Der Ungültig-Balken

Hier mal wieder was für die Kategorie „Fremde Texte“. Leini hat in den Kommentaren vor einiger Zeit schon geschrieben, dass es – wenn man die Politik hierzulande – vereinfacht gesagt – scheisse findet, sinnvoller ist, ungültig zu wählen als nicht wählen zu gehen. 15 gut investierte Minuten und zudem ein Akt, bei dem man so kreativ sein kann wie man will – mit dem Nachteil, dass es niemanden mehr interessieren wird, wenn es vollendet ist.

Wie dem auch sei: Dem Aufruf kann ich mich anschließen – und der Ungültig-Balken wäre es schon wert 🙂

Trotzdem nochmal ganz klar: Der Text ist nicht von mir geschrieben!

Die Rechtschreibung wurde behutsam modernisiert 😉

Leini schreibt:
Da ich hier ein größeres Publikum habe als auf meiner Homepage, nutze ich diese Möglichkeit um einen kleinen Aufruf zu starten:
Am 27. September sind Wahlen. Die Wahllokale sind in Eurer Nähe, also geht hin. Und wenn ihr aus Wut, Frustration, Resignation oder warum auch immer niemanden wählen wollt, dann wählt ungültig. Besser als in der Masse derer zu verschwinden, die von den Machthabern als “politikverdrossen” bezeichnet werden. Das Ziel muß sein ein Balken mit “ungültig” in der ARD-Hochrechnung.
Sagt das weiter, lasst uns dieses Prjekt angehen. Es wird Zeit für ein Änderung. Nicht dass ihr mich falsch versteht. Ich möchte nicht das System stürzen. Ich finde die Grundpfeiler unserer Gesellschaftsordnung nicht perfekt, aber was besseres haben wir noch nicht gefunden. Und bis dahin müssen wir aus dem was wir haben das Beste rausholen, auch wenn ich mich jetzt anhör, als würde ich ein CDU-Plakat zitieren. Wenn wir es schaffen, ein deutliches Zeichen zu setzten, dass wir keine der Alternativen haben wollen, vielleicht fängt dann sich was zu bewegen. Ich will hier keine Utopien verbreiten. Es wird sich nicht sofort was ändern, aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wir sind dran, die nächste Generation.
Also “Fuck the system, wenigstens ein bißchen” (Sash wer war das fettes Brot, Blumentopf? Füg doch bitte das richtige ein)
[Blumentopf, „Fuck the System“ von der LP „Grosses Kino“ – Sash]

Der Leini

Ich danke Sash für die Möglichlkeit das zu verbreiten und fürs Korrektur lesen. Mal wieder aber diesmal nicht ganz soviel :-D

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27 Comments

Filed under Fremde Texte

27 Responses to Der Ungültig-Balken

  1. Ich stimme dem mal gar nicht zu. Es gibt so viel Möglichkeiten, eine Partei zu wählen. Für die Bundestagswahl kandidieren 27 Parteien, da ist auf jeden Fall 1 dabei, die für jeden einzelnen wählbar ist. Es redet keiner von „etablierten“ Parteien.
    Und da gerade von Blumentopf die Rede ist: die haben sich auch für die Wahl zu Wort gemeldet: http://www.youtube.com/watch?v=W96c9uVlhlE
    Den Aufruf würd ich beherzigen. 😉

  2. P.S.: … denn es ist nicht selbstverständlich, daß wir wählen können. 😉

  3. @Trixi:
    Ich würde dazu zwei Dinge anmerken:
    Zum einen richtet sich der Aufruf an die Leute, die sonst nicht wählen gehen würden. Und ich fände es wenigstens ein ehrliches Abbild der Stimmung in der Bevölkerung, wenn wir einen 40%-Balken in der Hochrechnung hätten, auf dem groß „Fuck you all!“ steht.
    Denn es ist realistisch betrachtet Unsinn, dass irgendeine der bis jetzt wahrscheinlichen Koalitionen eine Mehrheit hat. Aber dadurch, dass die Unzufriedenen oft zu Hause bleiben, wird das Bild doch verzerrt.
    Dass es ein Problem darstellen würde, will ich nicht bestreiten. Der Witz daran ist: Dieses Problem haben wir schon – das entsteht nicht dadurch, dass die Unentschlossenen jetzt ungültig wählen statt gar nicht.

