Kaution reloaded

Das Gerichtsverfahren um die Kaution der alten Wohnung schlägt so langsam Wellen hier im Blog und es beschäftigt mich gerade ziemlich. Ich habe mir die alten Einträge zum Thema eben noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese ein nur sehr unvollständiges Bild auf die ganze Geschichte werfen. In manchen Ecken fehlen Begründungen, Erklärungen und der Blick aufs große Ganze – und natürlich ist das Ganze ein wenig einseitig, weil ich eigentlich immer nur geschrieben habe, wenn mich die Sache gerade genervt hat.

Ich möchte hier versuchen, das komplette Mietverhältnis mit all seinen Kuriositäten auseinanderzunehmen, sodass abschließend eine Meinungsbildung darüber möglich wird – auch wenn sie vielleicht zu meinen Ungunsten ausfällt. Was ich allerdings nicht erwarte.

Für die Erklärung des Mietverhältnisses meiner Wenigkeit muss ich auch das der WG noch einmal aufrollen. Das heisst: Der Part, der derzeit vor Gericht verhandelt wird, beschreibt den Zeitraum vom 1.1.2007 bis zum 15.10.2007. Alles davor dient dem besseren Verständnis dieses besonderen – und nicht immer nur schlechten – Verhältnisses.

Begonnen hat alles im Herbst 2002. Damals sind Jörg und Sven, zwei enge Freunde meinerseits, über persönliche Kontakte zu einer Wohnung gekommen. Die Wohnung lag im obersten Stockwerk eines 200 Jahre alten Hauses im Stuttgarter Osten. Sie kannten René, den Sohn des Vermieter-Ehepaars, und so ergab es sich, dass sie in diese Wohnung einziehen konnten. Die Wohnung hatte 34 m², 2 Zimmer plus Küche und Dusche und war in einem fragwürdigen Zustand – aber hey! – erste Wohnung nicht mehr bei Mami! Die Miete betrug 340 € warm.

Im Herbst 2003 kam erstmals ich mit ins Gespräch. In der Wohnung neben den beiden wohnte „der Alte“ – der Vater des Vermieters. Aus Altersgründen zog er ins Erdgeschoss des selben Hauses. Sven und Jörg haben mit dem Vermieter geredet und beschlossen, mit Steffi, einer Bekannten, in diese – wesentlich größere Wohnung umzuziehen. Nun boten sie mir und Felix – einem Freund von Sven – die kleine Wohnung an. So sollte es dann kommen. Die neue Wohnung kostete bei unklarer Größe (etliches war baulich verändert, überall Schrägen, kein Grundriss) 720 € warm.

Nun bewohnten ab Herbst Felix und ich die kleine Wohnung im 2. OG, Sven Jörg und Steffi die große (die sich sogar noch aufs Dachgeschoss darüber erstreckte). Unter uns wohnten die Söhne des Vermieters und im Erdgeschoss der Vater. Der Vermieter selbst bewohnte mit seiner Frau das Nachbarhaus.

Interessant an dieser „Gründung der großen WG“ war vor allem, dass die große Wohnung komplett zu renovieren war. Und komplett bedeutet komplett. Die Küche – der mit Abstand größte Raum in der Wohnung (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und Flur in einem) hatte noch keinen Boden, es musste hier und da gestrichen und tapeziert werden, etc. pp. Insbesondere beim Einbau des Küchenbodens halfen Jörg und Sven etliche Wochen mit und wurden damit belohnt, dass sie nur eine geringere Kaution zu bezahlen hatten. Zudem wurde im Mietvertrag natürlich angemerkt, dass die Wohnung unrenoviert übergeben wurde, und so auch wieder abzugeben sei. Desweiteren kündigte Dieter für die nächsten Monate bauliche Veränderungen an, insbesondere den Einbau dreier Dachfenster im obersten Geschoss.

Im Laufe der Zeit wuchsen die beiden Wohnungen zu einer WG zusammen, was aber im Mietvertrag nicht berücksichtigt war. Lange Zeit gab es zwei Mietverträge, und alle Bewohner hatten den jeweiligen unterzeichnet.

