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27. November 2005

Kaum zu glauben: Da quält man sich für ein paar Sekunden auf die Strasse, um sich Kippen zu besorgen, und da fällt einem auf: Irgendwas stimmt hier doch nicht. Wir… wir… wir haben Sonntag. Verkaufsoffenen, wenn man es genau nimmt. Naja, könnte schlimmer sein. Vorweihnachtliche Aktivitäten können sich auch ganz anders auswirken. Irgendwie zwingt mich dieser Kommentar, meinen Senf zum gestrigen Tag dazuzugeben. Falls es jemanden interessiert: Schwäbisch Hall.

Genau genommen geht es aber auch um einen Verein namens BDVG.

Zur Zusammenfassung: Schwäbisch Hall ist eine wunderschöne Stadt, die sinnigerweise im Landkreis Schwäbisch Hall liegt – hat sich also selbst umkreist. Im Gegenzug dazu ist die BDVG (Bund Deutscher Volksgemeinschaft) eine Ansammlung fragwürdiger Individuen, die sich von Feinden eingekreist sieht. Witzigerweise meistens in Hall. Hall Hall Bababeeee!

Es war nun die 12. (?) Versammlung um Lars Käppler in den letzten 3 Jahren in Schwäbisch Hall. Dieses Mal sind sie „nur“ gegen Kindergeld für Türken auf die Strasse gegangen, was recht harmlos ist für Leute, die in der EU die Reinkarnation der Sowjetunion sehen (vgl. volksgemeinschaft.org – politische Lage der Gegner 1) Hall ist inzwischen Pflichttermin für spassbereite Chaoten und vielleicht sogar offizieller Trainingstermin für Cops. Sollte im folgenden Bericht zufällig das Wort „Bullen“ auftauchen, dann ist das nicht als Beleidigung unserer Freunde und Helfer zu sehen, sondern lediglich ein Versuch, diese Seite lesbar zu machen für die ganzen landschaftsverschandelnden sozialethisch desorientierten Umerziehungsopfer.

Die Anfahrt nach Hall erfolgte einmal mehr mittels Auto, und dieses Mal ohne die Vorab-Verhaftung der Rückbank. Wir waren sogar ein wenig verwundert über die geringe Präsenz von Team Green. Das erste Mal in meinem Leben stand ich an der Schranke eines Parkhauses und musste warten, bis einer rausgefahren ist, weil es zu voll war. Ein selten dämliches Konzept. Naja, irgendwo muss man ja Einsparungen hinnehmen, wenn man für einen kompletten Samstag in der Innenstadt parken 1,50 Euro zahlt. Es muss unerträglich für die BDVG sein, dass Schwäbisch Hall es erlaubt, dass ein einziges Türkisches Kind von seinem monatlichen Kindergeld 2 Jahre lang jeden Samstag dort parken kann. Solche Statistiken kommen sicher noch, ich wollte ihnen nur mal voraus sein…

Am Bahnhof erspähten wir in künstlich erschaffener Distanz bereits die erste JN-Flagge, freuten uns aber zunächst, dass mit dem ersten Zug aus Stuttgart ca. 80 zu unserer Seite zählenden Leute kamen. Etwas fragwürdig war zwar bei einigen LSD-Umerziehungsopfer (gute Abkürzung, merke ich mir) der Zustand, aber das nahmen wir belustigt hin. An dieser Stelle sei eine Wertung der Polizei gegenüber wiedergegeben, die Beachtung verdient hat:

„Ihrr seid alle hässliche grrüne Frrösche“

Einer der wenigen Haller Bürger (ich schreibe keinen Namen) hatte das Megaphon unter Kontrolle und rief nach ein paar Minuten Versammlung erstmal eine „spontane Demonstration“ aus, „ein Recht, dass uns der Verfassung nach zusteht.“ Von meiner Seite aus gehen fette Props an ihn, die Stimmung war selten so gut wie dieses Mal, obwohl es sich sicher um einen der kältesten Demo-Tage in Hall gehandelt hat. Die Umdichtung von „Marmorstein und Eisen bricht“ (alles alles war schon da, deshalb Antifa!) hat schon vor dem Bahnhof für gute Laune und eine lautstarke Demo gesorgt. Wie viele waren wir? Ich schätze 500, vielleicht auch mehr – manchmal kam es mir viel vor, manchmal wenig. Zahlenmässig waren wir in jedem Fall den Nazis überlegen (um den Faktor 10), was auch hinter dem Bahnhof zu äusserst amüsant anmutenden Fluchtszenen geführt hat. „Wir wolln doch nur spielen…“