    Im Übrigen kann ich den Aufruf von Blumentopf auch unterschreiben, er sagt ja kaum was anderes.

    Dass man sein Recht zu wählen nutzen sollte, ist unbestritten, und genau dafür steht dieser Beitrag. Dass für jeden was dabei ist, halte ich für etwas übertrieben. Wenn ich z.B. den Wahl-o-Mat anschmeisse, hab ich am meisten Übereinstimmungen mit der DKP. Herzlichen Dank! Ich halte nämlich nicht viel vom Kommunismus.

    So traurig es ist, aber ich kann mich auch mit einer typischen „Kleineres-Übel“-Wahl arrangieren. So ziemlich jede Partei vertritt aber irgendein in meinen Augen nicht diskutables Übel – und ich bin mit Sicherheit nicht dafür bekannt, dass ich keine Kompromisse eingehen kann.

  4. Ich finde diesen Aufruf nicht schlecht. Denn er zeigt, dass es keinen Grund gibt nicht zur Wahl zu gehen.
    Wenn man keiner Partei seine Stimme geben möchte, hat man auch eine Wahl und kann das so deutlich machen.

    @Sash: Es gibt leider keinen Direktkandidaten der DKP in deinem Wahlkreis.

    @Trixi: Bei der Zweitstimme hat man eine große Auswahl und dennoch kann ich mich nur mit Zähneknirschen mit einer anfreunden. Bei der Erststimme wird es wirklich schwer, denn da hat man meist wenig Auswahl.
    Ich bin dafür, dass man wählen sollte, aber ich glaube jedem, der sagt, dass er keiner der aufgeführten Parteien seine Stimme gönnt.
    Denn es geht nicht um das kleiner Übel, sondern um meine Stimme für jemanden, dem ich erlaube meine persönliche Meinung in unserer Regierung zu vertreten.
    Es geht um den Vertreter meiner Person und da gibt es Millionen, denen ich das nicht zutraue.

  5. Marcus

    Habt ihr dreimal schlauen schonmal dran gedacht, das man mit jeder ungültigen Stimme nur noch mehr der aktuellen Regierung in die Hände spielt……zumal es doch sehr zweifelhaft ist, so mehr Wähler zur Wahl zu bekommen, da diese schluss endlich zu über 90% eure Message garnicht erreicht.

    Ich wähle aufjedenfall lieber eine Protestpartei die zu einem hohen Prozentsatz nicht die 5% Hürde erreicht, bevor ich garnichts bzw. ungültig wähle.

  6. @Marcus: Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass Du es für falsch hältst ungültig zu wählen. Aber warum spielt man der aktuellen Regierung in die Hände?
    Wenn ich mich nicht irre, ist es rechnerisch egal ob ich ungültig, nicht oder eine kleine „Protestpartei“ wähle.

  7. Marcus

    Ich denke/glaube das zu einem hohen Prozentsatz immer die gleichen Personen wählen gehen bzw. zuhause bleiben, und genau dieser hohe Prozentsatz wählt entweder aus Sturheit/Unwissen ich schätze mal zu ca. 85% immer die selbe Partei. Somit ist also ganz klar, das ohne eine hohe Anzahl an Neuwählern keine neue Regierung zu Stande kommt.

    So sehe ich das zumindestens.

  8. @Ozie:
    Rechnerisch wirkt sich das Nichtwählen natürlich schon aus. Da die gleiche Anzahl an Stimmen für Partei X prozentual weniger wert ist.
    Ungültig oder chancenlose Protestpartei sollte sich nichts schenken.