Bereits im ersten Jahr ging der in Eigenarbeit verlegte Küchenboden zu Bruch. Der Untergrund war uneben, weswegen die uneingelassenen Terracotta-Fliesen wackelten und an den Rändern splitterten. Unser Ansprechpartner in Wohnungsdingen war Dieter – seine Frau Petra hatte mit den Reparaturen nie was am Hut und Dieter war öfter da. Er wurde darüber informiert, er ärgerte sich auch, erkannte aber, dass es sicher am Verlegen des Bodens lag und die Worte „Scheiße, i hen dengt, des hält“ gingen in die WG-Geschichte ein. Die weiteren gravierenden Mängel der Wohnung kamen auch zur Sprache, letztlich wurde das aber mit einem „I mach des, wenn i mit meine Modore ferdig ben!“ seitens Dieter geklärt. Also so in etwa. Er hatte nie Zeit, aber auch unser Interesse war eher unzureichend. Die Bude bezog auch ihren Charme aus der Verratztheit.

Im Winter 2004/2005 kam dann ein wichtiger Schritt. Die WG war menschlich zusammengewachsen, aber baulich trennten uns zwei Wohnungstüren. Da wir den obersten Stock bewohnten – also außer uns niemand dort vorbeikam – fragten wir bei Dieter ein wenig unschuldig an, ob wir eine Wand ins Treppenhaus ziehen könnten, um die Wohnungen zu verbinden. Es folgte der Satz von Dieter, für den ich ihm bis heute sehr dankbar bin:

„Machte, was’r wollet, i stell euch’s Maddrial!“

Das beschreibt das Mieter/Vermieter-Verhältnis ganz gut. Wenn es irgendwas gab, dann fragte man nach, man klärte Dinge per verbalem Handschlag und mit Materialunterstützung eines Werkstattinhabers. Ebenso locker ging es eigentlich bei der Miete zu. Natürlich verzichtete Dieter nicht auf sein Geld, aber wenn es mal knapp war, dann kam die Miete mit 2 Wochen Verspätung bar gegen Quittung. Eigentlich ein sehr wünschenswerter Zustand.

Uns war klar, dass die Wohnung über dem Stuttgarter Mietspiegel liegt – und das bei miserabler Ausstattung – aber es war WG-Konsens, dass wir 100 bis 200 € im Monat dafür zahlten, alle Freiheiten der Welt zu haben. Dies wurde insbesondere dadurch begünstigt, dass die Söhne unter uns im gleichen Alter waren, der „Alte“ schwerhörig und unser Vermieter-Ehepaar nicht ohne Stolz verkündet hat, sie hätten ihr Schlafzimmer nicht ohne Grund nicht zu unserem Haus hin ausgerichtet…

Die Schäden in unserer Wohnung wurden eigentlich nie behoben. Für Kleinigkeiten erhielten wir Unterstützung in Form von Werkzeugen, aber eigentlich war es das schon. Wenn mal eine Heizung leckte, wurde der Alte hochgeschickt, der dann ein bisschen gewerkelt hat, aber die großen Dinge blieben ungeklärt. Z.B. der Küchenboden. Aber wir waren jung und bescheuert und für uns war es damals noch ein Grund für eine Party, als wir festgestellt haben, dass die Kabel, die in der Küche aus der Wand hingen, tatsächlich Strom führten. Wir haben zur Warnung einen Lampion hingehängt und Dieter Bescheid gesagt. Und der… der wollte das „demmnächscht amol“ machen.

Im Sommer 2005 gab es einen neuen Mietvertrag. Die Fluktuation in der WG war so hoch, dass es einfach nervig wurde, neue Mitbewohner immer wieder bei Dieter vorzustellen und auf einen Termin zu hoffen. Zumal bei Vertragsunterzeichnungen ja auch Petra dabei sein musste. Sven übernahm die Wohnung als Hauptmieter und bei Bedarf stellte er Untermietverträge aus. Wir durften nun also auch noch ein- und ausziehen lassen, wen wir wollten, alles war perfekt.

Es gab einmal Ärger wegen Beamtenbesuch bei einer Party, was allerdings eher so eine Kleinstadtgeschichte war. Dieter, Petra, die Söhne und der Alte haben gar nix ernstlich mitbekommen. Aber Petra hatte Angst um ihr Ansehen in der Nachbarschaft, sodass es tatsächlich zu sowas wie einer Abmahnung gegen Sven kam, was allerdings ein bedauerlicher Einzelfall bleiben sollte.