Nachdem der erste Blockadeversuch zu einer absoluten Durchgangssperre in alle relevanten Richtungen geführt hat, erwies sich Megaphon-Man wieder als Hilfe, indem er uns alle in seinen Garten einlud, der aber dummweise hinter der Absperrung lag. Eine halbe Stunde hat er mit Klagen gegen alle relevanten Leute drohen müssen – wenn sie weiter seine Gäste aufhalten – bis die Cops entnervt den Weg freigemacht haben. Wir haben uns dann aber bei einer 5 cm hohen Schneeschicht kurzfristig entschlossen, doch keine Gartenparty zu machen, sondern uns lieber weiter in den Strassen rumzutreiben. Der Gastgeber ging gleich mit – was soll er auch auf einer Party, wenn alle Gäste gehen?

Die insgesamt dritte grössere Begegnung mit der Staatsmacht verlief dann glimpflich und führte dazu, dass ein Detail dieser Demo unvergessen bleibt:

GIESSKANNE!!!

Herrlich Jungs, Kreativität ist immer noch die beste Waffe. Aber diese Blockade hat sich dann schnell aufgelöst, weil es sich angefangen hat abzuzeichnen, dass eine Ausweichroute für die BDVGler gefunden wurde. Gerade rechtzeitig waren wir dann oben, um uns einmal direkt vor den Faschos querzustellen. Diese Blockade ist inh mehrerer Hinsicht erwähnenswert. Zunächst machten die unbeliebten Gäste das erste Mal die Erfahrung, was es heisst, im Winter aufzumarschieren. Kommt ein Schneeball geflogen… Dann erwies sich eine 10er-Truppe in Grün als äusserst freundlich als sie unsere Versammlung von hinten durchschritt. Alten Frauen ins Gesicht zu schlagen, weil sie im Weg stehen, werde ich mir merken für meine nächste Tour in ein Altenheim. Man will sich ja richtig verhalten. Dann machte unser Sprachrohr deutlich, dass es verhältnismässig sinnvoller ist, den peinlichen 50er-Haufen entfernen zu lassen, als 500 Leute kleinzuknüppeln. Währenddessen verfolgten ein paar tapfere Schneeballwerfer amüsiert einen Generationenkonflikt der besonderen Art, als ein Hausmeister schier an einem Herzinfarkt gestorben wäre, weil er geifernd und rasend vor Wut ein paar Leute aufforderte, ein Garagendach zu verlassen. Die heulende und hysterische Tochter an seiner Seite, die nicht so recht wusste, ob sie nun gegen uns oder ihren Vater ist, hat den Rest dazu getan. Auch der Versuch eines vielleicht 80jährigen Haller Bürgers Jugendliche Antifas mit Schneebällen zur Einsicht zu bringen hat diesen Streckenabschnitt zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Dann mussten die Nazis abdrehen. Aber: Wir wollten, dass sie abfahren! Von weiter durch die Stadt laufen hat niemand was gesagt. Nun galt dann zwei Strassen weiter die schönste neue Parole:

„Eingekesselt. Wie in Stalingrad…“

50 Nazis auf einer Kreuzung, und alle 4 Strassen von Antifanten (Zitat: BDVG) blockiert. Dieser Zustand dauerte mehrere Stunden an. Es wurde immer kälter, und langsam auch dunkler. Es tat sich nichts. Keiner wusste so recht, was nun gehen soll. Das Niveau sank soweit ab, dass einige Leute mit einem Furz Fussball spielten. Dass ein Mensch beteiligt war, der hier bekannt ist, kann eigentlich unerwähnt bleiben. Erstaunlich war, dass sich die Blockade auf eine Strasse konzentrierte, und die anderen 3 Seiten mit nur 10 bis 50 Leuten besetzt waren. Also eigentlich kein ernsthaftes Hindernis für die Polizei. Schliesslich sollte sie zuletzt die grösste Gruppe kesseln, während die Faschos in eine andere Richtung liefen. Davor aber kam es noch zu drei lustigen Begegnungen mit Cops. Als ich an der Seite mit den wenigsten Leuten stand, versuchten die Käppler-Jünger wohl einen Durchbruch, und die 6 uns in Schach haltenden Cops rannten plötzlich zurück und liessen uns bis auf ein paar Meter an die „Deutsche Jugend“ heran. Aus dieser Entfernung konnten die irgendwie nicht mehr so gut ausweichen, zumal sie so eingepfercht waren, dass man sie sicher hier in der Küche unterbringen hätte können. Kein Wunder, dass so ein Volk nach Lebensraum lechzt…

Dass das nicht so clever war, haben dann aber auch die Cops erkannt, und so hatten wir unseren 6er-Trupp bald wieder vor uns stehen. Irgendwann haben die sich aber auch zurückgezogen um 5 Kollegen mit etwas gereizt wirkenden Hunden Platz zu machen. Da wir da scherzend und Spassparolen rufend friedlich dastanden waren wir etwas überrascht, und fragten, was das jetzt wird. Antwort:

„Wenn ihr da noa kommet, beisset euch die Hunde, dann wisst er was los isch!“

OK, ich hätte es nicht annähernd erahnt. Als sich abgezeichnet hat, dass sie zur anderen Seite rauswollten, hatte ich eine Begegnung der dritten Art in einem von Hecken umsäumten kleinen Weg. In der Dunkelheit haben wir (wir waren zwei Leute) wahrgenommen, dass vor uns eine Gruppe Cops kauerte. In der Hoffnung, die warten nur, haben wir gedacht, wir latschen mal vorbei. Plötzlich erschallte es: „Andere Richtung, ganz schnell!“ Nach einer ironischen Frage meinerseits bekam ich eine etwas unfreundliche Antwort, weswegen wir uns dann entschieden haben, nicht zu testen, wie verfassungskonform eine 10er-Gruppe gereizter BFEler mit unwilligen Leuten verfährt. Als wir dann über Umwege an der „Hauptblockade“ angekommen waren, war bereits gekesselt. Ein bisschen Hin-und Hergegifte und fröhliches Singen („Wir sind Geiseln, holt die Polizei…“) später wurden die Nazis in die wie erwähnt andere Richtung durchgeschleust und der Kessel bald darauf aufgelöst.

Eine sehr interessante und dennoch rhetorische Frage ist: Gibt es einen besseren Platz, um mit seinem Auto beim Ausparken ein anderes zu rammen, als vor der Kamera (!!!) des SEKs, mit 200 bewaffneten Cops um einen herum. Der Opa hat jetzt auch eine nette Story zu erzählen…

Es soll wohl so gewesen sein, dass die Nazis nach anfänglichem Zum-Bahnhof-Geschiebe wieder hochgelaufen sind, aber das war unserer Gruppe dann zu viel. Meine Füsse waren Eisblöcke, meine Hände steif, alles hat wehgetan, und wenn es nicht die BDVG wäre, dann könnten sie das, was gestern war, nicht als Erfolg feiern. Aber sie werden es tun. Das wissen wir, und wir freuen uns drauf. Es sei an dieser Stelle echt nochmal die „Weltnetzseite“ volksgemeinschaft.org empfohlen. Für all diejenigen, denen schoener-onanieren.de irgendwie zu langweilig ist.

Nach der Heimfahrt hab ich dann Sven und Anastasia noch nach Fellbach rausgefahren. Dafür könnte ich sie immer noch hassen. Seid froh, dass ich euch mag. ES KOTZT MICH AN! Immer noch!

Beendet hab ich diesen schönen aber stressigen Tag mit dem längsten Telefongespräch meines Lebens (8:15 Std), und somit kann ich nur sagen: Fettes Wochenende!

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