  9. @Marcus:
    Den „großen“ Parteien, sprich: Der Regierung, spielt man immer in die Hände, wenn man irgendwas „chancenloses“ wählt.
    Wenn Schwarz-Gelb auf 51% kommt, ist es letztlich egal, ob 3% der restlichen Wähler links, rechts, lila oder ungültig gewählt haben.
    Die Wahrscheinlichkeit, eine Regierung abzuwählen, ist wohl mit allen diesen Methoden nicht wirklich drin, da sich irgendeine Koalition aus CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP noch eine Weile lang immer ergeben wird. Und bevor die Piraten oder die Grauen, die NPD oder die DKP ins Parlament einziehen, koaliert sogar Westerwelle mit Lafontaine – da bin ich mir sicher!
    Der Aufruf besagt ja auch nur, dass man eben nicht nicht wählen sollte, sondern wenn man schon keine der etablierten Parteien (und auch keine der kleinen) mit seiner Stimme beehren will, wenigstens die Chance ergreift, diesen einen kleinen Anteil der abgegebenen Stimmen abspenstig zu machen.
    Sonst sorgt eben genau die auch von dir bemängelte niedrige Wahlbeteiligung für Freude unter den bekannten Gesichtern.

  10. Nihilistin

    Seit ich wählen darf, habe ich keine einzige anberaumte Wahl verpasst. Ich habe ein einziges Mal „ungültig“ gewählt – das war im Frühjahr 1989, und um „ungültig“ auf den Wahlzettel zu schreiben, bin ich extra in die Wahlkabine gegangen. Wer wie ich im Osten groß geworden ist weiss, dass das bereits ausgereicht hat, um namentlich notiert und auf die Liste von „Horch und Guck“ gesetzt zu werden.
    Vermutlich durch meine Ost-Sozialisation halte ich Wahlen nach wie vor für ein Mittel, sich wenigstens ein Fünkchen an dem Ding, das sich Demokratie nennt, zu beteiligen. Vielleicht weiss man es erst zu schätzen, wenn man jahrelang in einer Diktatur gelebt hat.

    Whatever: Für mich persönlich lautet der Grundsatz bis heute, bei jeder Wahl meine Stimme der Partei zu geben, die meinen Idealen am nächsten kommt. Manchmal halt auch zähneknirschend.
    Aber für all die, die das nicht tun wollen (also keine Partei ihre politische „Heimat“ nennen können und wollen), halte ich den Gang zur Urne (bzw. zum Briefkasten) mit einer ungültigen Stimme für legitim; ist es doch das genaue Gegenteil der üblichen „Politikverdrossenheit“, die m.E. aber auch einen fatalen Hang zur Ignoranz und zur Passivität hat. Ungültige Stimmen zeigen meiner Meinung nach den politischen Parteien sehr genau: Hier sind Leute, denen geht es nicht am Ar…. vorbei, was ihr macht. Die sind nur nicht damit einverstanden, was ihr macht. Und das könnt ihr sehen.
    Ungültig wählen ist zwar für mich persönlich keine Alternative (mehr), aber Ungültigwähler sind mir allemal lieber (eben weil sie eine Stellung beziehen) als die ewigen Jammerlappen „die da oben…ist doch eh egal…..keene Lust“.

    Apropos „Wahl-O-Mat“: Habt Ihr mal beim Vergleichen der Übereinstimmung der Parteien (8 darf man, glaub ich, zum Vergleichen auswählen) auch mal die Fascho-Parteien mit aufgerufen? Hab ich bei einem zweiten Durchlauf dieses Jahr mal gemacht und war erschüttert, dass die auf meiner Übereinstimmungsskala im Mittelfeld lagen. War nochmal ein wichtiges Zeichen für mich, dass sie sich zunehmend Themen aneignen (und dazu zumindest theoretisch eine akzeptable Stellung beziehen), die eher aus anderen Ecken zu erwarten sind. Ein weiteres Indiz dafür, dass sie sich und ihre Naziideologie immer besser verstecken können und dafür sorgen, dass sie sich zumindest auf Landesebene dauerhaft etablieren….

  11. @ Nihilistin: Ich fand es auch erstaunlich, dass ich mehr Übereinstimmung mit der NPD hatte, als mit der CDU. Gut, ich würde keine von beiden wählen, aber das Ergebnis hat mich dann doch etwas erschreckt.