Im Oktober 2005 kam es zu einem Zwischenfall, der das Verhältnis sogar zwischen uns und Dieter nachhaltig schädigte. Bei einer (fantastischen 😉 ) Party wurde die Haustür mitsamt Scharnieren aus der Wand gebrochen. Die Schuldigen wurden nie zweifelsfrei benannt, aber wir gehen immer noch davon aus, dass es die Freunde von Freunden von unseren Freunden waren – kein Stammbesucher der WG hat jemals derartigen Mist gebaut. Dieter stellte uns eine recht saftige Rechnung aus. De facto haben er und sein Sohn in einer halben Stunde das Scharnier ausgetauscht, auf unserer Rechnung fanden wir nachher 4 Meister- und 2 Lehrlings-Stunden, was uns zuzüglich Material fast 200 € kosten sollte, obwohl nie zur Debatte stand, dass wir als Mieter ernstlich was mit dem Schaden zu tun hatten.

Bei der Gelegenheit bekamen wir auch eine neue Haustüre – was seit Monaten schon im Gespräch war – wobei es sich allerdings um die alte von Dieters Haus nebenan gehandelt hat, der sich eine – hübsche, wohlgemerkt – neue hat einbauen lassen. Dass die Tür nicht passte, und in der Hauswand von da an ein Loch von vielleicht 80 x 30 cm geklafft hat, das erst Monate später geschlossen wurde… das war irgendwie schon normal.

Als Sven dann im Juli 2006 seinen Auszug verkündete, war das Verhältnis auf der einen Seite zwar schon wieder in Ordnung, auf der anderen Seite waren die beiden Vermieter froh darum, dass ich den Part des Hauptmieters zu übernehmen gedachte. Ich habe bis dahin schon meist die Gespräche mit Dieter übernommen und zudem mochte Petra – die immer nur als aufbrausender Part bei Problemen in Erscheinung trat – mich offensichtlich mehr als Sven. Das war jedenfalls kein schlechter Schritt. Wenngleich es sicher auch daran lag, dass die beide nicht so recht dran glaubten, dass wir als WG immer gemeinschaftlich entschieden haben.

Als Svens Auszug im Raum stand, erwähnte Dieter, dass er vorhat, die Heizkosten wegen der Energiepreise anzupassen, was ernstlich unseren Widerstand auf den Plan rief. In der Erwartung, dass er dies im neuen Mietvertrag mit mir umsetzen wolle, haben wir uns erstmals kundig gemacht, einen Mietspiegel besorgt und uns vorbereitet. Dieter behauptete zwar nach wie vor, dass die Wohnung „eher zu billig“ sei, aber unsere Vermutungen bestätigten sich. Was gar nicht verwunderlich war, da Dieter ja zum Beispiel – und das ist kein Witz – wirklich nicht wusste, wie groß die große Wohnung eigentlich ist.

Bei unseren Berechnungen haben wir die Wohnungsgröße sowie die Ausstattung zu Dieters Gunsten aufgerundet und kamen auf das Ergebnis, dass die Wohnung mit ihren 860 € Kaltmiete exakt 50% über dem Stuttgarter Mietspiegel lag. Das ist exakt die Grenze zwischen Mietpreisüberhöhung und Mietwucher, die Grenze zwischen (eventuell) Ordnungswidrigkeit und Straftat. Diesen Mietpreis haben wir immer akzeptiert, gedachten auch nicht, daran was zu ändern – aber der geneigte Leser versteht vielleicht, weswegen wir als finanziell ständig klamme WG Einwände gegen eine Erhöhung unter den gegebenen Umständen hatten.

Derart bewaffnet haben wir dem neuen Mietvertrag aber gelassen entgegengesehen.

Sven zog bereits im August aus, der Vertrag lief allerdings noch bis Dezember 2006 auf ihn. Das stellte kein Problem für uns dar, da Sven zum einen in der Nachbarschaft eine neue Bleibe hatte, zum anderen auch nicht zu befürchten war, dass wir in seinem Namen irgendwelchen Mist bauen. Im Laufe der Monate kam es dann zur ersten Wohnungsbesichtigung seitens Dieter und Petra. Die beiden führten sich auf wie Feuer und Wasser, und es war geradezu niedlich, wie sie sich wiedersprachen. So zeigten wir den beiden beispielsweise den demolierten Küchenboden (ja, der war da immer noch kaputt!) und Petra fing an zu fauchen, dass das ja nicht verwunderlich sei, so oft wie wir hier Party gefeiert hätten etc. Dann kam Dieter und meinte lapidar: „Naja, aber laut’m Herschdeller solltet da LKW drüber fahre könne…“ Kurzum: Während uns ein zwei kleinere Mängel angelastet wurden, ging Dieter mit einer dicken Liste nach Hause, auf der stand, was er alles in den nächsten Monaten in den Wohnungen zu beheben hatte. Zum Beispiel den Austausch eines Küchenbodens, das Fliesen eines Klos, die Befreiung einer Dusche von Schimmel, Feuchtigkeit im Dach etc.

