und wie es eigentlich in diesem freundlichen Blog hier Usus ist). Bei so hingespuckten Vorurteilen bar jedes Fachwissens wie in Deinem Beitrag krieg ich nur noch nen dicken Hals.

  10. @Nihilistin
    – Frauen arbeiten öfter in Branchen und Berufen, in denen das Einkommensniveau niedriger ist.

    D’accord. Nur ist das sehr häufig auch die Wahl der Frauen, besonders im Sozialbereich. Da weiß man eben, dass man kein Gehalt, sondern maximal eine Aufwandsentschädigung erhält. Ob die Löhne in diesen Bereichen gerecht sind – unabhängig vom Geschlecht – ist eine andere Frage.

    – Es gibt deutlich mehr Männer in Führungspositionen als Frauen.

    D’accord. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich aber, dass viele Frauen gar keine Kariere in höchsten Weihen anstreben. Konkret kenne ich zwei Frauen, die Karriere gemacht haben und es stand ihnen nichts im Weg.

    – Frauen entstehen Nachteile, wenn sie eine Babypause machten.

    D’accord. Gilt aber auch für Männer, die längere Zeit aus dem Job raus sind. Aus welchen Gründen auch immer.

    – Sie haben öfter (schlechter bezahlte) Teilzeitjobs.

    Hierzu fehlt mir sämtliches Zahlenwerk. Für alle Rückkehrerinnen aus der Babypause in den Firmen, in denen ich bisher war, galt eben als Grundlage ihr vorheriger Lohn umgelegt auf den Teilzeitjob. Die Entscheidung Teilzeit zu arbeiten ging von den entsprechenden Frauen aus.

    – Frauen sind Opfer mittelbarer Diskriminierung, etwa wegen nicht geschlechtsneutraler Tarifverträge (ja, das gibt es definitiv immer noch, nur nicht so auffällig. Man nenne einfach die Jobs ein bisschen um, auch wenn die Tätigkeiten ähnlich sind; und in dem einen Job arbeiten halt aus historischen Gründen eher 90% Frauen)

    Das gehört, selbstverständlich, abgeschafft.

    Bei vier deiner fünf Gründe, sehe ich – aus meiner Erfahrungswelt heraus – die Gründe stark in den Entscheidungen der betroffenen Frauen. Und ich verlasse mich da mehr auf meine Erfahrungen als auf irgendwelche schöngerechneten Statistiken, wo ich nicht weiß oder gar weiß, wer da der Auftraggeber war.

    Dass solche Dinge wie Familie und gleichzeitig Karriere machen Stand heute höchst problematisch sind, wenn das persönliche Netzwerk oder die finanzielle Ressourcen begrenzt sind, das ist wieder ein ganz anderes Thema.

    Und wenn ich mal die Zahlen von karpartenhund als belastbare Basis nehmen darf, dann sind 0% zwar wünschenswert, aber 8% zeigen doch klar, dass es kein allzugroßes Problem ist, wie es gerne dargestellt wird.

  11. @all:
    Also gut, was die Frage nach den Gehaltsvorstellungen angeht: Es ist Usus, das ist mir klar. Mag ja sein, dass meine Meinung da nicht geteilt wird. Kommt vor. Ich denke dabei im Übrigen auch weniger an die gutbezahlten Verantwortungspositionen, sondern daran, dass das natürlich auch im Niedriglohnsektor Einzug hält, wo es dann unter Umständen wirklich dazu dient, zu eruieren, ob man nicht noch was sparen kann.
    Und ganz ehrlich: Es ist ziemlich scheiße, wenn man als Arbeitsloser nach Angeboten sucht, weiss dass die gesuchten Jobs (ich gehe jetzt von mir als Fahrer aus) grenzwertig bezahlt werden – und dann heisst es überall nur „nach Vereinbarung“. Es soll ja auch Bereiche geben, in denen man sich gar nicht erst bewirbt, weil ein Job zu wenig Geld abwerfen würde.
    Aber gut, ich will da gar nicht so ewig drauf rumhacken. Ich möchte außerdem mal anmerken, dass ich die Geschichte mit der Bezahlung der Frauen nur als einen der bekanntesten Missstände in die Liste aufgenommen habe. Das war sicher irgendwie unüberlegt, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass das tatsächlich ein strittiger Punkt ist. Insofern auch ein Sorry fürs faktenfreie Posten, ich hab nämlich außer den gängigen Spiegel-Artikeln gar keine konkreten Infos zu dem Thema.