  12. @Nihilistin:
    Meine Meinung! 🙂

    Zum Wahl-o-Mat: Ich hab es nicht ausprobiert, habe aber bei den Fragen sowas erwartet. Liegt zum einen natürlich an den von dir benannten Ausbreitungen der Braunlinge auf fremden Liegestühlen – zum anderen aber eben auch an der Auswahl der 38 Fragen.
    Die Welt säh sicher anders aus, wenn eine Frage à la „Abgelehnte Asylbewerber schneller abschieben“ gestellt wird und man die doppelt bewerten würde…

  13. @blauerblubb:
    Wie ich zu Nihilistin schon geschrieben hab…
    Anders kam ja auch meine Bevorzugung der DKP nicht zustande. Das ist ja das Traurige. Selbst die größten Deppen haben sich auch schon mal hinter eine clevere Idee gestellt – sie meinetwegen sogar angestoßen. Über das große Ganze sagen Sachfragen dann aber eben doch nicht so viel aus.

  14. Der Leini

    @Marcus
    Ob du jetzt eine „protestpartei wählst oder ungültig ist das Selbe. Du gibst deine Stimme so ab das sie nicht im Bundestag in Erscheinung tritt. Jede Stimme wird gezählt ob gültig oer ungültig.

  15. Der Leini

    Allgemein noch was zum sagen:
    Ich beschäftige mich immer schön brav mit den Nachrichten. Letztens hieß es das „Die Linke“ Stimmen gewonnen hätte weil sie sagt raus aus Afghanistan. Paar Tage später tönen SPD und CDU dem ganzen nach und sage bis 2013 raus aus Afghanistan. So lange die ihr Fähnchen immer schön in den Wind hängen, weiß ich ja nicht was ich hinterher krieg. Ich hab einfach keine Lust mehr „die Katze im Sack“ zu wählen.
    Ich sehe da ein grundsätzliches Problem in unserer Gesellschaft.
    Ich versuch es mal aus Sicht meiner Proffesion (Pädagogik) zu beschreiben. Abgesehen davon wie grad mit den Kindern und der Jugend umgegangen wird, wie soll ich denen Ehrlichkeit und soziales Verhalten (andere nennen das Moral) beibringen, wenn die Machthaber in unserem Land, Politik und Wirtschaft, ihre Macht durch Lügen und Betrügen erhalten. In der Politik hab ich zurzeit keine vernünftige Alternative und kann das nicht anders klar machen als meinen Stimmzettel ungültig zu machen. In der Wirtschaft hab ich die Entscheidung wem ich mein Geld gebe. Und jeder der sein Geld zum Discountbäcker trägt hat eine Mitschuld an der Arbeitslosigkeit in diesem Land. So kurz abgeschweift zurück zu Thema Politik. Diesen Blickpunkt aus der pädagogischen Richtung kann man auf andere Gebiete ummodeln. Betrügerien bei ALG oder Steuerhinterziehung etc. Die machen es uns doch vor.
    Wegen des WahlOmats, ich hab aus Spaß die NPD mitreingenommen. Die is bei mir auf Platzt 2 kurz hinter den Linken und punktgleich mit der SPD gelandet. Das zeigt wie plakativ selbst eine so gut gemeinte Sache wie der WahlOmat ist. Wenn man da SPD/Linke und NPD kaum unterscheiden kann. Aber deswegen auch die Auswahl der Parteien dann kann man seine eigene Ideologie berücksichtigen.
    So genung gemekert und aufgeregt.
    Bis dann
    Der Leini

  16. Marco

    @all: Die Ausgangsannahme, ungültig wählen hätte eine andere Wirkung als nicht wählen, ist falsch. Die auf die einzelnen Parteien entfallenden Prozente werden als Anteil an den gültigen Stimmen gewertet, nicht als Anteil an den abgegeben Stimmen. Deshalb ist es rechnerisch vollkommen egal, ob man ungültig wählt oder gar nicht. Den 40%-Balken für „ungültig“ wird man also nie sehen.
    Das einzige, wo die ungültigen Stimmen evtl. mitgezählt werden (weiß ich aus dem Kopf nicht), ist die Wahlbeteiligung. Und da wäre es für die Fraktion der Nichtwähler ja wieder kontraproduktiv, ungültig zu wählen, denn aus einer geringen Wahlbeteiligung lässt sich möglicherweise zumindest noch ein Anflug von Protest herauslesen.