Kurios war, dass wir hier das erste Mal erfahren haben, warum in einem der drei Klos die Heizung nicht funktioniert:

„Die hen i amol abklemmt, weil d’r Druck net g’reicht hat…“

Von seit 3 Jahren versprochenen Dachfenstern war da schon nicht mehr die Rede…

So langsam kommen wir also an den Punkt, an dem ich die Wohnung übernommen habe. Es gab eines der berüchtigten Treffen im Nachbarhaus unter einem kleinen angebauten Dach, das den örtlichen Behörden wegen schon lange abgerissen hätte werden müssen. Petra palaverte locker über die Schulden ihrer Söhne und den aktuellen Fuhrpark (diese Familie besitzt ja 54 motorisierte Sitzplätze für höchstens 8 Leute) und so wurde bei Kerzenschein Svens Mietvertrag gekündigt und geklärt, dass die Kaution auf mich überschrieben wird.

Der Mietvertrag für mich kam damals noch nicht zustande, weil – soweit ich mich erinnere – gerade keine Vordrucke zur Hand waren. Das war nicht weiter schlimm, schließlich war es bis zum Jahreswechsel noch zwei oder drei Monate hin, und bis dahin würde man das schon klären. Alles war wieder wie früher! Planlosigkeit, Freundlichkeit und keine überbordende Genauigkeit. Eigentlich nicht schlecht.

Dann aber kam die Terminnot. Dieter und Petra schafften es trotz mehrmaliger Anfrage nach einem Termin nicht, sich mal für eine halbe Stunde mit mir zusammenzusetzen, um den Vertrag klarzumachen. Zum einen waren wir froh darum, weil sich damit natürlich auch die Frage nach der Erhöhung der Nebenkosten aufschob und keiner von uns Bock hatte, gleich zum wiederholten Einstand einen Streit vom Zaun zu brechen. Zum anderen waren wir vielleicht ein wenig naiv und zu gut für diese Welt – aber dass eine rechtliche Handhabe nie schlecht ist, war uns ja durchaus auch bewusst.

Und es wurde 2007…

Während alle WG-Bewohner sich irgendwo ins neue Jahr soffen, erlosch quasi der Mietvertrag für unsere Wohnung. Unter den gegebenen Umständen fürchteten wir zwar nicht gerade eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch oder etwas ähnlich fieses, aber natürlich hatten wir Bedenken. In der Folgezeit (unter mehrmaligem Nachfragen nach einem Termin für die Vertragsunterzeichnung) haben wir durchaus recht genau darauf geachtet, dass die Miete pünktlich war und die Parties nicht allzu sehr aus dem Ruder liefen. Mit Erfolg.

Nebenbei muss ich aber anmerken, dass wir die Situation aufgrund ihrer Absurdität durchaus als tierisch komisch empfanden. Witze darüber waren an der Tagesordnung.

Bereits im Frühjahr standen dann alle Zeichen auf Auszug. Während davor noch die Option bestanden hätte, dass nur ich mit Ozie nach Berlin ziehe, zeichnete sich schnell ab, dass alle bisherigen Bewohner die WG verlassen würden. Irgendwann gegen Semesterende bei Ozie. Wir haben Dieter vielleicht 5 Monate vorher informiert, und obwohl wir von ihm die Zusage hatten, dass das so in Ordnung wäre, haben wir das Mietverhältnis ordnungsgemäß mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten schriftlich gekündigt. Der Mietvertrag war damit mehr oder minder in Übereinkunft mit beiden Seiten gestorben. Für die paar Wochen noch?

Unsererseits begann jetzt das große Betteln. Da es dieses Mal einen endgültigen Auszug geben sollte – zudem einen, bei dem man nur schwerlich im Nachhinein noch mal kurz zum Renovieren vorbeikommen kann, beharrte ich auf einer erneuten Wohnungsbesichtigung, um zu wissen, um was wir uns noch kümmern müssten. Auch dies geschah sicher 5 Monate vor dem Auszug. Dazu dauerte es Wochen, bis er uns für unsere neue Wohnungsbaugesellschaft eine Mietschuldenfreiheit mit einer Unterschrift bestätigte. Und ja: Ich meine wirklich Wochen! Und dennoch ist die Unterschrift seitens Petra ausgeblieben – ohne übrigens dass es Fragen zur Tatsache der Mietschuldenfreiheit gegeben hätte. Es war eine Formalie, mehr nicht.