    @karpatenhund:
    Ich gebe dir bezüglich Demos Recht. Natürlich sind Demos kein Platz, um komplexe Themen zu behandeln, sondern um sich im Anschluss an eine Meinungsbildung zu äußern, bzw. im Falle von Organisationen sicher auch zu präsentieren.
    Das mit den vielen anderen Meinungen ist natürlich ein saurer Apfel, in den man bei einer Teilnahme sicher gewissermaßen zwangsweise beisst. Ich sehe ja auch zu, dass ich mich möglichst fern halte von DKP- und MLPD-Fahnen 🙂
    Aber das ist ein grundsätzliches demokratisches Problem. Mir geht es im Vorfeld von Wahlen immer so, dass ich überlege, ob ich wirklich den Scheiß mitwähle, den jede Partei neben der ein oder anderen brauchbaren Überlegung noch so verbreitet.

  12. Matthias

    @Sash
    Ich glaube die brauchbaren Überlegungen sind die ersten, die nach der Wahl über Bord geworfen werden. Zumindest sehe ich das aus meiner politischen Position heraus so.

  13. @Matthias:
    Dieses traurige Gefühl kenne ich allerdings…

  14. der Schwob

    So Grüße aus Heilbronn, bzw jetzt wieder Metropole…der Ausflug in die nackarstadt war…voll für´n Arsch!
    740 Nazis laufen fast unbehelligt, weil der DGB (2000 TeilnehmerInnen) lieber weit weg lala spielt und die netten leute (2500 TeilnehmerInnen), die sich zu Blockaden versammeln wollten…naja die sassen um es jetzt mal freundlich zu sagen etwas fest. die Einen in einem kessel vorm HBF die anderen eingesperrt in einem sportplatz ohne versorgung und Schatten. Die Polizei, welche mit 4000 gut oder weniger gut bezahlten Hooligans angetreten ist, bleibt klarer Sieger und die Herren und Damen von der NPD dürfen sich bei der Polizei über der reibungslosen ablauf der Demonstration bedanken….
    Nun aber zu deinen Dingen. Ja es ist bescheuert, dem DGB hinterher zu trotten, da dieser immernoch das gleiche Ziel und die gleiche Parole wie im letzten Jahr hat, aber dazwischen also in den vergangenen 365 Tagen nichts wirklich auf die Reihe bekommen hat, die Wirtschaft und die Politik und Druck zu setzten!
    Zum ersten mai in Berlin Abends, muß man klar sagen, das es eigentlich kaum noch einen „revolutionären“ Karakter hat. Klar die 18 Uhr Demo ist schon etwas politischer als die nacht davor doer danach, aber jedoch richtige Positionen untersVolk zu bringen, ausser „ganz Deutschland hasst die Polizei“ habe ich da noch nie erfahren. Natürlich ist es auch sinnlos, jedes Jahr den Rassisten hinterherzufahren und diesen eins auf die Ömme zu geben, aber immernoch weit aus besser als der Gewerkschaft zuzuhören, die selbst solidarische Grüße von Gefangenen Antifaschisten nicht verlesen will, weil das ja alles nur chaoten sind. Heuchlertum hoch x!
    Nun zu anderen Punkten. Das Herr Sommer auf einer Demo den Ausstieg aus der Atomkraft fordert, ist klar, das tut gerade selbst die FDP, aber beide auch nur deshalb weil es gerade in ist, und ich denke E.ON und EN-BW lassen sich durch solche Aktionen nicht beirren weiter Milliardengewinne zu fahren.
    Der erste Mai ist und bleibt, für die rechte der Arbeitenden Klasse und gegen die Bourgeoisie. und das aus einer Tradition von über hundert Jahren!

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