    Ein bisschen anders sieht es bei den kleinen, „chancenlosen“ Parteien aus. An der Sitzverteilung ändert sich zwar nichts (ggü. Nichtwählen), denn die wird durch das Verhältnis der letztlich im Parlament vertretenen Parteien untereinander bestimmt. Aber wenn da plötzlich 20% „Sonstige“ auftauchen und die „etablierten“ insgesamt nur 80% auf sich vereinen, gibt das schon ein anderes Bild.

    Fraglich ist natürlich dennoch, ob Protest alleine ein Grund sein sollte, eine kleine Partei zu wählen, wenn man sich nicht zumindest halbwegs identifiziert…

    Gruß
    Marco (der gültig wählen wird, und zwar eine oder zwei der etablierten Parteien)

  17. @Marco:
    Dass es sich nicht auf die Sitzverteilung auswirkt, ist klar. Dass es aber in der Auszählung der Stimmen – deswegen ja auch der „Ungültig-Balken“ – niederschlägt, habe ich dennoch gedacht.
    Dass Ungültig wählen nur eine Art Protest ist, die nichts konkretes bewirkt, ist klar.
    Niedrige Wahlbeteiligungen scheinen hier ja eher niemanden vom Hocker zu hauen.
    Dass eine Protestwahl nicht blind und blöd für irgendeine möglichst gut polemisierende Partei erfolgen sollte, ist hoffentlich allen klar…

  18. @Leini:
    Beim Wahl-o-Mat muss man halt hoffen, dass ausgerechnet diejenigen, die anscheinend unschlüssig sind, sowas wie eine eigene „Ideologie“ oder Überzeugung haben. Das ist ein wenig gutgläubig, denke ich.

    Mit der „die-da-oben-betrügen-uns-doch-alle-Aussage“ bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Man darf hierbei ja nicht vergessen, dass die Medien – wenn vielleicht auch mit hehren Absichten – sich ja besonders gerne auf diesen oder jenen Skandal stürzen, da selbige irgendwie immer attraktiver sind als die langweilige Politik selbst. Den Schmidt’schen Dienstwagenskandal fand ich so ein typisches Beispiel für „Eigentlich ist nix wirklich dramatisches passiert, aber auf Politikern rumhacken ist nunmal quotenträchtig“.
    Das von dir anhand von Linken und CDU aufgezeigte Opportunismus-Problem sehe ich als weit schlimmer an. Interessant nur, dass diese Gesellschaft seit Jahrzehnten kein ernstes Problem damit hat, dass sich Wahlversprechen als Lügen erweisen. Und in diesem Fall meine ich Lügen, und nicht etwa Kompromisse – die in der Realpolitik natürlich gemacht werden müssen.

    Aber so gesehen ist es doch wieder eine Hommage ans Leben der „kleinen Leute“:
    Bleibt schön flexibel, schummelt euch durch und dann wird alles schon irgendwie klappen…

    Mich kotzt diese Egozentrik an!

  19. @Marco:
    Grundsätzlich hast du recht. Es ist für die Sitzverteilung nicht relevant ob man nicht oder ungültig wählt. Das selbe Ergebnis hat man auch, wenn man eine Partei wählt, die die 5-Prozent-Hürde nicht schafft, denn auch dann verfällt die Stimme.
    Aber:
    Dein Beispiel mit den 20% Sonstigen bezieht sich nicht auf die Sitzverteilung, sondern auf die Hochrechnungen und das „Wahlergebnis“ in der ARD (beispielhaft für alle anderen).
    Da nicht festgelegt ist, was die ARD anzeigt, wäre es durchaus denkbar, dass neben dem, am Ende unwichtigen, Balken „Sonstige“, auch ein Balken „Ungültig“ erscheint, wenn die Prozentzahl hoch genug ist. Beide Balken haben keinen Einfluss auf die Sitzverteilung und dennoch könnte es ein Zeichen sein, wenn nicht nur einer, sonder beide dargestellt werden (müssen).