Ebenso wie zuvor die Vertragsunterzeichnung gestaltete sich nun die Wohnungsbegehung als schwierig – nein, als unmöglich. Wir haben mehrmals erwähnt, dass wir weit weg ziehen, und eventuelle Renovierungsarbeiten zwingend vorher erledigen müssten. Irgendwann (wahrscheinlich von meinen Anfragen genervt) meinte Dieter:

„Alles, was ihr heh g’macht hen, müsset’r richde!“

Danke! Naja, immerhin hatten wir ein Jahr zuvor eine Wohnungsbesichtigung, also ließen sich einige der zweifelsohne zahlreichen Schäden ausschließen. Das bitterste war, die ins Treppenhaus eingezogene Wand wieder einzureissen. Ein paar Tage später kam dann von Dieters Seite (offenbar auf Petras Anweisung hin) noch der Wunsch dazu, die Wohnung sei besenrein zu übergeben, Bad und Klo geputzt. Wow! Überraschung!

Im Gegenzug sei erwähnt, dass Dieter von den sicher 7 oder 8 Mängeln, die er beheben sollte und wollte, keinen behoben hatte. Einmal kam sein Sohn zu uns hoch und hat angefangen, die Dusche vom Schimmel zu befreien. Wohlgemerkt: Angefangen. Die Situation blieb offen mit einem „Haltet die Dusche frei, ich mach des demnächst!“, was wir zwei Monate später übergingen und dort unser Pfand einlagerten.

Der Umzug gestaltete sich schwer, da wir letztlich  zu dritt eine vollgestellte Wohnung mit 120 m² Bodenfläche auflösen mussten. Die Anzahl der Helfer war überschaubar, wenn auch deren Engagement groß! Unsere Zeitpläne gerieten täglich durcheinander, und dennoch schafften wir es am Ende. Selbst ein paar Kleinigkeiten richteten wir, und seit der Alte die Bude bewohnt hatte, war sie nie so sauber.

Die Schlüsselübergabe war natürlich für den allerletzten Nachmittag geplant. Das war eigentlich nicht nötig, da es sich sowieso nur um eine symbolische Geschichte handelte, da ich die Nacht danach noch alleine in der Wohnung verbracht habe. Aber damit enden die Kuriositäten natürlich nicht. Im Laufe des Nachmittags – den wir noch schwer am Putzen waren – erfuhren wir dann, dass Petra einen Autounfall hatte. Nicht, dass ich ihr da eine Absicht unterstelle, aber es war bezeichnend, dass sie – die sich nur einmal pro Schaltjahr mit der Wohnung beschäftigt, nun der Grund war, dass die Übergabe/Besichtigung nach hinten verschoben werden musste.

Dies ist keine lächerliche Nebensächlichkeit, da uns in der Wohnung selbst die Malerfassungen gehörten, und wir die artig verpackt und im Bus verstaut hatten. Der Abend bot einfach recht wenig Licht für eine Besichtigung…

Es kam zunächst wie es kommen musste. Petra hatte noch beschissenere Laune als sonst und tobte sich von einem Zimmer ins nächste und bemängelte, dass wir nicht gestrichen hätten, die Dübellöcher müssten wir auch noch zuspachteln etc. Die Krönung des ganzen war ein kurzer Dialog von solch primitiver Einfachheit, dass ich ihn bis heute nur schwer vergessen kann:

Sash: „Sorry Petra, aber dass wir das machen, war nicht ausgemacht.“
Petra: „Ach, des steht alles im Mietvertrag!!!“
Sash: „Wir haben keinen…“

Danach war es ruhig, bald ist Petra auch verschwunden, und wir haben mit Dieter alles weitere in Ruhe bequatschen können. Zwei Dinge hatte er zu bemängeln, und zwar ein Spiegel an einer Tür – der wirklich nicht mehr abging. Da müsste er das Türblatt ersetzen – aber das würde 50 € kosten. Dann fehlte an der wegen des Schimmels nicht mehr genutzten Dusche eine Plastikklinke – wahrscheinlich nicht mal im zweistelligen Bereich.

Dieter bekam Adresse, Kontonummer, bla keks. Alles nett und friedlich. Die Zählerstände wurden für Unklarheiten notiert und nach ein paar schweren Stunden des Abschieds, ein paar Bierchen in meiner Stammkneipe, einmal Verschlafen, einem Verspäteten Auftauchen des Fahrers und vielen vielen Gedanken, die alle nichts mit einer Kaution zu tun hatten, bin ich nach Berlin aufgebrochen.

7 Tage später sind die Nachmieter in die kleine Wohnung eingezogen.

Ja, und dann folgten 5 und 6 Monate später unsere Anfragen per Brief. Beantwortet wurde nur die zweite, wesentlich aggressivere mit der Bitte um „ca. 4 Wochen“ Geduld, bis dahin hätten sie die Endabrechnung – die wegen der „doch zahlreichen Schäden und Hinterlassenschaft“ so lange angedauert hat.

Ziemlich exakt ein Jahr nach diesem Brief haben wir den Mahnbescheid beantragt. Mehr Geduld ist nicht.

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27 Comments

Filed under Feinde, Mein Haushalt, Vermieter, Vermischtes

27 Responses to Kaution reloaded

  1. Bin mal sehr gespannt, was dabei jetzt herauskommen wird.

  2. @M.i.M.:
    Da bist du nicht alleine 🙂

  3. Leini

    Ich hoffe du hast die wenigen schriftlichen Unterlagen von damals noch. Son bißchen Beweislast vor Gericht wär schon gut.

  4. Ich hab mir tatsächlich alles durchgelesen. 😀 Solche Geschichten kenn ich aus meiner 1. Wg. Das war eine ähnliche Bruchbude. 😉

    Generell gilt, wenn Du in einer Wohnung weiter wohnst ohne daß der Mietvertrag verlängert wird, besteht der alte Mietvertrag weiter. Punkt. Ist gesetzlich so geregelt. Ihr habt da nicht illegal gewohnt.

    Wenn Du an den Sven die Kaution gezahlt hast, wär’s gut, wenn Du einen Nachweis bringen könntest. Und schau Dir den alten Mietvertrag an, was da drinnen steht von wegen Auszug und besenrein oder Malern etc.

  5. Marcus

    Mit dieser Einmaliger Geschichte…..hast du meinen Abend gerettet 😉

  6. @Leini:
    Ich hab nicht nichts, aber dicke siehts nicht wirklich aus. Aber zunächst hängt es mal von Dieter ab, und dem was er jetzt macht.

  7. @Trixi:
    Dann wirst du sicher auch verstehen, warum ich’s nicht wirklich bereue. Hatte ein paar sehr geile Jahre dort und da will ich gar nicht drüber streiten, ob die Wohnung jetzt „eigentlich“ unzumutbar war. Für uns war sie’s nicht und damit ist gut.
    Dass der alte Mietvertrag weiter besteht… und das gilt auch für einen personellen Wechsel? Ich hab meine Zweifel. Ich meine, dass wir ein Mietverhältnis hatten, ist unbestritten. Ob ich aber Details aus einem Mietvertrag für eine andere Person – der zudem ordnungsgemäß gekündigt wurde – als gültig für meinen reklamieren könnte? Ich bin hier nicht der juristische Experte, aber auf wackligen Beinen steht das mindestens, das muss ich schon zugeben.

  8. @Marcus:
    Na dann bin ich ja froh. War auch anstrengend genug, sie mal „kurz“ zu schreiben. Das Durchleben hat wahrscheinlich mehr Spass gemacht 🙂

  9. @all:
    Ich möchte übrigens für meine geistesumnachtete Sprichwortneuschöpfung im ersten Absatz (Ein Bild auf eine Sache werfen) irgendeinen Preis haben!
    🙂 🙂 🙂

  10. Basti

    Hallo Sash,
    habe mir alles nochmal durchgelesen. Das ist ja ein kleines „Buch“. Ich sage mal so. Eigentlich habt ihr euch wie ganz normale Bewohner benommen. Wo werden keine Paty`s in Jugendbuden gefeiert. Das da auch mal was zu Bruch geht ist auch normal.Auch wenn ihr nicht dran Schuld gewesen seid. Die Mängel die ihr dem Vermieter gesagt habt waren ja auch heftig und nichts hat sich getan. Eigentlich gab es ja auch immer eine Lösung, die mal für den Vermieter und für euch zugunsten ausging. Für euch meine ich, das ihr machen konntet was ihr wolltet. Mir wäre es wahrscheinlich auch so gegangen wie euch. Hundertmal gefragt, immer vertröstet und irgendwann ist der Tag X da. Ab dann gehen die eigentlichen Probleme erst los. Aufjedenfall drücke ich dir die Daumen!!!!

  11. @Basti:
    Danke!