    Für die Sitzverteilung spielt es keine Rolle ob man nicht, ungültig oder eine chancenlose Partei wählt, aber ich kann den Gedanken nachvollziehen, dass es ein deutlicheres Zeichen ist, dass da ein Balken „Ungültig“ steht, als wenn nur der „Sonstige“ ein wenig höher ist.

  20. @Ozie:
    Hast das trefflicher ausgedrückt als ich. Danke.

    PS: Irgendwie glaube ich, die meisten denken anhand meiner Kommentare dir gegenüber, dass ich es nötig habe, mich einzuschleimen 😉

  21. Marco

    @ozie: Naja, dass das nicht „festgelegt“ ist, was die ARD zeigt, stimmt nur zum Teil. Sicherlich besteht die Möglichkeit, in den Prognosen/Hochrechnungen auch die ungültigen Stimmen anzuzeigen (falls die Zahlen zur Vefügung stehen). Im (vorläufigen) amtlichen Endergebnis aber tauchen die ungültigen Stimmen nicht auf und werden daher auch nicht als Balken dargestellt werden.

    Es bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, dass die Zahl der ungültigen Stimmen – ebenso wie die Wahlbeteiligung – quasi nebenher genannt wird. Aber den eindrucksvollen 40%-Balken (der dann auch dazu führn würde, dass alle Parteien zusammen nur 60% haben) wird es zumindest beim amtlichen Endergebnis nicht geben.

    Wie gesagt, es hindert natürlich niemand die Sender daran, eigene Grafiken „Endergebnis unter Berücksichtigung der ungültigen Stimmen“ zu erstellen und zu veröffentlichen. Aber da ich auch noch nie Grafiken „Endergebnis unter Berücksichtigung der Wahlbeteiligung“ gesehen habe, bei der dann ein 30%-Balken „Nichtwähler“ auftauchte, glaube ich nicht daran, dass es solche Grafiken im Fernsehen geben wird.

  22. @Marco:
    Zugegeben, ob die Zahlen kommuniziert werden, das weiss ich auch nicht. Natürlich müsste die Zahl der Ungültig-Wähler enorm hoch sein, damit sich jemand Gedanken darüber macht, diese Statistik auch irgendwo zu erwähnen.
    Und die 40% sind natürlich utopisch 🙂

  23. Leini

    auf Wikipedia gefunden und durch lesen des §4 WStatG (Wahlstatistikgesetz):
    „Ungültige Stimmen haben auf das Wahlergebnis ebenso wenig Einfluss wie nicht abgegebene Stimmen. Jedoch wird ihre Zahl amtlich festgestellt und veröffentlicht.“
    Außerdem steht in dem §4 auch das die ungültigen Stimmen nach Ungültigkeitsgründen aufgeteilt werden sollen. Das sind aber Grunppen wie „Erststimme ungültig“ „zuviel angekreuzt“ oder so ähnlich. Bringt also nix da nen Roman draufzuschreiben warum man ungültig wählt.
    Aber (und das find ich wichtig) die von mir erwünschte Symbolwirkung hat es trotzdem. Die die es zu interessieren hat werden darüber benachrichtigt wieviel ungültige Stimmen es gab und die die es interessiert können sich informieren.

    @sash
    Ja, meine Aussagen sind sehr… wie soll ich sagen?… einfach gehalten. Ich meine auch nicht die Sachen die von den Medien breitgetreten werden, sondern eher das was man so durch die längere Beobachtung der Aussagen der Parteien mitkriegt.

    Der Leini

  24. Leini

    Natürlich sind 40% utopisch. Mir würden für den Anfang auch schon mal mehr als 5% der Zweitstimmen reichen. Zm vergleich 2005 waren es 1,6%.

  25. @Leini:
    Und deswegen unterstütze ich das Ganze ja 🙂

  26. Pingback: Europa, oder nicht Europa « sachma

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