    Ein niedliches Detail, das ich ganz vergessen habe (ein bisschen was zum Lachen): Im letzten halben Jahr ist mir ein Fenster kaputt gegangen. Die Fenster in der kleinen Wohnung waren technisch noch auf dem Stand von 1850, also quasi mundgeblasen mit Einschusslöchern aus 2 Weltkriegen…
    Nein, also sie waren alt. Als ich das in meinem Zimmer mal zugemacht habe, ist mir die äußere von immerhin 2 Scheiben einfach aus dem Rahmen gebröselt. Soweit, so witzig.
    Dieter fand das nicht sonderlich schlimm – schließlich wollte er die Fenster ja längst mal auswechseln. Eines Tages kam dann sein Sohn hoch und hat das alte Fenster aus der Wand geschlagen. Also so richtig schön, wie es Spaß macht. Mit Vorschlaghammer…
    Das neue Fenster war im Vergleich zum alten traumhaft und eine Augenweide, nur leider leider… was hab ich über die „neue“ Haustür geschrieben?
    Also letzten Endes hatte ich bis zu meinem Auszug (und wir denken noch einmal daran, dass es Oktober war, und die Nachmieter just für die Kleine Wohnung 7 Tage später eingezogen sind) ein Stück Styropor (!) als Ersatz für ein Stück Außen-Wand (!) in meinem Zimmer. Monatelang. Gut, dass ich im Sommer nicht heize…
    Würde mich nicht wundern, wenn es da immer noch wäre…

  12. Basti

    @Sash,
    eigentlich ist es nicht zum lachen. Aber ich musste trotzdem!!! …und wie. Was hat der Typ sich eigentlich gedacht? Wie sieht das denn auch von draußen aus. Da gibt es sicherlich Leute die den Herrn „Vermieter“ kennen und wissen das es sein Haus ist.Ich könnte mir aber vorstellen, das er es auf die „Mieter“ geschoben hat. Na ja…….

  13. @Sash und Basti:
    Drei wichtige Details fehlen in dieser netten Geschichte (die unsere Mietsituation wirklich gut beschreibt) noch.
    1. Zwischen dem Zerbersten der Fensterscheibe und dem einsetzten des neuen lagen Monate… Lange Zeit bestand das Fenster aus einer Schicht Glas und einer Schicht Mülltüte. Immerhin war Sommer.
    2. Als das Fenster nicht passte, wurde zuerst mal das Alte mit ein paar Nägeln wieder eingesetzt. Öffnen oder Schließen war schon gefährlich. Erst ein paar Tage später kam die professionelle Variante mit dem Styropor.
    3. Das Styropor sollte natürlich nur eine Übergangslösung sein, bis ein halbes Jahr später die Fassade gemacht wird. Naja und nach einem Jahr sind wir dann ausgezogen… Vielleicht steckt es da immer noch.
    Und was lernen wir daraus?
    Nur Looser messen vorher aus.

  14. @Basti:
    Wie das von außen aussah, hab ich leider nie begutachtet. Werde ich aber nachholen, falls ich zum Verfahren in Stuttgart sein werde. Bilder sind dann selbstverständlich auch drin.
    Was die Nachbarn anging: Wenn ich ihm glauben kann, dann hat er’s eh nicht leicht dort, weil die meisten anderen Häuser in dem Block einer anderen Familie gehören, die auch Interesse an diesen beiden hatte. Und nun haben meine Vermieter die Buden und werden gerne dafür beschimpft, dass sie die Häuser verkommen lassen. Man darf ja nicht den Geist der schwäbischen Kleinstadt in Stuttgart vergessen…

    Ansonsten: Ozie hat Recht – habs gerade an Bildern nachgeprüft – das Ganze mit dem Fenster ist schon mehr als ein Jahr vor dem Auszug geschehen, und zunächst wurde auch tatsächlich wieder das alte Fenster eingesetzt. Die Details verlieren sich leider ein wenig in meinem Gehirn…

  15. @Basti:
    Ach ja, extra für dich: Der nächste Eintrag!

  16. Nihilistin

    Moin Sash, langsam bekommen Deine Beiträge Roman-Niveau 🙂 Sehr unterhaltsam, wenn auch aus Mietrechts-Sicht ziemlich erschütternd. Darf ich als ehemalige Hausverwalterin so sagen….
    Zum Thema „Mietvertrag“ muss ich aber Trixi korrigieren: Der alte Mietvertrag hat nicht einfach „weiterexistiert“, insbesondere da der alte mit einem anderen Mieter abgeschlossen war und ordnungsgemäß gekündigt wurde. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass ihr nicht illegal gewohnt habt, sondern einen mündlichen Mietervertrag hattet. Das ist rechtmässig und erlaubt und kommt häufiger vor als man denkt. Das kann auch jahrzehntelang gut gehen, solange man sich nicht streitet. Dann gehts nämlich darum, was in dem mündlichen Mietvertrag vereinbart war – und das können beide Seiten dann nur behaupten oder mit Zeugen belegen, und das Gericht muss dann abschätzen, welchen „Inhalt“ der mündliche Vertrag nun wirklich hatte. In eurem Fall gibt es nun genug Interpretationsspielraum, welcher hier den Blograhmen sprengen würde. Solltest Du da jemals nochmal Input benötigen, sag Bescheid….
    So, und jetzt geh ich mir die Fotos der Bruchbude anschauen.

  17. @Nihilistin:
    Ja, so hab ich das auch allerorten nachgelesen. Nur stand da immer irgendwas von „Ein mündlicher Vertrag hat keine Gültigkeit, wenn ein schriftlicher im Raum stand“ oder so.
    Aber um mal wieder auf das Verfahren zurückzukommen: Laut meinem Verständnis für die einschlägigen Paragraphen sind seine Ansprüche – so er sie denn hatte – verjährt. Mein Anspruch auf die Kaution nicht. Das ist ja der eigentliche Punkt. Und ich denke für die Existenz der Kaution habe ich genug Beweise.

  18. Nihilistin

    Ach Sash, Du hast ja recht. Recht ist schwierig 🙁
    Ich gehe trotzdem von einem gültigen mündlichen Mietvertrag aus, meiner Meinung nach sind seine Ansprüche verjährt.
    Also – dann noch in langer Geduld üben, falls es zu einer mündlichen Verhandlung kommt, und alles wird gut 🙂

    PS: Taxi fährst Du aber schon noch, gell? Ich warte auf die nächsten erheiternden Geschichten 😉

  19. @Nihilistin:
    Ich bin gerade ziemlich arbeitsfaul… aber es kommt bestimmt bald wieder was. Versprochen!

  20. @Sash und @Nihilistin
    soweit ich weiß, tritt im Falle eines sog. mündlichen Mietvertrages der gesetzlich vorgeschriebene Mietvertrag in Kraft. Das ist sozusagen ein „Minimalvertrag“. Wir hatten die Situation auch bei uns in der WG.

    @Sash
    Du könntest viell. ein zusätzliches Plugin installieren: Bei neuen Kommentaren per email benachrichtigen. Ich abonnier der Kommentarfeed äußerst ungern. Der Feedreader platzt eh schon aus allen Nähten. 😉
    http://wordpress.org/extend/plugins/subscribe-to-comments/

  21. @Trixi:
    Wenn das so ist mit dem Vertrag, dann ändert das ja genau genommen gar nichts, bzw. bestätigt höchstens die gesetzlichen Verjährungsfristen. Ich bin mir sicher, dass ich bei der Geschichte nicht am Ende zum Zahlen von irgendwas verdonnert werden kann.

    Und nach dem Plugin wollte ich schon irgendwann mal suchen. Ich schau gleich mal, ob es funktioniert 🙂

  22. @Trixi:
    So, sollte eigentlich funktionieren. Kompatibel bis WP 2.3.1… Pah! Wer nicht wagt…

  23. >>Wenn das so ist mit dem Vertrag, dann ändert das ja genau genommen gar nichts<<
    Genau. Wenn Du in einer Wohnung gewohnt hast und de facto der Hauptmieter warst, hast Du auf jeden Fall einen Mietvertrag. Auch wenn es schriftlich keinen gibt.

    >>Kompatibel bis WP 2.3.1… Pah! Wer nicht wagt…<<
    Wenn’s funzt, dann funzt’s. Cool, danke. 😉

  24. @Trixi:
    Ja, was das Gericht angeht: Mal sehen.
    Und das Plugin: Funzt offenbar! Recht so!

  25. Joni

    Na dann viel Erfolg beim „eintreiben“ 🙂

  26. @Joni: Werden wir haben 🙂

  27. Mia

    Seltsam, dass der Vermieter keine Fensterreparatur veranlasst hat. Manchmal gibt es schon seltsame Mietverhälnisse. Bekannte aus Wien hatten es da leichter. Der Vermieter hatte das defekte Fenster gleich anstandslos austauschen lassen.

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